Australien: Rätsel nach 70 Jahren gelöst – Forscher identifizieren den «Somerton Man»

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AustralienRätsel nach 70 Jahren gelöst – Forscher identifizieren den «Somerton Man»

Ende der 40er-Jahre fanden Passanten die Leiche eines Mannes an einem Strand Australiens – den «Somerton Man». Mehr als 70 Jahre nach dem Fund wollen nun Forscher die Identität des Mannes herausgefunden haben.

von
Reto Bollmann
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Ein mysteriöser Todesfall, der sich vor über 70 Jahren ereignete, soll jetzt von Forschern aufgeklärt worden sein. Dieses Bild zeigt die Büste, welche vom Unbekannten angefertigt wurde.

Ein mysteriöser Todesfall, der sich vor über 70 Jahren ereignete, soll jetzt von Forschern aufgeklärt worden sein. Dieses Bild zeigt die Büste, welche vom Unbekannten angefertigt wurde.

ABC News
An dieser Stelle des Somerton Beach in Adelaide, Australien, fanden Strandbesucher 1948 die Leiche eines gut gekleideten Mannes.

An dieser Stelle des Somerton Beach in Adelaide, Australien, fanden Strandbesucher 1948 die Leiche eines gut gekleideten Mannes.

Wikipedia/Tamam Shud case
Der Somerton-Mann hatte unter anderem ein mysteriöses Schriftstück dabei, welches für einen Code gehalten wurde. Der angebliche Code konnte jedoch bis heute nicht entziffert werden.

Der Somerton-Mann hatte unter anderem ein mysteriöses Schriftstück dabei, welches für einen Code gehalten wurde. Der angebliche Code konnte jedoch bis heute nicht entziffert werden.

Wikipedia/Tamam Shud case

Darum gehts

  • Vor über 70 Jahren wurde ein als «Somerton Man» bekannt gewordener, unidentifizierte Toter in Australien gefunden.

  • Viele Theorien entstanden über den gut gekleideten Herrn – etwa, dass er ein russischer Spion war.

  • Nun melden Forscher, die Identität des Mannes herausgefunden zu haben – sein Name soll Carl Webb sein.

Im Jahr 1948 fanden Strandbesucher die Leiche eines gut gekleideten Mannes an einem australischen Somerton Beach in Adelaide. Es war der 1. Dezember. Eine halb gerauchte Zigarette lag auf seinem Kragen, und in seiner Tasche befand sich eine Zeile aus einem persischen Gedicht – doch niemand hatte eine Ahnung, wer er war.

Kein Portemonnaie, kein Bargeld – und keine Ausweise

Der Mann war mit Anzug und Krawatte bekleidet und schien zwischen 40 und 60 Jahre alt zu sein. In seiner Tasche befanden sich Bus- und Zugfahrkarten, Kaugummi, einige Streichhölzer, zwei Kämme und eine Schachtel Zigaretten. Er hatte kein Portemonnaie, kein Bargeld und keinen Ausweis dabei.

Die Etiketten an seinem Anzug waren abgeschnitten worden, und die Gerichtsmediziner vermuteten, dass er vergiftet worden war. Andere kuriose Funde verwirrten die Behörden. Dazu gehörten ein Koffer, weitere Kleidungsstücke, deren Etiketten entfernt worden waren, und mysteriöse Schriftstücke, die für einen Code gehalten wurden. Der angebliche Code konnte jedoch bis heute nicht entziffert werden.

Mysteriöses persisches Schriftstück

Zudem hielt der Unbekannte ein zerrissenes Stück Papier in der Hand, auf dem die persischen Worte «Tamam Shud» – was so viel wie «es ist vorbei» bedeutet – geschrieben standen. Die Fingerabdrücke des Somerton-Mannes wurden in die ganze Welt geschickt, aber niemand konnte ihn identifizieren.

Und so wurde er 1949 auf dem Friedhof von Adelaide mit einem Grabstein beigesetzt, auf dem zu lesen war: «Hier liegt der unbekannte Mann, der am Somerton Beach gefunden wurde».

War es ein russischer Spion?

Über die Jahre entstanden viele Theorien, darunter jene, dass es sich beim «Somerton Man» um einen Spion handelte. Heute, nach mehr als 70 Jahren, sagt ein Forscher, er habe das Rätsel gelöst: Der Somerton-Mann war Carl Webb. Und er sei kein russischer Agent, sondern ein in Melbourne geborener Elektroingenieur gewesen.

Was hältst du von der Geschichte des «Somerton Man»?

Derek Abbott, Professor an der Universität von Adelaide, war in der Lage, die DNA des Somerton-Manns anhand von Haaren zu analysieren. Die Haare waren erhalten geblieben, als die Behörden ein Gipsmodell des Gesichts des Somerton-Manns anfertigten. Denn im vergangenen Jahr wurden die Überreste des mysteriösen Mannes von der Polizei exhumiert, um den Fall zu lösen.

DNA-Analyse verhalf zur Identifikation

Gemeinsam mit der renommierten US-Forensikerin Colleen Fitzpatrick, die sich auf ungeklärte Fälle spezialisiert hat, erstellte er anhand der DNA einen erweiterten Stammbaum. Aus 4000 Namen konnten die beiden einen einzigen herausfiltern: Carl Webb. Dann machten sie die noch lebenden Verwandten des Mannes ausfindig und nutzten deren DNA, um seine Identität zu bestätigen.

Nach Angaben von Prof. Abbott wurde Webb 1905 in einem Vorort von Melbourne geboren. Er war das jüngste von sechs Geschwistern und heiratete Dorothy Robertson, bekannt als Doff Webb. Das hat ihn höchstwahrscheinlich nach Adelaide gebracht, sagte der Professor.

Die Suche ist noch nicht abgeschlossen

«Wir haben Hinweise darauf, dass er sich von seiner Frau getrennt hatte und dass sie nach Südaustralien gezogen war. Möglicherweise war er also gekommen, um sie ausfindig zu machen», sagte er dem Fernsehsender ABC.

Colleen Fitzpatrick möchte nun helfen, das Geheimnis des Somerton-Manns weiter zu lüften. «Ich würde gerne die toxikologische Untersuchung sehen. Und ich würde gerne herausfinden, was mit Dorothy passiert ist», sagt sie gegenüber CNN. 

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