Bern: Randständiger stirbt auf der Gasse
Aktualisiert

BernRandständiger stirbt auf der Gasse

Die klirrende Kälte hat in Bern ein Todesopfer gefordert. Punker «Mücke» erlag einer schweren Lungenentzündung.

von
Christian Holzer
Mücke war oft im Ryffligässchen in Bern anzutreffen, dort wo heute ein Kerzenmeer schimmert.

Mücke war oft im Ryffligässchen in Bern anzutreffen, dort wo heute ein Kerzenmeer schimmert.

Grabkerzen und Abschiedskarten neben Bierdosen und Zigaretten. Eine Gedenkstätte im Zentrum Berns sorgt für Auf­sehen. Randständige und Punks trauern um ihren Freund Mücke, der jahrelang an seinem Stammplatz im Ryffligässchen anzutreffen war. Neben dem Kerzenmeer steht ­Jarek: «Hier ist er vor einigen Tagen erfroren», sagt der Randständige betrübt. Eine doppelte Lungenentzündung habe dem Mittvierziger aus Deutschland das Leben gekostet. Eine Ambulanz lieferte ihn zwar noch ins Spital ein, dort starb er aber nach kurzer Zeit.

Passanten sind bestürzt: «Es ist beschämend, das heute in der Schweiz noch Leute erfrieren», meint eine ältere Dame. Laut Aussagen von Kollegen lebte Mücke in einem besetzten Haus im Wankdorf. Viele Randständige ziehen einen kalten Fussboden der Notschlafstelle vor. Einige schlagen sich sogar die Nacht im öffentlichen WC bei der Heiliggeistkirche um die Ohren. Denn in den kalten Nächten sind die Obdach­losenheime oft randvoll. «Wir mussten auch schon Leute ­abweisen», sagt Ueli Schürch vom Verein Sleeper.

Manfred Jegerlehner von der Heils­armee hat Mücke mehrmals angetroffen und versucht, dessen Leben in geregeltere Bahnen zu lenken: «Er starb nicht nur wegen der Kälte, sondern wegen des vielen Alkohols und des harten Lebens auf der Strasse.»

Deine Meinung