Aktualisiert 30.08.2015 09:21

Lieber Phil GeldRangelei im Ausgang – wer bezahlt die Spitalkosten?

Moritz (22) ist in eine Rangelei geraten. Er wurde mit Kopfverletzungen ins Spital gebracht. Wer bezahlt die Behandlungskosten?

Verletzt man sich bei einer Schlägerei, gilt das als Unfall: Rangelei zwischen Jugendlichen. (Archivbild)

Verletzt man sich bei einer Schlägerei, gilt das als Unfall: Rangelei zwischen Jugendlichen. (Archivbild)

Lieber Phil Geld

Ich bin letztes Wochenende im Ausgang unverschuldet in eine Rangelei geraten und wurde am Kopf verletzt. Aus zeitlichen Gründen und weil der Aufwand viel zu hoch gewesen wäre, habe ich auf eine Anzeige verzichtet. Wie erreiche ich nun, dass ich meine Spitalkosten nicht bezahlen muss? Ich finde, es kann nicht sein, dass ich als Opfer die Behandlung bezahlen muss.

Lieber Moritz

Das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), das Unfallversicherungsgesetz (UVG) und das Krankenversicherungsgesetz (KVG) regeln die Frage, bei welchen Körperschädigungen die Unfallversicherung und bei welchen die Krankenkasse leistungspflichtig ist.

Alle Arbeitnehmenden in der Schweiz sind gegen Unfall und Berufskrankheit versichert. Als Unfall gilt aus rechtlicher Sicht jede plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Die Einwirkung muss einmalig und unvorhersehbar sein.

Die Versicherungsprämie für Berufsunfälle und -krankheiten trägt der Arbeitgeber, jene für Nichtberufsunfälle der Arbeitnehmer. Die Ausgleichskasse kontrolliert allerdings nur, ob eine Versicherung besteht. Die obligatorische Unfallversicherung übernimmt nach Unfällen und bei Berufskrankheiten die Kosten für die medizinische Behandlung und leistet finanzielle Unterstützung. Versichert sind alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmenden. Dazu gehören auch Volontärinnen und Volontäre, Schnupperlehrlinge und Angestellte im Privathaushalt. Nicht versichert sind allerdings mitarbeitende Familienmitglieder, die keinen Barlohn beziehen und keine Beiträge an die AHV entrichten.

Wer mindestens acht Stunden pro Woche arbeitet, ist nicht nur gegen Berufsunfälle und Berufskrankheiten versichert, sondern auch gegen Nichtberufsunfälle. Der Arbeitgeber kann allerdings die Prämie für Nichtberufsunfälle vom Lohn des Arbeitnehmers abziehen.

Nichtberufsunfälle sind dem direkten Vorgesetzten oder der Betriebsleitung zu melden – selbst dann, wenn die Arbeit nicht unterbrochen werden muss. Der Arbeitgeber hat seinerseits die Pflicht, den Unfall sofort mit Unfallmeldung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt Suva zu melden.

Wenn du dich also in einem Angestelltenverhältnis befindest, werden die Spitalkosten von der Heilungskosten-Versicherung der obligatorischen Unfallversicherung übernommen. Das gilt unabhängig davon, ob du eine Anzeige erstattest hast oder nicht.

Bist du nicht angestellt, sollten Unfälle in der Krankenkassenversicherung eingeschlossen werden. In diesem Fall gilt allerdings dieselbe Zahlungspflicht für Selbstbehalt, Franchise und allfällige Spitalbeiträge wie bei Krankheit. Diesen Anteil musst du selbst berappen.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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