Aktualisiert 09.07.2006 19:28

Rasen-König Roger Federer regiert weiter

Roger Federer hat seine Stellung als Nummer 1 des Tennissports auf eindrückliche Art untermauert. Er besiegte seinen spanischen Erzrivalen Rafael Nadal im Final in Wimbledon in vier Sätzen 6:0, 7:6 (7:5), 6:7 (2:7), 6:3.

Der Schweizer hat das wichtigste Turnier nun viermal hintereinander gewonnen, was zuletzt Pete Sampras in den Jahren 1997 bis 2000 gelungen ist. Gleichzeitig baute Federer seine Rekordserie auf Rasen, seiner Lieblingsunterlage, auf 48 Siege aus. Im nächsten Jahr wird er damit weiterfahren können.

Federer war mit der Head-to-head-Bilanz von 1:6 gegen Nadal in den Final gestartet. Allein in diesem Jahr war er dem Spanier in vier Endspielen unterlegen, zuletzt am French Open in Paris.

Nach dem ersten Satz, in dem er seinem Widersacher nicht den Hauch einer Chance liess, musste Federer für den achten Grand-Slam-Triumph seiner Karriere schwer kämpfen. Im zweiten Satz lief er von Beginn an einem Aufschlagverlust hinterher, den erst erst zum 5:5 wettmachen konnte. Im dritten Umgang schaffte keiner der beiden ein Break. Federes Sonderklasse auf Rasen stach erst im vierten Satz wieder klar heraus.

Grand Slam Turnier in Wimbledon, Final

Roger Federer - Rafael Nadal 6:0, 7:6 (7:5), 6:7 (2:7), 6:3

Die Sätze im Detail

Der vierte Satz

Das Spiel jetzt auf des Messers Schneide. Beide Spieler servieren stark, ein kleiner Fehler kann alles entscheiden. Nachdem Nadal einen Ball am Netz verschlägt, kann Federer das Break zum 3:1 schreiben. Kurz darauf zieht Federer mit dem 13 Ass auf 4:1 davon. Mit der nächsten Chance zum Servicedurchbruch kann Federer das 5:1 buchen. Nadal gibt sich nicht geschlagen und schafft das Rebreak locker zum 2:5.

Der dritte Satz

Im dritten Durchgang beide Spieler ohne Probleme mit den ersten Aufschlagspielen. Dann wackelte Federer etwas beim Game zum 3:3. Der Schweizer musste einen Breakball von Nadal abwehren, tat dies souverän. Wer macht den ersten Fehler? Der Satz im Tiebreak. Nadal führt schnell mit zwei Minibreaks 6:2. Der Spanier lässt nichts anbrennen und erreicht den Satzgewinn mit 7:6 (7:2) nach 53 Minuten. Der erste Satzverlust von Federer in Wimbledon in diesem Jahr.

Der zweite Satz

Nach der Demonstration im ersten Durchgang, beginnt der zweite Satz schlecht für Federer. Nadal nimmt ihm den Aufschlag mit der ersten Breakchance ab. Nadal jetzt klar verbessert. Die Partie plötzlich ausgeglichen. Federer verpasst das Break zum 2:2, als er einen Ball zum Servicedurchbruch nicht nutzen kann. Nadal serviert bis zum 5:4 stark. Doch dann flattern dem Spanier die Nerven: Er kassiert das Break zum 5:5 mit vier Fehlern in Folge. Der Schweizer zurück im Satz. Nadal dagegen etwas von der Rolle, so kann der Baselbieter auf problemlos auf 6:5 davon ziehen. Nadal rettet sich ins Tiebreak. Dort gelingt dem Spanier das Minibreak zum 3:1, doch Federer kontert mit zwei Breaks vom 2:3 zum 4:3. Den dritten Satzball nutzt der Titelverteidiger zum 7:6 (7:5) nach 58 Minuten.

Der erste Satz

Hervorragender Start von Federer. Der Schweizer holte sich mit der zweiten Breakchance den Servicedurchbruch zum 2:0. Bei eigenem Aufschlag der Baselbieter gewohnt stark. Auch das zweite Break gelang dem Schweizerkurz darauf: 4:0 für die Weltnummer 1. Nadal bisher ohne Chance. Nach nur 24 Minuten holt sich Federer den ersten Satz mit 6:0.

Vor dem Spiel

Der erwartete Traumfinal der weltbesten Tennisspieler ist perfekt: Roger Federer trifft in seinem vierten Wimbledon-Endspiel in Serie auf French-Open-Sieger Rafael Nadal. In sieben Vergleichen hat der Spanier nur einen verloren.

Federer fegte im Halbfinal Jonas Björkman in 77 Minuten 6:2, 6:0, 6:2 vom Platz; 146 Minuten brauchte Nadal zum 6:1, 7:5, 6:3-Sieg gegen den Zyprioten Marcos Baghdatis.

Im Halbfinal, der wegen Regens mit zweistündiger Verspätung begonnen hatte, konnte einem der 34-jährige Schwede leid tun, phasenweise erinnerte der Federer-Monolog an eine sportliche Exekution. Nach einem halbwegs ausgeglichenen Beginn - Federer führte mit Break dennoch 3:2 - gewann der Baselbieter die nächsten elf Games. Was immer Björkman auch probierte, Federer hatte die bessere Antwort. Die Gesamt-Punktbilanz von 80:43 spricht Bände.

Federer hat damit seinen neunten Major-Final erreicht und dies erstmals ohne Satzverlust. Bisher war er zweimal mit weisser Weste in die Halbfinals vorgedrungen, hatte dann aber gegen die Geburtstagskinder Marat Safin (Melbourne 2005) und Rafael Nadal (Paris 2005) seine einzigen Niederlagen in diesem Stadium erlitten.

Ein weiterer Eintrag in die Geschichtsbücher ist Federer sicher: Er ist der erste Mann in der «Open Era», der fünf Major-Finals in Serie erreicht. In dieser Form könnte er sogar eine sensationelle Marke von Björn Borg egalisieren: Der Schwede triumphierte 1976 bei den All England Championships ohne Satzverlust.

Angstgegner

Nadal hat die letzten vier Finals gegen Federer einschliesslich das French Open für sich entschieden. Gegen Baghdatis, den Federer im Final der Australian Open bezwungen hatte, bewies der Mallorquiner einmal mehr, dass er inzwischen auch auf Rasen zu aussergewöhnlichen Leistungen fähig ist. Mit 20 Jahren und 36 Tagen ist er der jüngste Finalist in Wimbledon seit Boris Becker 1986. Überdies ist er der erste Spieler seit Andre Agassi 1999, der sowohl in Paris als auch in London das Endspiel erreichte.

(fox/si)

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