04.06.2015 18:31

Atom-Tomaten

Radioaktiver Abfall soll Gewächshaus heizen

Pläne für ein Endlager Ostsee haben die Kleinstadt Kröpelin geschockt. Nun wird bekannt: Über dem Abfall soll Gemüse angebaut werden.

von
Isabell Prophet
Nach den Entwürfen eines Schweizer Ingenieurs könnte die Abwärme aus dem geplanten Endlager ein Gewächshaus heizen. (Symbolbild: Keystone/Jean-christophe Bott)

Nach den Entwürfen eines Schweizer Ingenieurs könnte die Abwärme aus dem geplanten Endlager ein Gewächshaus heizen. (Symbolbild: Keystone/Jean-christophe Bott)

«Der will da Südfrüchte anbauen», sagt der Stadtpräsident von Kröpelin. Veikko Hackenbeck, CDU-Politiker und Anwalt. Die Sorgen in der Kleinstadt bei Rostock sind groß, seit Pläne bekannt wurden, nach denen am Stadtrand ein Endlager für Atommüll gebaut werden soll.

Ingenieur Volker Goebel hat das Konzept entwickelt. Und tatsächlich: Südfrüchte könnten Teil des Plans sein, «aber auch Salat, Gemüse, Wein», sagt Goebel. Er möchte Gewächshäuser mit einem thermischen Kraftwerk heizen, 25.000 Quadratmeter Fläche sollen sie haben, so groß wie vier Fußballfelder. 3950 Menschen sollen das ganze Jahr über Gemüse daraus essen können.

Atommüll soll Geothermie-Kraftwerk betreiben

Die Wärme kommt direkt vom nuklearen Abfall: In etwa 3300 bis 2500 Metern Tiefe will Goebel die Fässer mit Atommüll künftig lagern. Unter Kröpelin ist eine dicke Schicht Steinsalz, es soll die Umwelt vor dem nuklearen Abfall schützen.

In Hohlräume will er dann in etwa 1600 Metern Tiefe CO2 einleiten. Dort wird es auf 48 Grad erwärmt. Die Hitze kommt von den Fässern: «Die Wärmestrahlung geht um die Welt, die nukleare Strahlung kommt im Steinsalz aber nur etwa 30 Zentimeter weit.»

50.000 Haushalte soll das Kraftwerk versorgen

Und genau dieses Steinsalz sei es, das Kröpelin als Standort für das Endlager so attraktiv mache: «Bei Kröpelin haben wir eine ungestörte mächtige Steinsalzschicht», erläutert Goebel.

Das heiße Gas leiten die Ingenieure dann bei einem Druck von 140 Bar durch ein Förderrohr zu einem Generator. Vier bis fünf Stunden am Tag erzeugt es dann eine Leistung von etwa 50 Megawatt – so viel Leistung hat auch der Ostsee-Windpark «Baltic 1». 50.000 Haushalte können mit dieser Strommenge versorgt werden.

Anwohner sollen entschädigt werden – und gehen

«Die Pläne haben noch eine finanzielle Komponente», erinnert Goebel. «37,5 Milliarden Euro sind für den Endlager-Bau und AKW Rückbau vorhanden. Daraus können viele ganz direkte Entschädigungen gezahlt werden. An Anlieger, an Gemeinden, sogar an kleine Bundesländer.»

Technisch betrachtet sei das Endlager sicher. «Aber die Ängste sind da – wer umziehen will, wird mit dem doppelten Wert seiner Immobilien entschädigt.»

In Bezug auf die ablehnende Haltung der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns sagt Goebel: «Zu den Endlager Standorten entscheidet laut Standort-Auswahl-Gesetz nun der Bundestag, weil bisher niemand so ein Endlager bei sich haben wollte. Die irrationalen Ängste waren zu groß.»

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