Vor CL-Kracher: «Rambo» Ramsey lässt Arsenal träumen
Aktualisiert

Vor CL-Kracher«Rambo» Ramsey lässt Arsenal träumen

Arsenal trifft heute Abend in der Champions League auf den SSC Neapel. Die «Gunners» spielen aktuell so gut wie schon lange nicht mehr. Das hat auch mit Aaron Ramsey zu tun.

von
Benjamin Teicher

Das erste Meisterschaftsspiel vom FC Arsenal ging mächtig daneben. Gegen Aston Villa gab es eine 1:3-Pleite. Die Fans waren ausser sich. Seit acht Jahren hat das Team keinen Titel geholt und auf dem Transfermarkt schien Manager Arsene Wenger trotz «Ausgeben, Ausgeben, Ausgeben»-Rufen der Fans nichts zustande zu bringen. Viele Namen geisterten herum, doch weder Wayne Rooney, noch Luis Suarez oder Gonzalo Higuain konnten verpflichtet werden.

Gegen alle Vorzeichen hat Arsenal seit der Start-Niederlage alle Spiele gewonnen und steht nach sechs ausgetragenen Partien an der Spitze der Premier League. Auch in der Champions League gab man sich gegen Olympique Marseille keine Blösse. Wenger scheint alles richtig gemacht zu haben. Arsenals jüngste Erfolge haben sich aber schon letzte Saison angekündigt. «Die Leute vergessen, dass wir, ausser dem Spiel gegen Aston Villa, seit März keines mehr verloren haben», bemerkte Manager Wenger. In der Tat hat Arsenal Im Kalenderjahr 2013 am meisten Punkte aller Premier League Mannschaften geholt.

«Deutsche «Enklave» an der Themse»

Viele werden Arsenals Höhenflug aber am Coup von Wenger am letzten Transfertag fest machen. Für 50 Millionen Euro konnte er den deutschen Mesut Özil von Real Madrid verpflichten. Der Mann mit dem linken Zauberfuss brachte die Arsenal-Fans zum Träumen. Eigentlich brauchte Arsenal einen neuen Stürmer sowie einen Innenverteidiger, doch wer die Möglichkeit hat, einen Özil zu verpflichten, muss diese einfach nutzen. Sofort nahm der gebürtige Gelsenkirchener Einfluss auf das Arsenal-Spiel und hat in drei Ligaspielen schon vier Tore vorbereitet. Özils Ankunft habe «jedem einen Schub gegeben», so Wenger. Auch die Mitspieler sind voll des Lobes. Für Mittelfeldspieler Santi Cazorla stellt er «einen grossen Qualitätsgewinn» dar. Nach all den Abgängen von Schlüsselspielern wie Robin Van Persie, Cesc Fàbregas oder Samir Nasri hat die Verpflichtung eines Weltklassespielers wie Özil dem Team auch mental sichtlich gut getan.

Wenger scheint allgemein auf deutsche Spieler zu stehen. Neben den bereits seit längerem unter Vertrag stehenden Lukas Podolski und Per Mertesacker haben sich die zwei deutschen Youngsters Serge Gnabry und Thomas Eisfeld in den Vordergrund gespielt. Besonders der erst 18-jährige Gnabry überraschte und schoss Arsenal mit seinem Treffer gegen Swansea City in Front. Er ist nun der zweitjüngste Arsenal-Torschütze aller Zeiten. Über den schnellen, trickreichen Flügelspieler kommt Wenger ins Schwärmen: «Er ist überraschend. Er hat Talent und Persönlichkeit.» Macht das «German Wunderkind» so weiter, wird es sicher noch die ein oder andere Chance bekommen.

Aaron Ramsey in bestechender Form

Mesut Özil steht bei Arsenal zwar im Mittelpunkt, doch wer diese Saison richtig aufdreht, sind Supertalent Jack Wilshere, der zusammen mit Özil im Mittelfeld die Fäden zieht und der Waliser Aaron Ramsey. Beide sind seit Jahren endlich mal verletzungsfrei und können ihr ganzes Potenzial ausschöpfen. Besonders der 22-jährige Ramsey zeigt sich in der Form seines Lebens. Dabei stand seine Karriere nach einer Horror-Verletzung im Jahr 2010 auf der Kippe. Langsam kämpfte sich der Waliser nach seinem Beinbruch zurück und konnte immer auf das Vertrauen seines Trainers zählen. Ramsey ist so etwas wie Wengers Liebling. Im Jahr 2008 flog Wenger den damals 17-Jährigen zusammen mit seinen Eltern per Privat-Jet in die Schweiz ein, wo er als EM-Experte arbeitete. Bei uns konnte der Franzose ihm einen Wechsel von Cardiff-City nach Nord-London schmackhaft machen. Schlussendlich zahlte Arsenal stolze fünf Millionen Pfund für das Supertalent.

Ramseys Statistiken waren in den letzten Jahren aber nicht gerade berauschend. Als zentraler Mittelfeldspieler schoss er magere elf Tore in fünf Spielzeiten. Einen Namen machte sich der Waliser als «Promi-Killer». Zwischen Mai 2011 und Februar 2012 starb immer ein Promi, wenn Ramsey traf. Osama bin Laden, Steve Jobs, Muamar Al-Ghadafi und Whitney Houston mussten alle nach einem Ramsey-Treffer das Zeitliche segnen.

Diese Serie ist diese Saison zum Glück vorbei. Ramsey hat in neun Spielen schon acht Mal ins Schwarze getroffen. Eine Wahnsinns-Quote für einen Mittelfeldspieler. «Rambo» trifft aber nicht nur das Tor nach Belieben, sondern hat auch am drittmeisten Pässe in der Premier League vorzuweisen. Darüber hinaus hat er am meisten Zweikämpfe aller Spieler in Europas Top-Ligen bestritten. Das Vertrauen seines Trainers scheint sich allmählich auszuzahlen.

Arsenal auf dem Weg zum Titel?

Wer so spielt, kann sich eigentlich zurecht Hoffnungen auf die englische Meisterschaft machen. Fraglich ist aber, ob Arsenal dieses Niveau halten kann. Das Mittelfeld ist in der Breite zwar sehr gut besetzt, doch in der Abwehr und vor allem im Sturm lassen sich auf der Bank keine wirklich guten Back-Ups finden. So musste Aussenverteidiger Bacary Sagna sogar schon als Innenverteidiger aushelfen. Gut möglich, dass Wenger im Januar noch nachrüsten wird.

Dieser findet es «absolut lächerlich», momentan über den Titel zu reden. Dennoch: «Man glaubt zu 100 Prozent, oder gar nicht an den Titel», so der Franzose. Die Chance für Arsenal sei da, doch Wenger sieht noch ganze sechs andere Konkurrenten für den Titel: «Liverpool, Tottenham, Everton und die ‹Top Four› (Manchester City und United, Chelsea und Arsenal) sind Kandidaten». Eines ist sich der aktuell dienstälteste Premier League-Manager sicher: «Es wird sehr interessant.»

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