Radiosender nehmen Jackson aus dem Programm
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Radiosender nehmen Jackson aus dem Programm

Wegen des Vorwurfs des Kindesmissbrauchs gegen Michael Jackson haben zahlreiche deutsche Radiosender Songs des Superstars aus ihrem Programm genommen.

«Seit zwei Tagen senden wir mit Rücksicht auf unsere Hörer keine Songs mehr von Michael Jackson», sagte der Sprecher des Bayerischen Rundfunks, Rudi Küffner, am Donnerstag der AP. Auch der Mitteldeutsche Rundfunk und mehrere Privatsender wollen keine Musik von Jackson mehr spielen. Andere öffentlich-rechtliche Sender erklärten, die Frage stelle sich erst bei einer rechtskräftigen Verurteilung des Musikers.

Iris Bents, Sprecherin des Norddeutschen Rundfunks, der zurzeit den ARD-Vorsitz innehat, erklärte, es gebe keine einheitliche ARD-Linie in der Frage, «weil die einzelnen ARD-Anstalten in ihren Radioprogrammen völlig autonom sind». NDR2 und N-Joy wollten nach dem Motto «Im Zweifel für den Angeklagten» verfahren und Jackson-Songs zunächst weiter senden. Bei der NDR-Tochter Radio MV wird Jackson ebenfalls nicht aus dem Programm genommen, solange er nicht rechtskräftig verurteilt ist, wie die Leitung des Senders mitteilte. Auch beim Südwestrundfunk (SWR) hiess es, Jackson werde weiter gespielt.

Die grösste private Station in Schleswig-Holstein, R.SH, strich am Donnerstag bis zur Klärung der Vorwürfe alle Songs von Jackson. Auch der Berliner Radiosender Energy 103,4 und der Privatsender Ostseewelle in Mecklenburg-Vorpommern nahmen alle Jackson-Titel aus dem Programm. Beim Privatsender Antenne Mecklenburg-Vorpommern werden sie dagegen weiterhin abgespielt.

Der meist gehörte Münchner Lokalsender Radio Gong entschied sich nach einer internen Diskussion, Jackson vorerst nicht aus dem Programm zu nehmen: «Das wäre sonst ein Akt der Vorverurteilung», sagte Programmchef Stephan Schmitter. Der Sender wolle zunächst abwarten, ob die Vorwürfe gegen Jackson erhärtet werden könnten. «Seine Titel sind bei unserem Hörern aber sehr beliebt.»

Ein anderer bayerischer Privatsender, der namentlich nicht genannt werden wollte, legt dagegen keine Scheiben des Musikers mehr auf. «Das ist aber nur eine vorläufige Entscheidung, und wir halten ihn weder schuldig noch unschuldig», betonte ein Programmverantwortlicher. (dapd)

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