09.03.2019 08:12

«Ruck zuck, zack zack!»

Raiffeisen gibt Tipps für Umgang mit Deutschen

Die Raiffeisen-Bank hat Extra-Tipps für Geschäfte mit Deutschen. Das löst Kritik aus.

von
ish
1 / 8
«Ruck zuck, zack zack!»: Das Cabaret Rotstift karikierte 1970 mit seiner Nummer «Skilift» die Deutschen (das Foto zeigt ein Remake von 2017 auf dem Arosa Humorfestiva). Die Raiffeisenbank knüpft mit ihren Tipps für Geschäftsleute daran an ...

«Ruck zuck, zack zack!»: Das Cabaret Rotstift karikierte 1970 mit seiner Nummer «Skilift» die Deutschen (das Foto zeigt ein Remake von 2017 auf dem Arosa Humorfestiva). Die Raiffeisenbank knüpft mit ihren Tipps für Geschäftsleute daran an ...

Youtube
... für einige wirken die Raiffeisen-Tipps ebenso satirisch: «Ich dachte zuerst es handelt sich um Satire, es strotzt dermassen von Plattitüden und Stereotypen, dass es eigentlich gerade ein Argument ist, nicht mit der Raiffeisen in Deutschland zu arbeiten», so Facebook-Nutzer Nic Mayer. Er ist Schweizer, arbeitet aber vor allem im Ausland, auch in Deutschland.

... für einige wirken die Raiffeisen-Tipps ebenso satirisch: «Ich dachte zuerst es handelt sich um Satire, es strotzt dermassen von Plattitüden und Stereotypen, dass es eigentlich gerade ein Argument ist, nicht mit der Raiffeisen in Deutschland zu arbeiten», so Facebook-Nutzer Nic Mayer. Er ist Schweizer, arbeitet aber vor allem im Ausland, auch in Deutschland.

Keystone/Gaetan Bally
Deutsche ticken anders, so Raiffeisen.Die Tipps zielen auf Charakterzüge und nicht etwa auf Unterschiede im Rechtswesen oder der Sprache. In Norddeutschland grüsst man sich zum Beispiel zu jeder Tageszeit mit «Moin».

Deutsche ticken anders, so Raiffeisen.Die Tipps zielen auf Charakterzüge und nicht etwa auf Unterschiede im Rechtswesen oder der Sprache. In Norddeutschland grüsst man sich zum Beispiel zu jeder Tageszeit mit «Moin».

Carmen Jaspersen

Die Bank Raiffeisen hat auf ihrer Website besondere Tipps parat: Unter dem Stichwort «Fremde Märkte verstehen» liefert sie unter der Überschrift «Ruck zuck, zack zack!» Tipps für ihre Firmenkunden, die mit Deutschen Geschäfte machen wollen. Auf aktuellen Facebook-Posts wirbt sie dafür.

Raiffeisen rät zum Beispiel, Humor während Meetings und Verhandlungen bei Deutschen generell zu vermeiden.

Die Inhalte wurden aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, wie etwa dem Staatssekretariat für Wirschaft SECO, erklärt Raiffeisen-Sprecherin Angela Rupp.

«Die Angaben geben einen Einstieg ins Thema, besitzen aber keinen Anspruch auf wissenschaftliche Gültigkeit.»

Hier die Raiffeisen-Tipps im Einzelnen samt Kritik:

«Struktur und Effizienz sind das A & O»

Das rät Raiffeisen:« Deutsche Geschäftspartner wollen es meist ganz genau wissen. Bereiten Sie sich deshalb gut vor und seien Sie für Detailfragen gewappnet. Äussern Sie sich klar, informativ und rational.»

Kommentar von Benjamin Köhler, der als deutscher Unternehmensberater seit 2002 in der Schweiz arbeitet: «Ich wette, eine deutsche Institution vergibt Verhaltenstipps, die genau das Gleiche über den Umgang mit Schweizern empfehlen. Das Ergebnis für die, die sich daran orientieren: Alle sitzen verkrampft am Tisch und hätten es lieber locker, persönlich und sympathisch.»

«Analytisch und faktenbasiert»

Das rät Raiffeisen: «Deutsche sind sehr preissensitiv. Anders als in der Schweiz wird auch offen über Geld gesprochen.»

Kommentar von Herbert Trümper, Vizepräsident Verein für Deutsche in der Schweiz: «Es stimmt, Deutsche sind direkt. Das ist eine Charaktereigenschaft. Wenn ein Deutscher einen Kreditantrag stellt, will er einfach gleich wissen, ob dieser bewilligt werden kann oder nicht. Dafür braucht es keine drei Treffen.»

«Hauptsache pünktlich»

Das rät Raiffeisen: «Die termingerechte Erledigung von Aufgaben steht im Vordergrund. Während sich Schweizer tendenziell lieber etwas mehr Zeit lassen, damit am Ende alles bis ins letzte Detail passt, ist es für Deutsche vorrangig, pünktlich Ergebnisse zu liefern.»

Kommentar von Herbert Trümper, Vizepräsident Verein für Deutsche in der Schweiz: «Wenn ein Schweizer Kollege oder eine Firma eine Liefertermin-Zusage abgibt, dauert das vielleicht eine Woche länger, aber man kann sich darauf 100 Prozent verlassen. Deutsche neigen dagegen dazu, schnell zu bestätigen, aber den Termin dann nicht einzuhalten.»

«Nicht zu nahe treten»

Das rät Raiffeisen: «Berufliches und Privates wird von vielen Deutschen strikt voneinander getrennt. Umarmungen und Küsse auf die Wange sind für Freunde und Familienmitglieder reserviert und daher in Arbeitssituationen meist nicht angebracht.»

Kommentar von David Lauchenauer, Schweizer Geschäftsmann, der jede Woche in Deutschland unterwegs ist: «Ich werde sehr herzlich und warm von Kollegen in Deutschland aufgenommen, gerade weil ich auf Geschäftsreise oft allein bin.» Für Geschäfte im Ausland, etwa in Deutschland, hält er Steuer- und Rechtsberatung für viel wichtiger als die vermeintlichen Kulturtipps.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.