Meiringen BE: Rätsel um tödliche Unfälle auf gerader Strasse
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Meiringen BERätsel um tödliche Unfälle auf gerader Strasse

Auf der Mäderen zwischen Brienz und Meiringen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Verwunderlich, denn die Strasse ist schnurgerade.

von
rc
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Auf der Hauptstrasse von Brienz nach Meiringen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen – dies obwohl die Strecke schnurgerade ist.

Auf der Hauptstrasse von Brienz nach Meiringen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen – dies obwohl die Strecke schnurgerade ist.

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Die Grafik zeigt diverse Unfälle, die sich seit dem Jahr 2017 auf dem Streckenabschnitt ereigneten.

Die Grafik zeigt diverse Unfälle, die sich seit dem Jahr 2017 auf dem Streckenabschnitt ereigneten.

Google Maps/ RC
Am Mittwoch, dem 4. Dezember, kollidierte ein Autofahrer auf der Hauptrasse zwischen Brienz und Meiringen mit einem Baum. Der Mann verstarb in der Nacht auf Donnerstag im Spital.

Am Mittwoch, dem 4. Dezember, kollidierte ein Autofahrer auf der Hauptrasse zwischen Brienz und Meiringen mit einem Baum. Der Mann verstarb in der Nacht auf Donnerstag im Spital.

Google Maps

Am vergangenen Mittwoch ist auf der Mäderen ein Autofahrer tödlich verunfallt: Der Mann geriet aus ungeklärten Gründen auf Gegenfahrbahn und prallte anschliessend frontal in einen Baum. In der Nacht auf Donnerstag verstarb er im Spital.

Ein fast identisches Unglück spielte sich am 25. November ab: Auch hier geriet der Lenker auf die Gegenspur, kam von der Strasse ab und kollidierte mit einer Mauer. Der 56-Jährige verstarb noch am Unfallort.

Die Liste könnte fortgeführt werden: Zwei Tote, neun Schwerverletzte und mindestens 16 Wildunfälle ereigneten sich in den letzten zwei Jahren auf der Mäderen, die von Brienz nach Meiringen führt. Dass es gerade auf diesem Streckenabschnitt besonders viele Verkehrunfälle gibt, verwundert: Die Strecke ist schnurgerade und entgegenkommende Autos sind normalerweise von weither sichtbar.

Gemeinde ist ratlos

«Die Unfälle beschäftigen uns natürlich stark», sagt Roland Frutiger, Gemeindepräsident von Meiringen. Auch er könne sich nicht erklären, weshalb es gerade auf der Mäderen öfters zu schweren Unfällen kommt. «Dies müsste man einen Unfallforscher fragen», sagt der Gemeindepräsident. «Auch wir sind erstaunt über diese Häufung.» Denn die Strecke von Brienz nach Meiringen sei, wie bereits erwähnt, total gerade.

Der Gemeinde seien in den letzten Jahren vor allem Wildunfälle auf der Mäderen ein Dorn im Auge gewesen: «Wenn das Wild vom südlichen Tal ins nördliche wandert, müssen die Tiere die Kantonstrasse überqueren», erklärt Frutiger. Dies habe zu vielen Unfällen mit Hirschen geführt. Alleine im Winter 2017/2018 wurden 16 Wildunfälle vermerkt. Zwölf Hirsche mussten in der Folge erschossen werden. Nur mit Glück kamen dabei keine Menschen zu Schaden. Deswegen arbeite das VBS nun daran, sogenannte Wildwarnanlagen an den problematischen Stellen zu installieren.

Ablenkung und zu hohe Geschwindigkeit

Mögliche Gründe für die vielen Unfälle liefert die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU): «Bei tödlichen Unfällen ist unangemessene Geschwindigkeit die häufigste Unfallursache», sagt Sprecher Marc Kipfer. Dies seien zum Beispiel Geschwindigkeiten, welche die vorgegebene Tempolimite überschreiten würden. «Unangemessen kann jedoch auch bedeuten, dass die Geschwindigkeit nicht an die Witterung oder den Verkehrsfluss angepasst wird», so Kipfer.

Der zweithäufigste Grund für tödliche Verkehrsunfälle ist Unaufmerksamkeit und Ablenkung. «Dies ist ein sehr allgemeiner Begriff, der viele Faktoren beinhaltet. Ein Smartphone sorgt natürlich für Ablenkung, jedoch können auch ein vertieftes Gespräch oder ein Hörbuch ablenken», so Kipfer.

Die meisten tödlichen Unfälle passieren ausserorts

Auf die Mäderen kann die BfU nicht eingehen. «Man kann jedoch sagen, dass die meisten tödlichen Autounfälle auf Ausserortsstrassen passieren», sagt Kipfer. Ein zentraler Faktor sei dabei der Gegenverkehr. «Ein weiterer Faktor ist das erhöhte Tempo auf Ausserortsstrassen.»

Dass viele Unfälle auf geraden Strecken passieren, zeigt auch die Statistik: Zwischen 2014 und 2018 kam es in der Schweiz zu 488 schweren Personenschäden auf geraden Ausserortsstrassen. Zum Vergleich: Bei Verzweigungen kam es in der selben Zeit lediglich zu 239 schweren Personenschäden.

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