Aktualisiert 07.01.2008 17:47

Raffael-Wechsel zu Hertha perfekt

Was lange währt, wird endlich gut: Der FC Zürich und Hertha Berlin haben sich nun doch über einen Wechsel von Stürmer Raffael (22) zum Bundesligisten geeinigt. Hertha-Trainer Lucien Favre bekommt seinen Wunschspieler, der FCZ kassiert rund 8 Millionen Franken.

Wie erwartet wird die «Schweizer» Kolonie bei Hertha Berlin um ein brasilianisches Element erweitert. Raffael folgt Trainer Lucien Favre, Assistent Harald Gämperle und Verteidiger Steve von Bergen mit viermonatiger Verspätung zum Tabellen-Zwölften der Bundesliga, der Ende August zudem Fabian Lustenberger vom FC Luzern verpflichtet hatte.

Kleiner wird derweil im FCZ der Kreis der Meisterspieler. Vom erweiterten letztjährigen Stamm sind nur noch Torhüter Johnny Leoni, die Verteidiger Hannu Tihinen und Florian Stahel sowie Mittelfeldspieler Almen Abdi und Stürmer Alexandre Alphonse dabei. Vor Raffael hatten neben Favre, Gämperle und Von Bergen auch Xavier Margairaz, Gökhan Inler, Blerim Dzemaili, Cesar und Santos das Meisterteam von 2006 verlassen

Raffael fliegt nach den medizinischen Tests wohl am Dienstag nach Teneriffa, wo sich die Hertha bis zum 14. Januar auf die Rückrunde vorbereitet. Die zweite Saisonhälfte beginnt für die Berliner am 2. Februar mit dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Die Transfersumme wurde nicht explizit genannt, doch dürfte sie bei rund fünf Millionen Euro liegen. FCZ-Präsident Ancillo Canepa erklärte jedenfalls, die beiden Vereine hätten sich «in der Mitte getroffen».

Zürich hatte seine Forderungen in den letzten Tagen von 6 auf 5,5 Millionen Euro reduziert, während Hertha nicht mehr als 4,5 Millionen Euro zahlen wollte. «Wir haben eine gute Einigung für beide Vereine und auch für den Spieler getroffen», so Canepa. Gemäss dem Präsidenten haben die Klubs eine «erfolgsorientierte Zahlung» vereinbart. Der FCZ wird demnach bei einer Qualifikation für die Champions League von Hertha und/oder einem Weiterverkauf von Raffael an den Einnahmen der Berliner partizipieren.

Raffael hatte sich schon im Sommer einen Transfer zu Hertha gewünscht. Damals war die FCZ-Führung im zeitlichen Umfeld der Champions-League-Qualifikation gegen Besiktas Istanbul jedoch hart geblieben und nicht von ihrem Veto (»derzeit unverkäuflich», so die damalige Aussage von Canepa) abgerückt. Aus Enttäuschung habe Raffael Ende August nach Ablauf der Sommer-Transferfrist hemmungslos geweint, berichtete Canepa.

Die Enttäuschung war beim sensiblen Brasilianer offenbar so gross, dass er im Verlaufe der Vorrunde nie mehr so unwiderstehlich auftrat, wie in seinen ersten beiden Jahren beim FCZ. Trotzdem war er auch im letzten Herbst in der Meisterschaft mit zwölf Toren der beste Skorer des Schweizer Meisters (insgesamt 39 Treffer in 77 Spielen seit Juli 2005). Schwach waren Raffaels Leistungen vor allem auf der internationalen Bühne. Es wird spannend sein, zu beobachten, ob die Dribblings des Südamerikaners auch in der Bundesliga für Panik in der gegnerischen Abwehr sorgen oder nur ein Muster ohne Wert sein werden.

Obwohl das fünfte halbe Jahr beim FCZ Raffaels schwächstes war, rückte Favre im fernen Berlin nicht von seiner Meinung ab. Er bezeichnete das wichtigstes Offensiv-Teil in seinem FCZ-Meister- Puzzle unverändert als Wunschspieler und verglich Raffael sogar mit Reals brasilianischem Star Robinho. Die Formkurven der beiden Landsleute verliefen in den in keiner Weise vergleichbaren Ligen Spaniens und der Schweiz in den letzten Monaten allerdings diametral. Im schwachen Hertha-Sturm (19 Tore in 17 Spielen) dürfte Raffael an der Seite des Serben Marko Pantelic gleichwohl auf Anhieb Fixstarter sein. (si)

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