Filmaufnahmen: Rapper steckt hinter Polizei-Grosseinsatz
Aktualisiert

FilmaufnahmenRapper steckt hinter Polizei-Grosseinsatz

Drei maskierte Männer haben am Samstag in Zürich einen Polizeieinsatz ausgelöst. Nun ist klar: Es waren Filmaufnahmen für einen neuen Song des Rappers Okann.

von
jen

Diesen Überfall stellten die drei Freunde für einen Rap-Clip nach. (Video: Atlaz Films)

Bewaffnet stürmten drei maskierte Männer am Samstag einen Dönerladen an der Bederstrasse im Zürcher Kreis 2. Einige Passanten beobachteten das Geschehen und riefen die Polizei. Diese rückte mit einem Grossaufgebot aus.

Es stellte sich aber schliesslich heraus, dass die drei jungen Männer einen Clip für den neuen Rap-Song «Pazarlake» von Okann aus Weinfelden TG drehen wollten.

«Die waren schon parat, um auf uns zu schiessen»

«Wir haben gedacht, wenn wir die Szenen in einem Laden drehen, sei das kein Problem», sagt Rapper Okann zu 20 Minuten. Zudem sei das Ganze mit dem Besitzer abgesprochen gewesen. Viele Passanten hätten bei den Aufnahmen zugesehen: «Die meisten wussten, dass es gespielt war. Es hatte ja auch zwei Kameramänner.» Zudem hätten Okann und seine zwei Freunde ihre Skimasken immer wieder abgezogen und den Passanten zugewunken und gelächelt.

«Offenbar haben das einige Passanten nicht gesehen und gedacht, es handle sich tatsächlich um einen Überfall», so Okann. Prompt seien auch schon vier Polizeiwagen vor dem Kebabstand gestanden. «Die Polizisten haben den Laden mit Polizeihunden und in Vollmontur, mit MP-Waffen und Helmen, gestürmt. Die waren schon parat, um auf uns zu schiessen.»

Kollege hatte Imitationswaffe dabei

Alle Leute im Raum hätten sich auf den Boden legen müssen. «Wir haben ihnen zu erklären versucht, dass wir nur lustige Filmaufnahmen für einen Rap-Clip drehen und dafür einen Dürüm klauen wollten», so Okann weiter. Die Polizei habe ihnen schliesslich geglaubt. Jedoch habe ein Kollege von Okann mit der Polizei mitgehen müssen, weil er eine Imitationswaffe bei sich getragen habe. Das ist in der Schweiz verboten.

«Das Ganze tut mir unheimlich leid», sagt Okann. Er habe etwas Kreatives machen wollen für sein erstes Album, das er im Januar veröffentlichen werde. «Es ist schwierig, erfolgreich zu sein, wenn niemand einen unterstützt. Man kämpft aber für den Erfolg und nimmt dafür viel in Kauf», sagt der Rapper.

«Ich will nicht mit Skandalen auffallen, sondern mit meiner Musik»

Trotzdem stellt Okann klar: «Ich will nicht mit Skandalen auffallen, sondern mit meiner Musik.» Und er ist überzeugt, dass sein neues Album in der Schweiz einschlagen wird: «Ich arbeite mit berühmten deutschen Rappern wie Alpha Gun zusammen. Dieser hat jahrelang mit Sido Musik gemacht», so Okann.

Die am Samstag begonnenen Filmaufnahmen werde Okann zusammen mit seinen Freunden am Donnerstag in Zürich fertigstellen. «Die Überfallszenen sind aber schon abgeschlossen», sagt Okann schmunzelnd.

Auflagen bei Dreharbeiten beachten

Die Polizei wies nach dem Vorfall einmal mehr darauf hin, dass Imitationswaffen auch für Sicherheitskräfte auf den ersten Blick kaum von echten Waffen zu unterscheiden sind. Zudem ist das Tragen von Imitationswaffen verboten, weil es dadurch zu folgenschweren, unvorhersehbaren Reaktionen kommen könnte.

Michael Walker von der Stadtpolizei Zürich weist auf folgende Auflagen beim Dreh mit Waffen hin: Wenn auf privatem Grund gedreht wird, muss keine Bewilligung eingeholt werden. Dennoch ist der Bereich abzusperren und gut zu kennzeichnen, dass Dreharbeiten stattfinden. Zudem darf keine scharfe Munition verwendet werden. Die Waffe muss, auch wenn sie eine Attrappe ist, entladen sein.

Rapper Okann mit seinem Song «Tipico».

Rapper Okann aus Weinfelden drehte am Samstag im Zürcher Kreis 2 einen Videoclip für seinen neuen Rap-Song «Pazarlake», der im Januar erscheint.

Deine Meinung