Aktualisiert 07.11.2013 14:49

Tore am Laufmeter

Ramsey zahlt Wenger das Vertrauen zurück

Es ist kein Zufall, dass Aaron Ramsey Arsenal in der Königsklasse gegen Dortmund zum Sieg geschossen hat. Der Waliser ist seit Wochen in bestechender Form.

von
Benjamin Teicher

Für 50 Millionen Euro holte Arsenal-Manager Arsène Wenger im Sommer Zauberfuss Mesut Özil. Die Fans des Londoner Traditionsklubs waren erleichtert – endlich hatte Wenger ihnen den Wunsch erfüllt, nach langer Zeit wieder einen gestandenen Weltklassespieler zu verpflichten. Der Deutsche spielt wie die gesamte Mannschaft hervorragend. Arsenal liegt mit fünf Punkten Vorsprung an der Spitze der Premier League. Was jedoch alle Experten und Fans verblüfft, ist die Leistungsexplosion von Mittelfeldspieler Aaron Ramsey. Der 22-Jährige zeigt sich momentan in bestechender Verfassung.

Ramsey ist so etwas wie der Liebling von Trainer Wenger. In gewohnter Manier entdeckte der Franzose Ramsey

in Wales. Mit 16 Jahren spielte «Rambo», wie ihn seine Teamkollegen nennen, schon in der zweiten englischen Liga bei Cardiff City. Wenger wollte den Waliser unbedingt und setzte sich gegen die Nebenbuhler Manchester United und Everton durch. 2008, als der Franzose als EM-Experte in der Schweiz arbeitete, liess er das Talent mit seinen Eltern per Privatjet einfliegen. Arsenal konnte den Vertrag mit Ramsey in der Schweiz abschliessen und bezahlte für den 17-Jährigen stolze 5 Millionen Pfund.

Ramseys Karriere stand auf der Kippe

Einmal mehr bewies der Trainer-Fuchs sein Näschen für aussergewöhnliche Talente. Ramsey kam zu immer mehr Einsätzen und spielte sich je länger je mehr in der Mannschaft fest. Im Februar 2010 aber der Schock: Im Spiel gegen Stoke City erwischte Stoke-Verteidiger Ryan Shawcross Ramsey derart brutal, dass sich dieser das Waden- und Schienbein brach. Shawcross ging wie Ramsey weinend vom Platz. Nur langsam erholte sich der Mittelfeldmotor von seiner Horror-Verletzung.

Er kämpfte sich zurück und stand acht Monaten wieder auf dem Platz. Dank verschiedenen Leihgeschäften erhielt der Waliser Spielpraxis. Wenger verlor den Glauben an seinen Schützling nie und verlängerte dessen Vertrag trotz grosser Kritik auch nach der Verletzung langfristig. Ungeachtet Fast-Karriereende prophezeite der Arsenal-Coach Ramsey eine rosige Zukunft: «Wenn Aaron der Knopf aufgeht und er beginnt Tore zu schiessen, kann er damit gar nicht mehr aufhören. 15 Saisontreffer sind realistisch.» Der momentan dienstälteste Coach der Premier League behielt wie so oft recht.

Ramsey zeigt Torjäger-Qualitäten

Nachdem seine Formkurve bei Arsenal schon letzte Saison nach oben zeigte, explodiert Ramsey in dieser Spielzeit regelrecht. War er in den vergangenen Jahren alles andere als torgefährlich, markierte er nun in 17 Pflichtspielen schon elf Tore – für einen defensiven Mittelfeldmann ein sensationeller Wert. «Noch vor einem Jahr hiess es: Ja, Ramsey spielt gut und steht an der richtigen Stelle, aber er erzielte keine Tore», so Wenger. «Mir war immer bewusst, dass er sich verbessern wird. Jetzt trifft er Spiel um Spiel. Er hat in dieser Spielzeit auch das nötige Selbstvertrauen.», schwärmt der Franzose.

Ramsey verbindet alle Aspekte des Fussballs in einer Person. Er ist zweikampf- und dribbelstark, ist sich für sogenannte Drecksarbeit im Mittelfeld nicht zu schade, hat eine gute Übersicht und schiesst auch noch Tore. Bei seinen Treffern gegen Norwich City oder Liverpool, kommt jeder Fussballfan ins Schwärmen. Abrunden tut Ramseys Leistungen seine fantastische Passquote – 87 Prozent seiner Zuspiele kommen an – und seine fünf Torvorlagen.

Die Kritiker verstummen

So ist «Rambo» momentan wohl der kompletteste Mittelfeldspieler der Premier League. Darüber hinaus ist er polyvalent einsetzbar und kann auch auf dem Flügel agieren, was ihn noch wertvoller macht. Auch auf europäischem Parkett überzeugt der 22-Jährige – und schoss Borussia Dortmund am Mittwochabend in der Champions League höchstpersönlich in die Misere. Arsène Wenger hat die Kritiker seiner Philosophie, junge Talente behutsam aufzubauen und ihnen die Chance zu geben, einmal mehr zum Schweigen gebracht.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.