Vaduz FL: Rätsel um 15'000 verschollene Ski-Exponate

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Vaduz FLRätsel um 15'000 verschollene Ski-Exponate

Der Verbleib der Skisammlung von Noldi Beck ist immer noch unklar. Man vermutet, sie sei in Kitzbühel. Anlässlich des Hahnenkammrennens wird nun das Gespräch gesucht.

von
lad
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Der ehemalige Skifahrer Noldi Beck hat das Ski-Museum im liechtensteinischen Vaduz gegründet.

Der ehemalige Skifahrer Noldi Beck hat das Ski-Museum im liechtensteinischen Vaduz gegründet.

Amt für Kultur/Landesarchiv Vaduz
Die Sammlung umfasst rund 15'000 Exponate.

Die Sammlung umfasst rund 15'000 Exponate.

Amt für Kultur/Landesarchiv Vaduz
Der Internationale Ski-Verband FSI hat es 2005 als offizielles Ski-Museum anerkannt.

Der Internationale Ski-Verband FSI hat es 2005 als offizielles Ski-Museum anerkannt.

Amt für Kultur/Landesarchiv Vaduz

«Wir geben nicht auf und suchen weiter nach unseren verschwundenen Leihgaben», sagt die Toggenburgerin Liselotte Schlumpf gegenüber dem «Vaterland». Sie ist zusammen mit drei weiteren Frauen von NostalSki auf der Suche nach der verschollenen Ski- und Wintersportsammlung des verstorbenen Noldi Beck.

Diese soll sich zur Zeit in Kitzbühel befinden. Laut Schlumpf wissen die Frauen sogar, in welchem Gebäude. «Wir kommen aber nicht ran», sagt sie. Auch Rolf Dieter Lehner von Kitzbühel-TV bestätigt gegenüber dem «Vaterland», dass sich die Sammlung immer noch im Ort und «in den Händen der Familie Reisch» befindet.

Gerüchte über Verkauf

2015 wurde die ski-historische Sammlung an den Förderverein Museum Kitzbühel verkauft. Signe Reisch, Präsidentin des Fördervereins, bestreitet diesen Kauf jedoch. Reisch ist in Kitzbühel keine Unbekannte: Sie ist Besitzerin des Hotels Rasmushof und Präsidentin von Kitzbühel Tourismus.

Nun fehlt von der Sammlung jede Spur. Ein bemerkenswerter Verlust, immerhin umfasst die Sammlung 15'000 Exponate. Im September letzten Jahres kursierte das Gerücht, die Skisammlung sei nach Deutschland verkauft worden. Insider bestätigten zwar die Verkaufsgespräche, abgeschlossen wurden diese jedoch nicht.

Keine Verträge, keine Liste

Schlumpf hatte im September via Facebook einen Aufruf gestartet. Darauf hätten sich viele Betroffenen gemeldet, die ebenfalls ihre Leihgaben zurück haben wollen, darunter ehemalige Skirennfahrer, Bergsteiger, Persönlichkeiten aus der Industrie und viele Menschen aus dem Toggenburg. Auch die Schweizer Skilegende Willi Forrer habe 500 Einzelstücke zur Verfügung gestellt.

Auch bei Christian Lingenhöhle vom FIS-Skimuseum im vorarlbergischen Damüls meldeten sich Personen, die auf der Suche nach ihren Sammelstücken sind: «Auch namhafte Persönlichkeiten wie Olympiasieger Patrick Ortlieb», so Lingenhöhle gegenüber dem «Vaterland».

Doch für die Betroffenen dürfte es nicht so leicht sein, die Gegenstände zurückzubekommen. In den genannten Toggenburger Fällen als auch jenen vom Vorarlberg gibt es keine Verträge. «Zum Teil wurde die Übergabe nur per Handschlag gemacht», sagt Lingenhöhle. Zudem habe Noldi Beck über seine Sammlung kein Inventar geführt.

Hoffnung auf Menschlichkeit

Rechtlich gegen die Familie Reisch will man nicht vorgehen, zu kompliziert sei es, vom Ausland aus zu agieren. Schlumpf hofft auf die Menschlichkeit der jetzigen Besitzerin: «Aber im Moment blockt sie völlig ab. Auf einen persönlichen Brief hat sie nicht reagiert.» Willi Forrer will dieses Wochenende anlässlich des Hahnenkamm-Rennens persönlich mit Signe Reisch sprechen und sie zur Rede stellen.

Informationen zur Ski- und Wintersportsammlung

Zusammengetragen hat die Sammlung der ehemalige liechtensteinische Skirennfahrer Noldi Beck. 1993 gründete er in Vaduz ein Ski- und Wintersportmuseum. An seine Schätze kam er als Servicemann in einem Sportgeschäft. Angefangen hatte es 1989 mit der Bindung eines Kinderskis, einer Tyrolia 57. Danach fragte er seine Kunden nach alten Skis. Erst sammelte Beck nur Bindungen und sägte die Skis rundherum ab, dann weitete er seine Sammlung aus. Auch Kurioses fand sich in der Sammlung, so etwa das Tenü des akademischen Skiclubs Schnee­hase Zürich von 1924, zu dem eine Krawatte gehörte: Ohne wagte sich zu dieser Zeit kein Gelehrter auf die Piste. 2005 folgte die Anerkennung als offizielles Ski-Museum durch den Internationalen Ski-Verband FIS. Geschätzter Wert der Sammlung: rund 1,2 Millionen Euro.

2014 starb Beck im Alter von 65 Jahren. Danach wurde das Museum aufgelöst, da in Liechtenstein offenbar niemand Interesse an einer Weiterführung hatte.

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