Rapper-Krieg, Araber-Fehde oder blutiger PR-Gag?
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Rapper-Krieg, Araber-Fehde oder blutiger PR-Gag?

Nach den Schüssen auf einen Rapper in Berlin gibt es Zweifel, ob sich die Geschichte so zugetragen hat, wie sie das Opfer erzählt hat. Eine Inszenierung der blutigen Tat scheint nicht ausgeschlossen…

Massiv überlebt die Schüsse. Andere Musiker hat es härter getroffen.

Der Rapper Massiv kommt von einem Interview beim Spartensender «Aggro-Radio» und trifft einen Kumpel. Der verschwindet kurz auf der Suche nach Zigaretten, Massiv nutzt die Zeit für ein Telefonat. Es ist kurz nach 22 Uhr, das Muskelpaket (120 Kilogramm) lehnt mit dem Natel am Ohr an seinem BMW in der Schierker Strasse im Berliner Stadtteil Neukölln, als der Abend seinen blutigen Lauf nimmt(20minuten.ch berichtete).

Drei, vier Schüsse und ein halber Treffer

«Dann kam ein maskierter Mann und hielt ihm eine Waffe ins Gesicht», sagte ein Sprecher des Musiklabels «No Limit Music» dem «Spiegel». Als Massivs Begleiter zurückkam, habe der Unbekannte drei, vier Mal abgedrückt, sei in einen schwarzen Wagen gestiegen und geflohen. Ein Projektil traf den 25-Jährigen an der Schulter, eines durchschlug sein Fahrzeug. «Der Schuss war ein glatter Durchschuss», so der Sprecher. Auf eigenen Wunsch sei er bereits wieder aus dem Hospital entlassen worden. «Er hat grosses Glück gehabt.»

Dass sich alles genau so zugetragen hat, daran zweifeln nach «Spiegel»-Informationen die Ermittler des Berliner Landes-Kriminalamts (LKA). In der Tat muss man kein Sherlock Holmes sein, um sich zu wundern: Warum trifft nur eine der angeblich aus nächster Nähe abgefeuerten Kugeln? Und: Statt von einer durchschossenen Schulter spricht die Polizei von einem «Streifschuss am Oberarm».

Massivs Internetseite schneller als jede Nachrichtenagentur

Stutzig macht die Beamten ausserdem die Internetseite von Massiv: Laut «Spiegel» wurde dort bereits um 22:35 von dem «Attentat» berichtet. Zu diesem Zeitpunkt war der Deutsch-Palästinenser gerade mal auf dem Weg ins Spital, wo er erst sieben Minuten später eintraf. Rund zwei Stunden nach den Schüssen meldete sich Massiv über einen Verwandten im Forum und berichtete seinen Fans von den Geschehnissen in Berlin. Demnächst soll auch noch ein neues Album von Massiv erscheinen: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Zeugen für den Tathergang gibt es bisher keine. «Massiv ist total geschockt. Mit so was hat er nicht gerechnet. Er hat viel Blut verloren und war dem Tod sehr nah», tönt sein Sprecher, der dem «Spiegel» aus Angst vor Übergriffen seinen Namen nicht nennt. Denn es herrschten «amerikanische Verhältnisse. So was ist in Deutschland und Europa noch nicht vorgekommen. Für uns alle ist das ein Schock. Wenn es in einem Lied heisst, `Ich puste dich weg?, dann bedeutet das nicht, dass so was auch tatsächlich gemacht wird. Im Hip-Hop hat Sprache eine andere Bedeutung.»

Harte Jugend

Massivs Eltern sind Libanesen palästinensischer Herkunft und kamen 1980 nach Pirmasens in der Pfalz, wo der Rapper auch geboren wurde. Die Familie lebte in einer Ein-Zimmer-Wohnung, schon als Jugendlicher wurde Massiv wegen Drogenhandel straffällig. Mit Anfang 20, so der «Spiegel», habe ihm das Jugendamt eröffnet in Deutschland habe er keine Perspektive mehr.

Doch Massiv überredete seine Eltern nach Berlin zu ziehen, um seinen Traum vom Leben als Rapper zu verwirklichen. Und tatsächlich nahm «Sony BMG» ihn unter Vertrag und steckte eine Viertelmillion Euro in den «deutschen 50 Cent». Nach einigen Prügeleien umgibt sich der 25-Jährige mit Beschützern, die er martialisch «mein Rücken» nennt. Die Polizei geht auch Hinweisen nach, die angebliche Schiesserei könnte mit einer Fehde zwischen der Familie seines Bodyguards Aschraf mit anderen Araber-Clans zu tun haben.

Ein «RTL»-Bericht über die Tat. Quelle: You Tube.

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