Überfall in Le Locle NE – Räuber und Geiselnehmer mit 30 Schüssen in Motorenblock gestoppt
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Überfall in Le Locle NE Räuber und Geiselnehmer mit 30 Schüssen in Motorenblock gestoppt

Ein Überfall auf einen Uhrenzulieferer in Le Locle endete in einer spektakulären Verfolgungsjagd. Die Täter konnten schliesslich gefasst werden; Beute ergatterten sie keine.

von
Philippe Coradi

Räuber nahmen am Donnerstag in einer Uhrenfirma in Le Locle vier Mitarbeitende als Geiseln.

Video: 20min/jd

Darum gehts

  • Am Donnerstagabend nahmen zwei Männer Angestellte einer Uhrenfirma als Geiseln und wollten deren Tresore leerräumen.

  • Das gelang ihnen nicht und sie mussten flüchten.

  • Daraufhin kam es in Frankreich zu einer spektakulären Verfolgungsjagd.

Am Donnerstag wurde gegen 17.30 Uhr ein Angestellter eines Zulieferbetriebs für die Uhrenindustrie zusammen mit seiner Lebensgefährtin in ihrem Haus in La Chaux-de-Fonds von zwei mit einer Pistole bewaffneten Personen als Geisel genommen. Die Täter zwangen das Paar unter Androhung von Waffengewalt, sich in ihre Fabrik in Le Locle zu begeben. Dort wurden die zwei anwesenden Mitarbeitenden ebenfalls als Geiseln genommen und gezwungen, mehrere Tresore zu öffnen. Diese lösten allerdings einen stillen Alarm aus, der eine private Sicherheitsfirma und die Kantonspolizei Neuenburg auf den Platz rief.

Auto gekidnappt, ohne Beute geflohen

Trotzdem konnten die beiden Räuber flüchten. Die Polizei geht davon aus, dass das Duo von einer Schmiere stehenden Person gewarnt wurde. Dabei überwältigten sie eine zufällig anwesende Autofahrerin und flüchteten mit ihrem Wagen in Richtung französischer Grenze. Die Beute mussten sie zurücklassen, wie die Kantonspolizei Neuenburg mitteilt.

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Die Täter flüchteten mit einem – einer Frau entrissenen – BMW nach Frankreich. Sie konnten in Pontarlier gestoppt werden. 

Die Täter flüchteten mit einem – einer Frau entrissenen – BMW nach Frankreich. Sie konnten in Pontarlier gestoppt werden.

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Wikipedia Andreas Faessler CC BY-SA 4.0

Weil die neuenburgische Polizei das gestohlene Auto umgehend international zur Fahndung ausgeschrieben hatte, konnten die französischen Kollegen die flüchtenden Täter in der Region von Pontarlier ausfindig machen und verfolgen. Diese rammten während der Verfolgungsjagd absichtlich das Polizeifahrzeug. Dabei drückten sie das Auto der Beamten über zehn Meter rückwärts, wie der Staatsanwalt von Besancon gegenüber dem «Figaro» berichtet.

Magazin in Fronthaube entleert

Danach schoss ein französischer Polizist sein gesamtes Magazin seiner Waffe in den Motorenblock des Fluchtfahrzeugs – insgesamt 30 Kugeln. Sein Ziel sei es gewesen, das Fluchtfahrzeug (BMW) fahruntüchtig zu machen. Zudem schoss ein Polizist weitere vier Patronen durch die Heckscheibe, um die «vermummten und bewaffneten» Verdächtigen schliesslich erfolgreich festzunehmen, ohne sie zu verletzen.

Die zwei «hochkarätigen Kriminellen» (35 und 46) wurden in Untersuchungshaft gebracht, am Samstag sind sie angeklagt worden; ihnen wird versuchte Tötung von Polizisten sowie Entführung und Freiheitsberaubung in der Schweiz zur Last gelegt. Laut der zuständigen Staatsanwaltschaft war der 46-Jährige 2020 aus einem Gefängnis entlassen worden, er war zu 25 Jahren Haft verurteilt gewesen.

Geiseln unter Schock, aber ohne Verletzungen

Die vier Geiseln standen nach dem Vorfall zunächst unter Schock; es geht ihnen nach Angaben der Kantonspolizei den Umständen entsprechend gut. Sie waren während zweier Stunden in der Gewalt der Räuber, wurden aber körperlich nicht verletzt. Sie, aber auch die schockierte Fahrerin des gestohlenen Fahrzeugs, wurden von der Neuenburger Einheit für psychosoziale Intervention betreut.

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