Musikvideo: Rapper ruft zum Mord an SVP-Vertretern auf
Aktualisiert

MusikvideoRapper ruft zum Mord an SVP-Vertretern auf

Der Luzerner Rapper Amko bedroht in seinem neuen Clip Exponenten der Volkspartei massiv. Dennoch soll er ungeschoren davonkommen.

von
B. Zanni
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Rapper Amko warnt in seinem Video «Sturm» in «Deckung zu gehen, wenn er auf Politiker ziele». Besonders im Visier hat er SVP-Vertreter.

Rapper Amko warnt in seinem Video «Sturm» in «Deckung zu gehen, wenn er auf Politiker ziele». Besonders im Visier hat er SVP-Vertreter.

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Anian Liebrand, ehemaliger Präsident der Jung-SVP, will er ans «Schweizer Kreuz nageln».

Anian Liebrand, ehemaliger Präsident der Jung-SVP, will er ans «Schweizer Kreuz nageln».

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Lukas Reimann wünscht er einen «positiven Aidstest.»

Lukas Reimann wünscht er einen «positiven Aidstest.»

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«Euer Tod ist mein Wunsch»: Mit Worten wie diesen wirft der Luzerner Rapper Amko im Video zu seiner neuen Single «Sturm» um sich. Darin rechnet er vor allem mit SVP-Politikern ab. So «nagelt» Amko Anian Liebrand «ans Schweizer Kreuz» oder wünscht Lukas Reimann einen «positiven Aidstest». Auch warnt er, in «Deckung zu gehen», wenn er «auf Politiker zielt». Dazwischen immer wieder zu sehen: Ein Raum, dessen Wände mit Porträtfotos von SVP-Exponenten vollgepinnt sind.

Gegen Ende des Songs droht der Rapper mit Balkan-Wurzeln, dass er sich mit Sprengstoff im Aktenkoffer auf den Weg mache: Dann seien die Politiker «weg vom Fenster». Schliesslich huldigt er dem verstorbenen al-Qaida-Gründer Osama Bin Laden: «Bin Laden rest in peace.» Der Rapper, der ein Facebook-Konto unter dem Namen Almir Amko Durmisi hat, ist kein Unbekannter. So trat er auch im ehemaligen Jugendsender Joiz auf.

«Ehrverletzungen»

Laut Internet-Rechtsexperte Martin Steiger ist der Inhalt strafbar: «Der Rapper begeht Persönlichkeits- und Ehrverletzungen, droht, fordert öffentlich zu Verbrechen auf und äussert sich menschenverachtend.»

Ein Gericht müsse jedoch zwischen der Kunstfreiheit und den Rechten der Betroffenen abwägen. «Da das Video so krass überzeichnet ist, dass es durchaus als Satire gelten kann, würde es kaum zu einer Verurteilung kommen.» Falls doch, könne eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren drohen.

Anwalt begutachtet Video

Die SVP-Exponenten nehmen den Angriff unterschiedlich auf. Anian Liebrand, ehemaliger Präsident der Jungen SVP, teilt mit, das Video an seinen Anwalt weitergeleitet zu haben. Lukas Reimann unternimmt vorläufig nichts: «Solange das Video nicht gross beachtet wird und ich keine Auswirkungen spüre, verzichte ich darauf.» Grundsätzlich könne jeder sagen, was er wolle.

Auch die Partei lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.«Das Video spricht für sich», sagt Generalsekretär Gabriel Lüchinger. Die Partei wolle den Beitrag nicht weiter kommentieren. Auch erstatte sie keine Strafanzeige. «Heute sind derartige Angriffe auf Politiker aller Parteien leider zunehmend und es ist an den Behörden, allenfalls aktiv zu werden.» (Siehe Box.) Der Staatsanwaltschaft Luzern ist das Video nicht bekannt. Laut dem Sprecher liegen keine Kenntnisse über Anzeigen Betroffener vor.

«Kunst muss nicht immer schön sein»

«Extreme Texte und Macho-Gehabe gehören in gewissen Rapper-Kreisen zum guten Ton», sagt Musikexperte Hanspeter Künzler. So habe etwa die Rockband Body Count von Rapper Ice-T 1992 den kontroversen Song «Cop Killer» (Polizisten-Killer) veröffentlicht.

«Kunst muss zwar nicht immer schön sein, sondern sollte auch Provokation beinhalten.» Amko aber werfe Menschen Hass um die Ohren, was zu weit gehe: «Das ist kein Aufruf zum Dialog mehr.»

«Scharfmacher sind Zielscheibe»

Auch Jonas Fricker, Nationalrat der Grünen, verurteilt das Video scharf: «Für solche Beiträge habe ich kein Verständnis.» Er räumt jedoch ein, dass die angegriffenen SVP-Vertreter auch ihren Teil beigetragen hätten: «Zielscheibe sind klar die Scharfmacher der Partei.» Auf Druck folge immer Gegendruck. Auch die Boulevardmedien seien nicht unschuldig: «Rechte Politiker und linke sind oft gar nicht so extrem wie die Titel über ihren Artikeln.»

Amko nahm bis Redaktionsschluss keine Stellung.

SVP-Exponenten als Opfer

SVP-Politiker werden in Videos immer wieder hart attackiert. Im Jahr 2015 drohte der albanischstämmige Rapper Ensar «Ensy» Abazi gegen Nationalrat und «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel. Auch wünschte er dem Ex-Nationalrat Christoph Mörgeli eine Vergiftung und wäre «schadenfroh», wenn Lukas Reimann niedergeschlagen würde.

Kurze Zeit später inszenierte Ensy in einem Video eine «Exekution» im Stile des Islamischen Staats. Dabei wurden die SVP-Politiker Lukas Reimann und Oskar Freysinger als Geiseln hingerichtet.

Auch in der Realität sind die Politiker nicht vor Angriffen gefeit. Kürzlich übergossen Unbekannte am schwul-lesbischen Festival Gaywest Thomas Fuchs mit Caipirinha. Ende Juli wiederum hatte Erich Hess in einem linksalternativen Lokal eine unfreiwillige Bier-Dusche bekommen.

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