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ÄgyptenRandalierten Muslime wegen «Kirchenbau»?

Im Norden Ägyptens sind bei schweren, zehnstündigen Ausschreitungen zwischen Muslimen und koptischen Christen 30 Menschen verletzt worden, davon offenbar 23 Kopten. Die Angreifer hatten laut einer Quelle fälschlicherweise gedacht, die Christen wollten eine Kirche bauen.

von
rub

In der Stadt Marsa Matruh hatten nach Polizeiangaben muslimische Einwohner Arbeiter mit Steinen attackiert, weil sie glaubten, es sei ein Kirchenbau geplant, berichtet die Nachrichtenagentur SDA. Gemäss der Agentur AP verlautete aus «Behördenkreisen», die Randalierer seien über einen neuen Zaun um das koptische Gemeindezentrum wütend gewesen.

Der koptische Bischof Bedschemi erklärte, die Ausschreitungen am Freitag hätten nach der Predigt eines radikalen Geistlichen angefangen. Sie hätten zehn Stunden angedauert, erst danach hätten Sicherheitskräfte die Lage unter Kontrolle gebracht.

Bei den Ausschreitungen am Freitag wurden auch neun Gebäude in Brand gesetzt. Im Norden Ägyptens ist es bereits wiederholt zu Gewalt zwischen Muslimen und koptischen Christen gekommen.

Steigendes Gewaltpotential

Bei dem folgenschwersten Angriff seit zehn Jahren erschossen muslimische Fanatiker im Januar vor einer Kirche in der Ortschaft Nag Hammadi sechs koptische Christen und einen muslimischen Wachmann. Neun weitere Menschen wurden verletzt, als drei Männer aus einem vorbeifahrenden Auto heraus das Feuer auf die Gläubigen eröffneten.

Vor allem in Oberägypten, wo islamistische Terroristen in den 90er Jahren Jagd auf Christen gemacht hatten, kommt es immer wieder zu Ausschreitungen, die sich häufig daran entzünden, dass angeblich ohne Erlaubnis Kirchen gebaut werden. Orthodoxe Kopten stellen rund zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung. (rub/sda/dapd)

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