Harte Zeiten für Obdachlose: Randständige schlafen im Freien – trotz Kälte
Aktualisiert

Harte Zeiten für ObdachloseRandständige schlafen im Freien – trotz Kälte

Trotz eisiger Kälte schlafen in St. Gallen Nacht für Nacht rund ein halbes Dutzend Menschen im Freien. Seit sieben Tagen gehört auch Peter * dazu.

von
Anna Berger
Peter * an einem Ort, den St. Galler Obdachlose oft als Schlafplatz benutzen.

Peter * an einem Ort, den St. Galler Obdachlose oft als Schlafplatz benutzen.

Seit einer Woche schon schläft Peter * in St. Gallen im Freien. Bis ihn die Polizei vor drei Tagen wegschickte, übernachtete er in einer Tiefgarage. «Ich habe mich mit Zeitungen eingerichtet, einen Schlafsack habe ich nicht», sagt der 40-jährige Drogenabhängige. In den letzten zwei Nächten hat er fast nicht geschlafen: «Ich musste immer wieder aufstehen und mich bewegen, sonst wäre ich wohl verfroren», erzählt er.

Kein Einzelfall, sagt ein St. Galler Gassenarbeiter: «Ich kenne momentan sicher acht Leute, die regelmässig auf der Strasse übernachten», sagt er. Bei vielen sei die Scham, sich helfen zu lassen gross, manche müsse man fast zwingen, Hilfe anzunehmen. Ein anderes Problem seien geordnete Strukturen und Abläufe: «Für Süchtige ist es eine grosse Herausforderung, zu festgelegten Zeiten anzurufen oder aufzutauchen».

Niemand ist gezwungen, auf der Strasse zu schlafen

Andrea Weibel, Abteilungsleiterin der städtischen Sozialhilfe, zu der die Unterkunft für Obdachlose beim Postverteilzentrum gehört, bestätigt: «Es gibt immer wieder Leute, die trotz Reservation nicht auftauchen». Denn: «Einige Hilfsbedürftige wollen oder können unsere Bedingungen nicht einhalten», so Weibel. Laut Jürg Niggli von der Suchthilfe St. Gallen gibt es in der Stadt aber nur selbst gewählte Obdachlosigkeit. «In St. Gallen ist niemand gezwungen auf der Strasse zu Übernachten», sagt Niggli.

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