Hypotheken: Raiffeisen hängt die Grossbanken ab
Aktualisiert

HypothekenRaiffeisen hängt die Grossbanken ab

Die Raiffeisenbank hat bei den Hypo-Krediten am stärksten zugelegt und stellte Kantonal- und Grossbanken in den Schatten. Wann wird die Expansion gefährlich?

von
Lukas Hässig
Mit ihrem steten Wachstum bei den Hypotheken hat sich die Bankengruppe an die Spitze gesetzt.

Mit ihrem steten Wachstum bei den Hypotheken hat sich die Bankengruppe an die Spitze gesetzt.

Die neueste Monatsstatistik der Nationalbank zeigt, wie die Banken die Gefahr bei den Hypotheken einschätzen. Wer erwartet hätte, dass die hiesigen Kreditinstitute angesichts des Risikos, dass die Zinsen plötzlich drehen könnten, auf die Bremse stehen würden, der sieht sich nun getäuscht. Sowohl Gross- und Kantonalbanken als auch die genossenschaftlichen Raiffeisenbanken legten nämlich im Sommermonat bei den Hypo-Vergaben weiter zu.

Von Abkühlung im Hypo-Markt ist somit weit und breit nichts zu sehen. Am meisten Gas gibt weiterhin die Raiffeisen-Gruppe. Ihre Hypo-Ausleihungen nahmen im Juli um 0,6 Prozent zu. Damit nähern sich die 300 Raiffeisen-Banken rasend schnell der 140-Milliarden-Grenze. Falls die Wachstumsrate im August ähnlich hoch ist, dann wird die Raiffeisen-Gruppe diese Schallmauer bereits in der nächsten Statistik überspringen können.

Die dritte Kraft der Schweizer Banken stellt damit die anderen grossen Gruppen in den Schatten. Bei den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse betrug die Zunahme im Monatsvergleich nur rund ein Viertelprozent. Damit wuchsen die vermeintlichen Platzhirsche nicht einmal halb so stark wie die Raiffeisen-Gruppe. Dazwischen landen die 24 Kantonalbanken, welche zusammen das grösste Kuchenstück im Schweizer Hypothekargeschäft halten. Ihr Monats-Plus lag im Juli bei 0,3 Prozent. Das ist deutlich weniger als im Juni, als der Anstieg bei über einem halben Prozent lag.

Schönwetterlage

Die Zahlen belegen, dass trotz Warnungen der Nationalbank und trotz kurzfristig heftigen Ausschlägen an den Zinsmärkten die Nachfrage nach Hypotheken in der Schweiz ungebrochen bleibt. Zwar liegen die Sätze für Fix-Hypotheken mit langen Laufzeiten nicht mehr so tief wie auch schon. Aber im historischen Vergleich profitieren die Schuldner weiter von sehr günstigen Krediten.

Die Raiffeisenbanken haben sich in diesem Umfeld am stärksten als jene Kraft positioniert, die von anhaltendem Schönwetter ausgeht. Ihre Ökonomen sehen keine Anzeichen für eine Blase bei den Immobilien, entsprechend gering erachten sie die Risiken, dass Banken mit grossen Hypo-Beständen dereinst grosse Ausfälle erleiden werden.

Den Mutigen gehört die Welt

Damit geht die Hypo-Party munter weiter. Tatsächlich ist die Raiffeisen mit ihrem Optimismus gut gefahren. Das Geld ist seit langem praktisch gratis, eine Umkehr mit rasch steigenden Zinsen nicht in Sicht. Das hat vor allem mit den USA und der Euro-Zone zu tun. Die beiden Wirtschaftsblöcke sind überschuldet und halten die Konjunktur einzig mit billigem Geld am Laufen. Die Schweiz ist mit ihrem Franken-Problem an die Euro-Zone gebunden. Höhere Zinsen ist das Letzte, was die Notenbank beschliessen wird – sonst würde der Franken noch attraktiver, als er es schon ist.

Im irrwitzig anmutenden Zustand, der das Schuldenmachen zum Perpetuum mobile macht, haben die Risikofreudigen Rückenwind. Die Raiffeisen ist dafür ein Paradebeispiel. Mit ihrem steten Wachstum bei den Hypotheken hat sich die Bankengruppe an die Spitze gesetzt. Mit dem Gewinn, den sie auf ihre Hypotheken erzielt, gehen die Genossenschafter fremd und bauen sich eine eigene Privatbank namens Notenstein auf. Die Konkurrenz schaut gebannt zu, wie weit es die immer grössere Bankengruppe unter ihrem mediengewandten Chef Pierin Vincenz noch treiben will.

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