Prämie für Drogenboss: Ramos' 20-Millionen-Deal mit Roschacher
Aktualisiert

Prämie für DrogenbossRamos' 20-Millionen-Deal mit Roschacher

Der ehemalige Bundesanwalt Valentin Roschacher soll Drogenboss José Manuel Ramos eine enorme Prämie in Aussicht gestellt haben, damit er mit der Schweiz zusammenarbeitet.

von
meg

Der ehemalige Bundesanwalt Valentin Roschacher soll Drogenboss Ramos mit weit mehr Geld in die Schweiz gelockt haben, als bisher bekannt war. Die Zeitung «Der Sonntag» veröffentlicht eine schriftliche Erklärung des US-Anwalts von Ramos. Der renommierte Strafverteidiger Jeffrey P. Manciagli aus Atlanta im US-Bundesstaat Georgia schreibt darin: «Herr Ramos hat mir zweifelsfrei mitgeteilt, dass er und die Schweiz (vertreten durch Dr. Roschacher) einen Vertrag unterzeichnet hatten, der Ramos garantiert, dass er eine Prämie von 15 Prozent der 132 Millionen US-Dollar, die bei der Salinas-Familie beschlagnahmt wurden, erhält.» Das sind umgerechnet mehr als 20 Millionen Franken.

Ramos behauptete, der Bruder des früheren mexikanischen Präsidenten sei in den Drogenhandel verwickelt. Roschacher witterte den grossen Fall und rapportierte 1998 der «New York Times»: «Wir sind auf gutem Weg, zu beweisen, dass es sich um Drogengelder handelt.» Damit meinte er die in der Schweiz blockierten Salinas-Gelder in der Höhe von 132 Millionen US-Dollar. In dem Interview erwähnte Roschacher bereits Ramos. Das Salinas-Verfahren musste später mangels Beweisen eingestellt werden, doch da hatte Roschacher dem kolumbianischen Drogenboss die 15-Prozent-Regelung bereits unterbreitet.

Auf Nachfrage bestätigt Ramos-Anwalt Manciagli, er habe Roschacher 1999 ein Fax geschickt. Im Namen seines damals noch inhaftierten Klienten habe er nachgefragt, wie es denn nun um die Prämie stehe. «Ich erhielt die Antwort, der Fall sei noch nicht erledigt und deshalb sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht entschieden, was die mögliche Kompensation für Ramos sei», sagte Manciagli gemäss dem «Sonntag». Der 15-Prozent-Vertrag soll gemäss der Zeitung bei einem der drei Ramos-Anwälte unter Verschluss sein.

Falsche Anschuldigungen gegen Holenweger

Die Zusammenarbeit mit Ramos bei den Salinas-Geldern war der verhängnisvolle Startschuss im Fall des Zürcher Privatbankiers Oskar Holenweger. Ramos behauptete unter anderem, mit Holenweger einen Banker zu kennen, der als Geldwäscher für kolumbianische Drogenkartelle im Einsatz sei. Roschacher und sein Nachfolger Erwin Beyeler verbissen sich in diese These. Doch der Anfangsverdacht konnte nie erhärtet werden, Ramos Aussagen entpuppten sich als falsch.

Im April dieses Jahres berichtete die «Weltwoche», dass der damalige Chef der Bundeskriminalpolizei und spätere Bundesanwalt Erwin Beyeler dem damaligen Bundesanwalt Valentin Roschacher vorgeschlagen habe, Ramos auch im Fall Holenweger ein Erfolgshonorar zu bezahlen. Zusätzlich zu seinem Salär von über einer Viertelmillion Franken sollte Ramos eine Prämie erhalten, begrenzt durch einen Minimal- und Maximalbetrag. Welches finanzielle Arrangement schliesslich getroffen wurde, blieb im Dunkeln.

Die Aussicht auf Prämien zeigen, dass Ramos möglicherweise ein finanzielles Motiv hatte, den Bankier Holenweger zu beschuldigen.

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