Basler «Alki-Stübli»: Randständige sollen vom Claraplatz verschwinden
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Basler «Alki-Stübli»Randständige sollen vom Claraplatz verschwinden

In einer Motion fordert die Basler CVP-Grossrätin Pasqualine Gallacchi die Einrichtung eines «Alki-Stübli». Ihr Vorschlag ist umstritten.

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las
Der Claraplatz ist ein beliebter Treffpunkt für Randständige. CVP-Grossrätin Pasqualine Gallacchi will sie von der Strasse holen und in ein betreutes Alki-Stübli stecken. Beim Quartierverein und beim Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter stösst die Motion auf wenig Gegenliebe.

Der Claraplatz ist ein beliebter Treffpunkt für Randständige. CVP-Grossrätin Pasqualine Gallacchi will sie von der Strasse holen und in ein betreutes Alki-Stübli stecken. Beim Quartierverein und beim Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter stösst die Motion auf wenig Gegenliebe.

20 Minuten/las

Seit Ende der 1980er-Jahre gibt es in Basel so genannte «Fixerstübli», wo Abhängige mitgebrachte Drogen unter sauberen Umständen konsumieren können. Im Verlauf der Jahre wurde damit die Szene von der Strasse geholt. Für randständige Alkoholkonsumenten soll am Claraplatz ein ähnlicher Zufluchtsort entstehen. Pasqualine Gallacchi (CVP) hat im Grossen Rat einen entsprechenden Vorstoss lanciert.

Die 47-jährige Gallacchi ist Geschäftsleiterin der nahen Greifen-Apotheke in der Unteren Rebgasse 6. «Viele Passanten fühlen sich dadurch gestört», erklärt sie ihre Position zu den Randständigen gegenüber dem SRF Regionaljournal. Aus diesem Grund soll nun ein «Alki-Stübli» nach dem Vorbild des Berner «La Gare» her. Neben ihr haben acht weitere Grossräte aller Fraktionen die Motion unterschrieben.

«Falsches Bild»

Der Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter zeigt sich von der Idee wenig angetan. «Einerseits begrüssen wir ein neues Angebot, andererseits geht der Vorstoss in die falsche Richtung», sagt Tobias Hochstrasser, Co-Leiter des Vereins. Einfach zugängliche Duschen wären ein besserer Ansatz, findet er. Auch würde mit einem «Alki-Stübli» von den Menschen dort laut Hochstrasser ein «falsches Bild» gezeichnet. Denn nicht alle, die sich dort treffen, seien Alkoholiker oder obdachlos.

«Zudem ist der Claraplatz ein wichtiger Treffpunkt», so Hochstrasser weiter. Dieser müsse ein Stück weit «stören», um die Rolle einer niederschwelligen Anlaufstelle zu erfüllen. Menschen in Not bekämen dort Rat und Kontaktinformationen von jenen, die sich bereits in der Szene auskennen.

Vorstand des Quartiervereins ist nicht überzeugt

«Man sollte die Leute nicht wegstossen, sondern sich überlegen, wieso sie überhaupt in der Situation gelandet sind», sagt Hans-Peter Ebneter, Vorstandsmitglied des Neutralen Quartiervereins Oberes Kleinbasel. Dass man das als Problem wahrgenommene Phänomen der Randständigen im öffentlichen Raum aus dem Weg schaffen könne, in dem man die Menschen versteckt, glaubt er nicht.

«Es ist ein Spiegel der Gesellschaft, was man mit den sozial Schwächsten macht», betont Ebneter. Der Claraplatz sei eine lebendige Ader des Quartiers, wo es genug Raum für alle habe. Wolle man den Menschen wirklich helfen, müsse man zuerst die Ursachen ihrer Misere anpacken.

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