Erhöhte Werte: Radioaktiver Saharastaub an Schweizer Grenze entdeckt
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Erhöhte WerteRadioaktiver Saharastaub an Schweizer Grenze entdeckt

Französische Forschende haben im Saharastaub Radioaktivität nachgewiesen. Die Proben wurden an der Schweizer Grenze genommen.

von
Patrick McEvily
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Anfang Februar wurde die Schweiz von einem roten Schleier überzogen. Das Phänomen des Saharastaubs tritt immer wieder mal auf, in diesem Jahr allerdings besonders heftig. Hier ein Bild vom Grossen St. Bernhard.

Anfang Februar wurde die Schweiz von einem roten Schleier überzogen. Das Phänomen des Saharastaubs tritt immer wieder mal auf, in diesem Jahr allerdings besonders heftig. Hier ein Bild vom Grossen St. Bernhard.

20 Min / News-Scout
Auch im französischen Jura kam es im Februar zu eindrücklichen Szenen.
Auch im französischen Jura kam es im Februar zu eindrücklichen Szenen.
ACRO
Die Forschungsgruppe ACRO entdeckte dort für den 6. Februar erhöhte Werte des radioaktiven Isotops Cäsium-137.

Die Forschungsgruppe ACRO entdeckte dort für den 6. Februar erhöhte Werte des radioaktiven Isotops Cäsium-137.

ACRO

Darum gehts

  • Französische Forschende haben im Saharastaub an der Grenze zur Schweiz Radioaktivität nachgewiesen.

  • Die Werte stellten allerdings keine Bedrohung für die Gesundheit dar.

  • Ursache für die erhöhten Werte sind Reste französischer Atomtests in Algerien in den 1960er-Jahren.

In den vergangenen Wochen wurde Europa gleich mehrmals von einem eindrücklichen roten Schleier überzogen. Auch in Frankreich kam es zu eindrücklichen Szenen. Nun haben Experten entdeckt, dass darin auch radioaktives Material enthalten war. Ein Team der Organisation zur Kontrolle der Radioaktivität im Westen (ACRO) hatte nach Cäsium-137 Werten in der Luft gesucht und wurde fündig – an der Grenze zur Schweiz.

Proben wurden im Jura entnommen

Wie der Fernsehsender Euronews berichtet, wurden die Tests am 6. Februar im französischen Département Jura, das an die Schweiz grenzt, durchgeführt. Dazu wurden unter anderem Staubpartikel von parkierten Autos entnommen.

Die Abstriche von parkierten Autos aus dem französischen Jura wurden im ACRO-Labor mittels Gammaspektrometrie ausgewertet. 

Die Abstriche von parkierten Autos aus dem französischen Jura wurden im ACRO-Labor mittels Gammaspektrometrie ausgewertet.

ACRO

Die Werte des radioaktiven Isotops wichen eindeutig vom Durchschnitt ab. Der Stoff Cäsium-137 entsteht bei der Spaltung von Uran und hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren. 200 Jahre später kann noch immer 1 Prozent Radioaktivität nachgewiesen werden. Laut Angaben von ACRO bestand aber zu keinem Zeitpunkt ein Sicherheitsrisiko.

MeteoSchweiz erklärt auf Anfrage, dass man die französischen Ergebnisse zur Kenntnis genommen hat. Die in Frankreich gemessenen Werte blieben jedoch weit unter dem Grenzwert für mögliche Gesundheitsschäden und wurden somit im Schweizer System nicht registriert.

Radioaktivität in der Luft ist in Europa keine Seltenheit. Euronews zitiert den spanischen Atmosphärenforscher Pedro Salazar Carballo dazu: «Eigentlich ist das, was uns am meisten der Radioaktivität aussetzt, das natürliche Radon, das aus dem Boden austritt». Dieses wird beispielsweise auf den kanarischen Inseln regelmässig und in höherer Dosis gefunden als die jetzigen Werte von Cäsium-137.

Französische Atomtests in Algerien als Ursache

Als Ursache für die erhöhten Werte nennt das ACRO-Team französische Atomtests in der ehemaligen Kolonie Algerien in den 1960er-Jahren. Die «Grande Nation» hatte am 13. Februar 1960 in der algerischen Wüste nahe der Stadt Reggane ihren ersten Atomtest durchgeführt.

Die Detonation des, mit dem Codenamen «Gerboise bleue» versehenen, Projekts war viermal so stark wie diejenige im japanischen Hiroshima am Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch nach der Unabhängigkeit Algeriens folgten noch drei weitere Tests. Anschliessend wechselte Frankreich für seine Atomtests auf die eigenen Überseegebiete in der Südsee.

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Das französische Militär testete jahrelang Atomwaffen in der algerischen Wüste. Hier eine Explosion vom Mai 1962 in der Nähe der Stadt Eker.

Das französische Militär testete jahrelang Atomwaffen in der algerischen Wüste. Hier eine Explosion vom Mai 1962 in der Nähe der Stadt Eker.

Getty Images
Bis 1962 war Algerien französische Kolonie. Hier löst General Jean Thiry per Knopfdruck eine Explosion am 27. Dezember 1960 aus. 

Bis 1962 war Algerien französische Kolonie. Hier löst General Jean Thiry per Knopfdruck eine Explosion am 27. Dezember 1960 aus.

AFP
Genau wie die Partikel aus Algerien sind weiterhin auch Spuren der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 weltweit in der Luft messbar.

Genau wie die Partikel aus Algerien sind weiterhin auch Spuren der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 weltweit in der Luft messbar.

AFP

Saharastaub weiter in der Luft

Der Saharastaub weht weiterhin in Richtung Europa. Neben möglichen radioaktiven Partikeln transportiert er vor allem wichtige Nährstoffe wie Eisen. Laut Angaben von MeteoNews sind auch in der Schweiz heute und in den kommenden Tagen noch Saharastaubpartikel in der Luft vorhanden. Diese sorgen vereinzelt für Schleierwolken.

Dass Saharastaub sich auf den Weg nach Norden macht, gibt es immer wieder. Verantwortlich dafür sind Luftströmungen, die meist im Frühling oder Herbst auftreten. Dieses Jahr traten diese schon sehr früh ein und waren ausserdem äusserst stark.

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