Publiziert

90 Prozent wenigerRätsel um verschwundene Königspinguine

Die grösste Kolonie von Königspinguinen auf der Île aux Cochons im Indischen Ozean ist dramatisch geschrumpft. Forscher können sich das nicht erklären.

von
jcg
1 / 4
Königspinguine sind nach den Kaiserpinguinen die grösste Pinguinart. (im Bild: Königspinguine im Zoo Zürich)

Königspinguine sind nach den Kaiserpinguinen die grösste Pinguinart. (im Bild: Königspinguine im Zoo Zürich)

Keystone/Ennio Leanza
Die grösste Kolonie bilden sie auf der unbewohnten französischen Insel Île aux Cochons im Indischen Ozean. Anfang der 1980er-Jahre tummelten sich dort etwa 2 Millionen Tiere. (Aufnahme von 1982)

Die grösste Kolonie bilden sie auf der unbewohnten französischen Insel Île aux Cochons im Indischen Ozean. Anfang der 1980er-Jahre tummelten sich dort etwa 2 Millionen Tiere. (Aufnahme von 1982)

Henri Weimerskirch
Seither hat ihre Zahl dort um 88 Prozent abgenommen. (Aufnahme aus dem Helikopter vom 30. Dezember 2016)

Seither hat ihre Zahl dort um 88 Prozent abgenommen. (Aufnahme aus dem Helikopter vom 30. Dezember 2016)

Peter Ryan

Anfang der 1980er-Jahre lebten auf der unbewohnten französischen Insel Île aux Cochons auf halbem Weg zwischen Afrika und der Antarktis etwa 2 Millionen Königspinguine. Inzwischen sind es rund 88 Prozent weniger, wie die Auswertung hochaufgelöster Satellitenbilder und Aufnahmen aus dem Helikopter ergeben hat. Es gebe gerade noch 200'000 Exemplare der rund einen Meter grossen Pinguine, heisst es in der im Fachjournal «Antarctic Science» veröffentlichten Studie.

Hauptautor Henri Weimerskirch sagte dazu dem «Guardian»: «Das ist vollkommen unerwartet und insofern bedeutend, als dass die Kolonie beinahe ein Drittel der Gesamtpopulation der Königspinguine beheimatet.»

Wetterphänomen und Überbevölkerung

Das Wetterphänomen El Niño könnte laut den Forschern eine Rolle spielen. 1997 war es besonders stark ausgeprägt. Dabei erwärmte sich das Wasser im südlichen Indischen Ozean so stark, dass Fische und Kalmare vorübergehend nach Süden wanderten. Dort waren sie ausser Reichweite für die Königspinguine, deren Hauptnahrungsquelle sie bilden. «Das führte zu einer Verkleinerung der Population und weniger Nachwuchs für alle Königspinguine der Region», so Weimerskirch.

Auch die Überbevölkerung der Insel könnte eine Rolle gespielt haben. Diese kann einen verstärkten Wettbewerb unter den einzelnen Tieren hervorrufen, was in Kombination mit einem Mangel an Beutetieren zu einem markanten und schnellen Rückgang der Population führen kann – besonders nach einem klimatischen Ereignis wie Ende der 1990er-Jahre.

Grassierende Vogelkrankheit

Der Rückgang könnte auch krankheitsbedingt sein. Laut den Forschern grassiert zurzeit die Geflügelcholera unter Meeresvögeln auf anderen Inseln der Gegend, wie etwa bei den Albatrossen der Île Amsterdam oder den Pinguinen von Marion Island, wie die französische Forschungsorganisation CNRS in einer Mitteilung schreibt.

Um die Erkenntnisse aufgrund der Satellitenbilder zu überprüfen und den wahren Ursachen für den Rückgang bei den Königspinguinen auf die Spur zu kommen, wollen Weimerskirch und sein Team in Kürze zu einer Feldstudie auf die abgelegene Insel aufbrechen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.