Aktualisiert 02.11.2015 21:23

«Tanz för mech»

Rapper kämpft gegen sexuelle Ausbeutung

Rapper Effe hat heute das Musikvideo zu seinem Song «Tanz för mech» herausgegeben. Darin thematisiert er den Frauenhandel und die sexuelle Ausbeutung.

von
qll

Das Musikvideo «Tanz för mech» erzählt die Geschichte einer jungen, hoffnungsvollen Frau, leerer Versprechen und des Falls in die Prostitution und den Missbrauch. «Die Idee kam mir, als ich die Geschichte einer Betroffenen auf der Homepage der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) gelesen habe», so der 29-jährige Rafael Graf aus Emmenbrücke, der unter dem Künstler-Namen Effe bekannt ist. «Für meinen Song habe ich die Geschichte der Betroffenen als Vorlage verwendet und sie noch ein bisschen abgeändert.»

Nach der ersten Version war Effe jedoch immer noch nicht zufrieden: «Der Song sollte kürzer und knackiger werden, damit er nicht langweilig wird; egal, wie oft man es hört», so Effe. «Zudem sollte er die Menschen berühren und zum Nachdenken bewegen.» Denn: «Viele Jugendliche – auch in meinem Umfeld – sehen Frauen immer noch als Objekt an.» Die bearbeitete Version seines Songs ist nun auf seinem neuen Album «Pöstler» zu finden, das Ende August erschienen ist.

226 Fälle von Menschenhandel

Mit der Single «Tanz för mech» spricht Effe ein heikles Thema an: Die UNO schätzt die Zahl der Opfer von Menschenhandel zwecks sexueller Ausbeutung für Europa auf jährlich 140'000.

2014 erreichte die FIZ mit 226 Fällen von Menschenhandel aus 14 Kantonen den bisherigen Höchststand. Dabei handelte es sich um 104 neue Fälle, die im Laufe des Jahres 2014 zur FIZ kamen und um 122 weiterlaufende Fälle aus den Vorjahren. «Rund 200 der 226 Betroffenen wurden sexuell ausgebeutet», sagt Rebecca Angelini von der FIZ.

«Das Musikvideo macht einen betroffen»

Im Musikvideo ruft Effe gemeinsam mit der FIZ dazu auf, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und dafür starkzumachen. «Es ist beeindruckend und begrüssenswert, dass ein junger Künstler ein so schwieriges Thema aufgreift», sagt Angelini. «Dadurch bietet er der Bevölkerung einen Zugang, den wir als Fachstelle so nie schaffen könnten.»

Nicht nur der Song, sondern auch das Video beeindruckt sie: «Das Thema wurde sorgfältig angegangen und das Musikvideo macht einen betroffen.»

Viele Preise gewonnen

Letzteres wurde vom schweizerisch-bosnischen Filmemacher Haris Dubica (33) produziert: «Ich kenne Haris schon seit längerer Zeit, er hat auch das Musikvideo zum Song ‹Du bisch willkomme› gedreht», so Effe. Dafür erhielt der Regisseur aus Emmen Ende März beim Festival M4Music in Lausanne den Publikumspreis für den «Best Swiss Video Clip».

«Das Preisgeld, das uns der Clip zum Song ‹Du bisch willkomme› einbrachte, haben wir dann für das Musikvideo zu ‹Tanz för mech› verwendet», so Effe. «Ich bin ziemlich stolz auf das Ergebnis.»

Aus Musikvideo zum Kurzfilm

Das ist auch der Regisseur: «Es war eine grosse Herausforderung, diese Thematik so unverblümt wie möglich visuell zu zeigen», so Dubica. «Das Resultat kann sich aber sehen lassen.» Bereits nach dem ersten Hinhören habe er sich in den Song verliebt: «Ich hatte Gänsehaut und wollte es so schnell wie möglich drehen», so Dubica. «Die Vorbereitungen haben aber viel Zeit in Anspruch genommen.» Nur um die richtige Besetzung für das Mädchen zu finden, habe man ein ganzes Jahr gebraucht: «Mit Asja Husicic haben wir aber die perfekte Besetzung für eine solch schwierige Rolle gefunden.»

Da noch sehr viel Material nicht im Musikvideo gezeigt werden konnte, plant Dubica aus dem Musikvideo einen Kurzfilm zu machen. «Nächstes Jahr nehmen wir dann damit an verschiedenen Festivals teil», so Dubica. «Nun hoffe ich aber zuerst, dass das Musikvideo gut ankommt.»

Fehler gefunden?Jetzt melden.