Aktualisiert 28.07.2016 07:53

Frauenfeld TGRätsel um über 300 Jahre alten Gegenstand

Michael Gschwend aus Frauenfeld hat in der Thur einen aussergewöhnlichen Gegenstand aus Eisen gefunden. Laut Archäologen ist er über 300 Jahre alt.

von
Jeroen Heijers
1 / 4
Diesen Gegenstand hat Michael Gschwend am Montag in einem Kiesbett an der Thur gefunden.

Diesen Gegenstand hat Michael Gschwend am Montag in einem Kiesbett an der Thur gefunden.

Urs Leuzinger
Er postete Bilder des Gegenstands in die Facebook-Gruppe «Du bisch vo Frauefeld wenn...». Dort empfahl man ihm, den Gegenstand zum Amt für Archäologie zu bringen.

Er postete Bilder des Gegenstands in die Facebook-Gruppe «Du bisch vo Frauefeld wenn...». Dort empfahl man ihm, den Gegenstand zum Amt für Archäologie zu bringen.

Facebook-Screenshot
Einen Tag später brachte er den Gegenstand zum Amt für Archäologie des Kantons Thurgau.

Einen Tag später brachte er den Gegenstand zum Amt für Archäologie des Kantons Thurgau.

Urs Leuzinger

«Ich lief am Montagmittag mit meinen Arbeitskollegen der Thur in Frauenfeld entlang, als ich in einem Kiesbett plötzlich einen eigenartigen Gegenstand unter einem Stein liegen sah», sagt Michael Gschwend. Zuerst wollte der 23-Jährige den Fund wieder zurück in den Fluss schmeissen. Doch einer seiner Mitarbeiter machte ihn darauf aufmerksam, dass der rund 8 Zentimeter lange Gegenstand sehr alt aussehe. Da sei ihr Interesse geweckt gewesen. «Wir haben versucht zu analysieren, um was es sich handeln könnte. Von Granatenkopf bis Kerzenständer war alles dabei», sagt Gschwend.

Über 300 Jahre alt

Um eine Erklärung zu finden und seine Neugier zu stillen, postete er Bilder des Gegenstands in die Facebook-Gruppe «Du bisch vo Frauefeld wenn...». Auch da war das Interesse an seinem Fund sehr gross. «Einige empfahlen mir, den Gegenstand zum Amt für Archäologie des Kantons Thurgau zu bringen», so Gschwend. Dies tat der 23-Jährige am Dienstag dann auch.

Zusammen mit den beiden Archäologen Irene Ebneter und Urs Leuzinger wurde Gschwends Fund am Mittwoch einer ersten Untersuchung unterzogen. «Das ist ein wirklich spannender Fund», sagt Leuzinger. Nach jetzigen Erkenntnissen handle es sich um ein Unikat, ein sorgfältig verziertes, handgeschmiedetes Eisenobjekt. Es sei ursprünglich wohl auf einem organischen Objekt wie Holz oder Leder montiert gewesen. Einen Möbelknauf könne er ausschliessen. «Vermutlich stammt es aus dem Mittelalter oder der frühen Neuzeit. Ich denke, dass es über 300 Jahre alt ist», so Leuzinger.

Archäologie-Buch als Geschenk

Die Funktion des Eisenobjekts könne aktuell noch nicht bestimmt werden. «Wir werden nun die Fachliteraturen durchwälzen und mit unseren Recherchen beginnen», sagt der Archäologe begeistert. Es könne sein, dass man bereits in einigen Tagen die Herkunft des Gegenstands bestimmt hat. «Es kann aber auch Jahre dauern.»

Finder Gschwend habe nach seinem Fund genau das Richtige getan. «Herr Gschwend hat sich vorbildlich verhalten. Herrenlose Altertümer gehören in der Schweiz dem Staat und müssen den jeweiligen archäologischen Fachstellen gemeldet werden», so Leuzinger. Einen Finderlohn bekommt Gschwend allerdings nicht. Das sei nur bei sehr wertvollen Gegenständen üblich. «Wir haben ihm aber ein dickes Archäologie-Buch geschenkt», sagt Archäologe Leuzinger.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.