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Überfall auf PokerturnierRäuber verloren Teil ihrer Beute auf der Flucht

Nach dem Überfall in Manier der Hollywood- Komödie «Oceans Eleven» auf Deutschlands grösstes Pokerturnier in Berlin hat die Polizei noch keine heisse Spur von den Räubern. Im Gegensatz zur Schauspieler-Truppe rund um George Clooney waren die Räuber aber nicht ganz so erfolgreich.

von
rje/whr

Nach Angaben der Ermittler verloren die Täter eine Tasche mit «einem grösseren Teil ihrer Beute» bei Handgreiflichkeiten zwischen einigen Räubern und einem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes des überfallenen Luxushotels. Der Sicherheitsmann wurde dabei leicht verletzt. Weitere Angaben zur Höhe der gestohlenen Summe und zum Tathergang wollte die Polizei nicht machen. In Medienberichten war von etwa 200 000 Euro die Rede.

Beim Überfall waren mindestens vier maskierte, mit Schusswaffen und Macheten bewaffnete Täter ins Hotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz eingedrungen. Sie hatten es vermutlich auf das Millionen schwere Preisgeld abgesehen. Das Turnier sollte am Sonntag zu Ende gehen. Die Ermittler seien dabei, die Spuren vom Tatort, Hinweise von Zeugen und Videos auszuwerten, sagte ein Sprecher am Sonntag in Berlin.

Chaos im Casino

Im Fünf-Sterne-Hotel, wo sich einige der weltbesten Spieler zur «European Poker Tour» versammelt hatten, war gegen 14.15 Uhr das Chaos ausgebrochen. Bereits wenige Minuten nach dem Überfall im Empfangsbereich des Turniers kursierten im Internet schon Videos vom Tatort.

Die meisten Spieler liessen ihre Karten fallen und rannten aufgeregt durcheinander. Viele suchten Schutz unter den Spieltischen oder wollten aus den Räumen im ersten Stock des Hotels flüchten. Beim Gedränge wurden nach Polizeiangaben sieben Menschen leicht verletzt. Schüsse sollen nicht gefallen sein.

Die Täter hätten «bewaffneter Raubüberfall» gerufen, schilderte ein Teilnehmer seine Eindrücke gegenüber Reuters TV. Dann sei die Panik ausgebrochen und alle unter die Tische gekrochen. Einige Spieler bewiesen nach seinen Beobachtungen echte Poker-Qualität und bewahrten Nerven: «Die sind einfach sitzen geblieben. Aber das waren wohl die wenigsten.»

Es wird weiter gepokert

Nach einer Unterbrechung wurde das Turnier fortgesetzt. In der Finalrunde am Sonntag spielten schliesslich die besten acht Spieler um den Hauptgewinn von einer Million Euro. Insgesamt gab es 4,6 Millionen Euro Preisgeld zu verteilen.

Das Turnier war am Dienstag mit fast 1000 Teilnehmern gestartet. Die prominentesten Teilnehmer waren aber früh ausgeschieden. Der ehemalige Tennisprofi Boris Becker musste seinen Platz am Tisch ebenso schnell räumen wie die Fernsehmoderatorin und Buchautorin Charlotte Roche. Auch Titelverteidigerin Sandra Naujoks («Black Mamba») war schon in der Nacht zum Donnerstag gescheitert. (rje/whr/sda/dapd)

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