Aktualisiert 22.05.2020 17:53

Besetzte Häuser

Räumt die Polizei jetzt das Juch-Areal?

Am Freitag läuft für die Besetzer des Juch-Areals in Zürich die Frist ab. «Wir bleiben hier», sagen die Aktivisten trotz der Räumungsandrohung der Polizei.

von
Bettina Zanni

Darum gehts

  • Am Freitag um Mitternacht soll das besetzte Juch-Areal in Zürich-Altstetten geräumt werden.
  • Die Stadt Zürich will das Gelände als Bauplatz für den Bau des neuen Eishockeystadions auf dem Nachbargelände vermieten.
  • Die Besetzer wehren sich einen Tag vorher gegen die Räumung und kündigen an, zu bleiben.

Geballte Wut knallt Besuchern beim Eingang des Juch-Areals entgegen: Ein Stinkefinger mit der Überschrift «Stay Home – wir sind schon 5» prangt dort zur Begrüssung. Wer sich dem Zaun mit den vielen Transparenten nähert, trifft auf ein Schild mit der Warnung «Achtung, Betreten auf eigene Gefahr». Durch das Eingangstor schmettert Punk-Rock. Der Mann hinter dem Tor zeigt sich nicht. Er erklärt in einem Mix aus gespieltem Englisch und astreinem Schweizerdeutsch, dass sie «keine Lust auf ein Interview» hätten. Er sage nur eines: «Wir bleiben hier. Wir haben kein Zuhause. Wir gehen nicht weg, wenn die Polizei kommt.» Offiziell geduldet sind die Aktivisten noch einen Tag.

Seit Oktober 2019 besetzen die Aktivisten das Areal in Zürich-Altstetten und nutzen es als «Kultur- und Lebensraum». Am 22. Mai um Mitternacht ist Schluss damit: Dann soll das Areal des ehemaligen Bundesasylzentrums menschenleer sein. Für 2,5 Jahre will die Stadt Zürich das Gelände dem Generalunternehmen HRS Estate als Bauplatz für den Bau des neuen Eishockeystadions auf dem Nachbargelände vermieten. Mit der Petition «Kein Lastwagen-Wendeplatz auf dem Juch-Areal» kämpfen die Besetzer gegen das Vorhaben. «Keine Räumung und kein Abriss des Juch-Areals zugunsten von ‹Bauplatzinstallationen› der HRS Real Estate. Das Areal gehört der Stadt und die Stadt gehört den Menschen, die darin leben», fordern sie. Über 1500 Personen, darunter auch linke Zürcher Kantons- und Gemeinderäte, haben die Petition bisher unterzeichnet.

Verschobene Räumung

«Das Areal hier ist Kultur- und Polit-Squat. Wir haben diverse Projekte wie Sprachschulen hier», sagte ein Aktivist dem linken Gesellschaftsmagazin «Das Lamm» im April. Diverse Leute würden hier wohnen. Durch die Räumungsandrohung sei ihre Existenz bedroht. «Wir werden alle Möglichkeiten nutzen, um uns dagegen zu wehren», kündigte der Aktivist an.

Aufgrund der Corona-Krise verschob das Sozialdepartement der Stadt Zürich die erste Räumungsfrist um einen Monat. «Sollte das Areal nach Ablauf der Frist von den Besetzerinnen und Besetzern nicht verlassen worden sein, wird das Sozialdepartement für die Stadt Zürich eine entsprechende Strafanzeige stellen», sagt Heike Isselhorst, Sprecherin des Sozialdepartements, zu 20 Minuten.

Beladene Traktoren

Auf dem besetzten Platz herrscht an diesem Auffahrtsdonnerstag emsiges Treiben. Plötzlich ertönt Motorengeräusch. Der Mann hinter dem Zaun verscheucht die Reporterin und öffnet den Zaun für eine junge Frau, die mit einem Traktor in das Areal einfährt. Ein Blick durch das Gitter zeigt, dass sie danach Dutzende Bilderrahmen auf einen Anhänger lädt. Irgendwann fährt die Polizei vorbei. Es bleibt aber ruhig.

Etwas später öffnet sich das Tor erneut. Eine junge Frau und ein junger Mann steigen in einen mit Material beladenen Traktor. «Wir gehen nicht weg, auch wenn die Polizei morgen kommt», sagt die junge Frau bestimmt. Als die beiden mit dem Traktor losfahren, schliessen sich weitere Besetzer in einer Autokolonne dem Traktor an und fahren aus dem Areal. Gleichzeitig spazieren einige Aktivisten mit Rucksäcken hinaus. Einer gibt einem englischsprachigen Kollegen eine Routenempfehlung ab. Dabei fällt das Wort «Polizei». Ob die Aktivisten wichtige Gegenstände in Sicherheit bringen oder doch schon am Ausziehen sind, wird sich am Freitag zeigen.

Das Juch-Areal

Bis Ende September 2019 wurden Asylsuchende im Rahmen des Testbetriebs in den ehemaligen Gastarbeiterunterkünften auf dem Juch-Areal untergebracht. Ursprünglich wollte die Eigentümerin der Unterkünfte, die Asyl-Organisation Zürich (AOZ), die Gebäude nach notwendigen Sanierungen weiterhin für die Unterbringung von Asylsuchenden nutzen. Laut der Stadt Zürich zeigte sich zwischenzeitlich, dass es auf Teilen des Juch-Areals zu Bodenabsenkungen kam. Diese hätten sichtbare Schäden an einem der Gebäude zur Folge. Auch seien weitere Schäden an der Kanalisation festgestellt worden. Daher könnten das Areal und das betroffene Gebäude nicht mit einem vertretbaren Aufwand saniert werden und liessen auch keine längerfristige Besetzung zu.

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16 Kommentare
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Fritzchen

22.05.2020, 06:17

Räumen, so ein Gesinde hat kein Recht auf diesem Areal. Immer nur auf Kosten der Steuerzahler leben. Geht nicht.

Peter B.

22.05.2020, 06:04

Areal Räumen. Kosten den Bestzern aufbürden und wenn die nicht bezahlen können, so müssen diese bis ans Lebensende die Schulden abzahlen. Punkt Schluss. Die Stadt Zürich sollen endlich mit dieser unerträglichen Nachsichtigkeit gegenüber solchen Besetztern aufhören.

Josef

22.05.2020, 05:10

Das sind keine Aktivisten, das sind Einbrecher, die geblieben sind. Unsere Gesellschaft spinnt völlig. Mit diesen Leuten wird verhandelt, bis zum Gehtnichtmehr. Wenn sich mehr als fünf Leute in einem Haus versammeln, darf die Polizei reinstürmen und Bussen verteilen. Unsere Justiz ist völlig willkürlich geworden.