Patrik Gisel: Raiffeisen-Chef wusste von Vincenz' Geschäften

Aktualisiert

Patrik GiselRaiffeisen-Chef wusste von Vincenz' Geschäften

Während Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz in Untersuchungshaft sitzt, distanziert sich sein Nachfolger von ihm.

von
roy
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Pierin Vincenz: Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung.

Pierin Vincenz: Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung.

Keystone/Ennio Leanza
Der ehemalige Chef der Raiffeisen ist seit Ende Februar in Gewahrsam.

Der ehemalige Chef der Raiffeisen ist seit Ende Februar in Gewahrsam.

Keystone
Der Churer war von 1996 bis 2015 bei der Raiffeisen tätig.

Der Churer war von 1996 bis 2015 bei der Raiffeisen tätig.

Keystone/Steffen Schmidt

Patrik Gisel sagte am Freitag, er sei «erschüttert» über die Geheimgeschäfte seines Vorgängers, Pierin Vincenz. Dokumente, die der «SonntagsZeitung» vorliegen, zeigen nun aber: Der aktuelle Raiffeisen-Chef Gisel war über einen Teil von Vincenz' Doppeldeals im Bild – und intervenierte nicht.

Zweimal gab es Alarmsignale, das erste Mal bereits 2009: Der Kreditkartendienstleister Aduno, an dem Raiffeisen beteiligt ist, hatte die Zahlterminal-Firma Commtrain übernommen. Vincenz und Partner hatten heimlich für 1,5 Millionen Franken die Aktienmehrheit an Commtrain gekauft – und verdienten so am Verkauf mit. Der Kaufpreis betrug rund 7 Millionen. Als Gerüchte um den Deal aufkamen, schrieb der Aktienrechtler Peter Forstmoser zuhanden von Raiffeisen ein Gutachten. Er hielt fest, Vincenz habe zwar nicht das Gesetz gebrochen, sei aber auf beiden Seiten des Verhandlungstisches gesessen. Raiffeisen gibt zu: «Wir halten fest, dass Patrik Gisel 2009 Kenntnis von der Existenz dieser Gutachten hatte.»

Der zweite Alarm: Der Finanzblog «Inside Paradeplatz» enthüllte im Sommer 2016 Vincenz' verdeckte Commtrain-Zahlungen. Pascal Niquille, Chef der Zuger Kantonalbank und damals Vizepräsident von Aduno, untersuchte die Vorwürfe, sprach sich mit Gisel ab und hatte dabei auch Einsicht in das Forstmoser-Gutachten.

Raiffeisen handelte erst nach der Verhaftung

An einer Sitzung des Aduno-Verwaltungsrats am 5. Dezember 2016 empfahl Niquille dem Gremium ausdrücklich, keine weiteren Abklärungen vorzunehmen. Er und seine Gesprächspartner, darunter Patrik Gisel, hätten weitere Abklärungen als unnötig und die Angelegenheit damit als «erledigt» erachtet. Dies, obwohl Niquille und Gisel bewusst war, dass verschiedene Aspekte der Transaktion nicht geklärt worden waren – auch weil sich die dazu nötigen Personen und Dokumente nicht in ihrem Einflussbereich befanden.

Erst ein Jahr später, als Ermittlungen der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht in der Sache bekannt wurden, setzte Aduno unabhängige Anwälte ein. Diese empfahlen, Vincenz anzuzeigen. Raiffeisen handelte erst nach dessen Verhaftung.

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