Aktualisiert 05.10.2018 06:37

Fälensee

Rätsel um Fische in Bergsee beim Alpstein

Kanadische Raubfische sollen angeblich den Fälensee leer fressen. Derzeit führt der Kanton AI deshalb eine Abfisch-Aktion durch. Ein Leser-Reporter zweifelt an deren Sinn.

von
lad
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Im Fälensee im Alpsteingebiet gingen die Fischfangerträge in den letzten Jahre dramatisch auf weniger als 200 pro Jahr zurück.

Im Fälensee im Alpsteingebiet gingen die Fischfangerträge in den letzten Jahre dramatisch auf weniger als 200 pro Jahr zurück.

Wikimedia/Wiechert
Die Kanadischen Seesaiblinge bedrohen laut Kanton Appenzell Innerrhoden einheimische Fische.

Die Kanadischen Seesaiblinge bedrohen laut Kanton Appenzell Innerrhoden einheimische Fische.

Tseybold
Deshalb fand in den letzten Tagen eine Abfisch-Aktion im Bergsee statt.

Deshalb fand in den letzten Tagen eine Abfisch-Aktion im Bergsee statt.

Andykrakovski

Im Fälensee im Alpsteingebiet nimmt der Fischbestand seit Jahren laufend ab. Grund dafür soll der Kanadische Seesaibling sein, der die einheimischen Fische frisst. Deshalb fand diese Woche eine Abfisch-Aktion mit grossmaschigen Netzen mit Spezialisten im Bergsee statt. Auftraggeber ist der Kanton Appenzell Innerrhoden.

Der Kanadische Seesaibling (Salvelinus namaycush), der eigentlich in nordamerikanischen Seen heimisch ist, wurde Mitte der 80er-Jahre im Fälensee ausgesetzt. Ziel war es, den Fischbestand zu erhöhen. Zu Beginn sei diese Massnahme erfolgreich gewesen, sagte Gewässerökologe Fabian Peter im April 2018 zu 20 Minuten. Er hatte den Kanton beraten. Ab 1991 seien die Fangerträge im See trotz weiteren Aussetzungen jedoch wieder auf unter 200 gefangene Fische ab dem Jahr 2011 zurückgegangen. In den 90er-Jahren waren es noch 1400 gewesen. Die Vermutung: Die Fische aus Kanada wurden gross und gefrässig.

Gestörte Wasserqualität

Laut einem Leser-Reporter ist diese Vermutung Unsinn: «Im Fälensee wurde schon seit Jahren kein solcher Kanadier mehr gefangen», sagt er. Der erfahrene Fischer und Kenner der Fischart ist überzeugt, dass nur noch sehr wenige Exemplare im Fälensee schwimmen. Das werde auch die Abfisch-Aktion zeigen. «Das bedeutet, diese Fischart kann nicht für den schlechten Fischbestand im Bergsee verantwortlich sein», so der Ostschweizer weiter.

Vielmehr vermutet er einen anderen Grund für das Fischesterben: «Die Wasserqualität und Ökologie des Sees sind massiv gestört.» Der Grund sei mit einer Dreck- und Schlammschicht überdeckt, weil der Abfluss der Alp und Käserei des Gebiets im See ende. Dort sehe er Handlungsbedarf. «Der Fälensee ist total krank und der Kanton weiss das genau.» Dennoch würden sie einen Fisch, der am Grund lebe und selbst kaum überlebe, für das Fischsterben verantwortlich machen.

Kanton hüllt sich in Schweigen

Beim Kanton wollte man sich derzeit nicht zur Abfisch-Aktion und deren Resultat äussern. Selbst ein Zwischenfazit sei nicht möglich. Die Arbeiten seien noch nicht abgeschlossen, hiess es am Donnerstagmittag, und die gefangenen Fische müssten zuerst noch untersucht werden. Danach erst werde der Kanton informieren. Auch zu den genannten Vorwürfen wollte man keine Stellung nehmen.

Wie 20 Minuten aus einer anderen verlässlichen Quelle erfahren hat, seien aber in den ersten anderthalb Tagen der Abfisch-Aktion weniger als zehn Kanadische Seesaiblinge in den Netzen hängen geblieben.

Kanadische Seesaibling

Der in der Schweiz als Kanadischer Seesaibling bezeichnete Fisch gehört zu den Lachsfischen und ist auch als Amerikanische Seeforelle oder Amerikanischer Seesaibling bekannt. Der Fisch stammt ursprünglich aus tiefen, sauerstoffreichen Seen der nördlichen Hälfte Nordamerikas und hält sich bevorzugt in tiefen, kühlen Bereichen auf. Er ist äusserst empfindlich gegen veränderte Umweltbedingungen. Er ernährt sich überwiegend von anderen Fischen.

Mitte der 80er Jahre wurde der Kanadische Seesaibling in Europa in vielen Bergseen im Alpenraum ausgesiedelt.

(Quelle: www.fischlexikon.eu)

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