Machtkampf im Iran: Rafsandschani hält an Wahl-Kritik fest

Aktualisiert

Machtkampf im IranRafsandschani hält an Wahl-Kritik fest

Das Machtgerangel im Iran geht weiter. Der frühere Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani stellt sich gegen den geistlichen Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei. Damit weigert er sich, der Aufforderung von Konservativen, sich dem religiösen Führer zu fügen.

Die Nummer 2 im Staat, der einflussreiche Politiker und frühere Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani wurde am Sonntag dazu mit widersprüchlichen Aussagen zitiert. So soll er seine Kritik an der Präsidentenwahl bekräftigt haben.

Die halbamtliche Nachrichtenagentur Ilna zitierte Rafsandschani am Sonntag mit den Worten, sein Standpunkt dazu sei derselbe, wie beim Freitagsgebet vor einer Woche. In seiner Predigt hatte er gesagt, die Wahl habe eine Krise im Land ausgelöst. Ausserdem forderte er die Freilassung von inhaftierten Reformpolitikern.

Die Opposition wirft der Führung die Fälschung der Präsidentenwahl vor, aus der Amtinhaber Mahmud Ahmadinedschad als Sieger hervorging. Der geistliche Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, bestätigte die Richtigkeit des Wahlergebnisses.

Die konservativsten Kräfte unter den Religionsführern hatten Rafsandschani am Freitag aufgefordert, die Position Chameneis zu unterstützen. Darauf ging er dem Bericht zufolge aber nicht ein.

Zugleich sagte Rafsandschani, es gebe unterschiedliche Meinungen bei den Religionsführern zu der Wahl. «Der bestehende Streit hängt mit der Wahl zusammen», wird er zitiert, «wenn die Differenzen ausgeräumt würden, dann würde auch der Streit beendet.»

«Kein Machtkampf in der Führungsriege»

Die iranische Nachrichtenagentur Mehr allerdings zitierte Rafsandschani mit den Worten, es gebe im Iran keinen Machtkampf in der Führungsriege. Die «Propaganda der ausländischen Presse», die dies suggeriere, sei «unfair und ungerecht» für die Islamische Republik.

Rafsandschani betonte demnach seine enge und langjährige Freundschaft zu Chamenei. Dieser sei ein «progressiver und nach vorne schauender Denker».

Die Präsidentenwahl hat zur schwersten Krise des iranischen Systems seit der islamischen Revolution vor 30 Jahren geführt. Zahntausende vor allem junge Menschen haben gegen die von ihnen vermutete Wahlfälschung protestiert. Bei den gewaltsamen Übergriffen von Sicherheitskräften wurden mindestens 20 Menschen getötet. Zahlreiche Oppositionelle wurden eingesperrt.

(sda)

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