Aktualisiert 07.01.2016 12:05

FrankenschockRaiffeisen fordert für die Wirtschaft Hilfe vom Bund

Die Wirtschaft sei nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Stich gelassen worden, sagt die Raiffeisenbank. Ihre Ökonomen verlangen, dass der Bund gewissen Branchen unter die Arme greift.

von
F. Lindegger

Die Raiffeisenbank plädiert dafür, dass der Bund die Wirtschaft bei der Bewältigung des Frankenschocks unterstützen soll. «Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, das seine Wirtschaft einem derart rauen Klima aussetzt, ohne Härten abzufedern», erklärt Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff. Im Rahmen einer möglichen Massnahme sei eine Wechselkursabsicherung für betroffene Branchen. Dabei würde garantiert, dass eine Firma, die beispielsweise zu einem Frankenkurs von 1,08 pro Euro offeriert, den Auftrag auch zu diesem Wechselkurs abwickeln kann.

Die Bewältigung der Unsicherheiten, die die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 ausgelöst habe, sei «jetzt eine Frage des Bundes», erklärt Neff. Der Bund solle dabei bei den Branchen ansetzen, wo «Hoffnung besteht». Dort, wo die Wettbewerbsfähigkeit gross sei und diese auch gehalten werden könne, solle den Firmen entsprechend unter die Arme gegriffen werden. «Es ist ein heikles Unterfangen, zu entscheiden, wo das der Fall ist», räumt Neff ein. Eine Unterstützung von Firmen mit einer Umsatzmarge von 2,5 bis 3 ist laut Raiffeisen aber beispielsweise nicht sinnvoll, da diese längerfristig kaum am Markt bestehen könnten.

«Der 15. Januar hat der Glaubwürdigkeit geschadet»

Eine neue Wechselkursuntergrenze durch die SNB wäre laut Neff unglaubwürdig und würde der Schweiz schaden: «Der 15. Januar hat bezüglich Glaubwürdigkeit der Währungspolitik bereits genug geschadet.» Deshalb und weil die SNB unabhängig bleiben soll, sei es Aufgabe des Bundes, Massnahmen zur Stützung der betroffenen Branchen zu treffen. Denn die schlagartige Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro habe sich bisher in den Zahlen noch nicht vollständig gezeigt. «Die Unternehmen sind noch im Improvisationsmodus; der grosse Schock in der Industrie kommt noch», prognostiziert Raiffeisen-Chefökonom Neff.

Vor allem die Beschäftigungszahlen würden noch hinterherhinken. Die Raiffeisenbank rechnet 2016 mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 3,6 Prozent. Für das Jahr 2015 schätzt Raiffeisen diese Quote auf 3,4 Prozent. «Das sieht zwar nach wenig aus, ist es aber nicht», erklärte Neff. Allein in der Industrie rechtet die Raiffeisenbank aufgrund des starken Frankens künftig mit dem Verlust von mehr als 10'000 Arbeitsplätzen.

Moderates Wachstum für 2016 erwartet

Bisher habe in der Schweiz die starke Währung als «Fitnessprogramm» für die Wirtschaft gewirkt und zu einer hohen Wettbewerbsfähigkeit beigetragen. Doch der Schock nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurs sei zu stark für die Industrie, so Neff. Die Raiffeisenbank erwartet 2016 nur eine leichte Entspannung, weil der Franken gegenüber dem Euro überbewertet bleibe. Bis zum Jahresende prognostiziert die Bank einen Eurokurs von 1.14 Franken.

Gesamtwirtschaftlich geht die Raiffeisenbank für das Jahr 2016 von einem moderaten Aufschwung aus. Die Bank rechnet mit einem realen BIP-Wachstum von 0,9 Prozent. Das ist tiefer als die Prognosen der Grossbanken Credit Suisse (1,0 Prozent) und UBS (1,4 Prozent) oder jene des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco (1,5 Prozent).

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