Krawalle in Athen: Randalierer zünden Polizisten an
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Krawalle in AthenRandalierer zünden Polizisten an

Bei schlimmen Auseinandersetzungen an den 1. Mai-Demos in Athen sind zahlreiche Menschen verletzt worden. Gegen 20 000 Menschen waren auf der Strasse.

Bei den Protesten zehntausender Griechen gegen das Sparprogramm ihrer Regierung haben am Samstag in Athen mehrere hundert Jugendliche randaliert. Sie warfen Molotow-Cocktails und Steine auf Polizisten, die Tränengas einsetzten. Zehn mutmassliche Randalierer wurden nach Polizeiangaben festgenommen, schwer verletzt wurde offenbar niemand. Zu den Demonstrationen hatten die Gewerkschaften aufgerufen. Allein in der Hauptstadt gingen laut Polizei 17 000 Menschen auf die Strasse.

Die Kundgebungsteilnehmer zogen in Athen vor die Büros der EU und weiter zur US-Botschaft. Schwarz gekleidete Randalierer scherten aus dem Protestzug aus und setzten das Fahrzeug eines Fernsehsenders in Brand, warfen Schaufenster ein und errichteten Barrikaden aus brennenden Mülleimern. Auch in Saloniki kam es am Rande einer Demonstration zu kleineren Ausschreitungen zwischen Anarchisten und Sicherheitskräften.

Ministerpräsident Giorgos Papandreou hatte seine Landsleute am Freitag auf neuerliche Einschnitte eingestimmt und erklärt, es gehe darum, Griechenland vor dem Bankrott zu bewahren. Die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) verhandeln derzeit mit der griechischen Regierung über Beistandskredite. Die Verhandlungen sollen bis Sonntag abgeschlossen sein.

«Wie werden sie überleben?»

Das Kabinett in Athen soll am Sonntagmorgen über die geplanten Massnahmen abstimmen, gegen Mittag will Papandreou sie bekanntgeben und anschliessend zur Sondersitzung der Euro-Finanzminister nach Brüssel fliegen. Dem Vernehmen nach müssen sich Beamte sowie Rentner und Pensionäre auf weitere Kürzungen einstellen. Ausserdem sollen indirekte Steuern wie die Mehrwertsteuer noch einmal erhöht werden.

Die geplanten Massnahmen seien tödlich, sagte einer der Demonstranten am Samstag, Nikos Diamantopoulos. «Wie werden die Menschen morgen leben, wie werden sie überleben?» Virginia Kalapotharakou, die in Piräus auf die Strasse ging, warf der Regierung «sehr rückschrittliche» Massnahmen vor. Damit gingen alle hart erkämpften Erfolge der vergangenen Jahre verloren.

Keine 14. Monatslöhne mehr

Das massive Sparprogramm der Regierung soll spätestens am Sonntag bekanntgegeben werden. Seine Grundrisse: Die Gehälter im staatlichen Sektor sollen eingefroren werden. Das 13. und 14. Monatsgehalt soll komplett wegfallen. Das durchschnittliche Rentenalter soll von 61,3 auf 63,4 Jahre steigen.

Die Mehrwertsteuer soll von 21 auf möglicherweise 23 oder sogar 25 Prozent klettern. Auch die Steuern auf Tabak, Spirituosen und Kraftstoff sollen steigen.

Das Land mit Streiks lahmlegen

Experten befürchten wachsenden Widerstand in der Bevölkerung. Vor allem die zunftartigen Gewerkschaften des breiteren staatlichen Bereichs und die kleineren kommunistischen Gewerkschaften proben den Aufstand. Sie planen am 5. Mai das Land mit weitreichenden Streiks lahmzulegen.

Vom Montag an wollen die Lehrer jeden Tag vier Stunden streiken. Industrielle und Händler sind besorgt, dass diese Massnahmen den Markt abwürgen und zu einer dramatischen Depression führen könnte.

Die Griechen müssen in den kommenden drei Jahren eine Herkules- Aufgabe stemmen. Insgesamt muss das Land 24 Milliarden Euro sparen. Das sieht die Einigung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU nach bisherigen Informationen vor. Nur so kann Athen auf die Kredithilfen des IWF und der Euro-Länder in Höhe von voraussichtlich rund 120 Milliarden Euro über drei Jahre hoffen

(sda/dapd)

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