Mordprozess Metzerlen: Räuber rasen mit SUV in Juwelier und schiessen Komplizen aus Gefängnis

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Mordprozess MetzerlenRäuber rasen mit SUV in Juwelier und schiessen Komplizen aus Gefängnis

Im März 2010 wurde Ivo Borer, Gemeindepräsident von Metzerlen, bei einem Überfall von Räubern so schwer verletzt, dass er später im Spital verstarb. Ab Montag stehen die mutmasslichen Täter an einem geheimen Ort vor Gericht.

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Räuber der Bande Pink Panthers sollen 2016 am Überfall auf einen Juwelier an der Zürcher Bahnhofstrasse beteiligt gewesen sein.

Räuber der Bande Pink Panthers sollen 2016 am Überfall auf einen Juwelier an der Zürcher Bahnhofstrasse beteiligt gewesen sein.

Stadtpolizei Zürich
Im Jahr 2010 sollen Mitglieder der Bande in ein Haus in Metzerlen SO eingebrochen sein.

Im Jahr 2010 sollen Mitglieder der Bande in ein Haus in Metzerlen SO eingebrochen sein.

Wikimedia/Yesuitus2001
Es war das Haus des Gemeindepräsidenten, damals 71. Ivo Borer wurde von den Räubern schwer verletzt und starb vier Monate später im Spital.

Es war das Haus des Gemeindepräsidenten, damals 71. Ivo Borer wurde von den Räubern schwer verletzt und starb vier Monate später im Spital.

Gemeinde Metzerlen

Darum gehts

  • Im März 2010 wurde Ivo Borer, der Gemeindepräsident von Metzerlen SO, bei einem Raubüberfall schwer verletzt.

  • Er erlag vier Monate später im Spital seinen Verletzungen.

  • Die mutmasslichen Täter müssen sich ab Montag wegen Mordes vor Gericht verantworten.

  • Die Beschuldigten sollen Verbindungen zur international agierenden Organisation Pink Panthers haben, die für ihr martialisches Vorgehen berüchtigt ist.

  • Die Verhandlung des kleinen Richteramts findet an einem geheimen Ort statt.

Die meisten Gerichtsverhandlungen in der Schweiz sind öffentlich. Dass eine Verhandlung an einem geheimen Ort stattfindet, bedarf schon besonderer Umstände. Diese sieht das Richteramt Dorneck-Thierstein im Kanton Solothurn im Fall des Tötungsdelikts von Metzerlen im Jahr 2010 als gegeben an. «Es geht um die Sicherheit aller am Prozess Beteiligten», heisst es.

Die Staatsanwaltschaft hat zwei Männer, einen Holländer und einen Serben, wegen Mordes angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, im März 2010 mit räuberischer Absicht in eine Liegenschaft in der Solothurner Gemeinde eingebrochen zu sein. Dabei seien sie auf den damals 71-jährigen Gemeindepräsidenten Ivo Borer gestossen und hätten ihn zusammengeschlagen. Borer erlag vier Monate später im Spital seinen Verletzungen.

Martialisches Vorgehen

Bei den Beschuldigten handelt es sich um mutmassliche Mitglieder der Pink Panthers. Die Juwelenräuber-Bande ist für ihr martialisches Vorgehen berüchtigt und weltweit aktiv. Im Mai 2016 versuchten Bandenmitglieder, in ein Juweliergeschäft in Zürich einzubrechen. Zu diesem Zweck rammten sie mehrfach die Fassade des Gebäudes mit einem SUV.

Die Bande soll auch für einen Gefängnisausbruch in Orbe VD verantwortlich sein. Damals attackierte eine Gruppe Schwerbewaffneter die Strafanstalt und ermöglichte einem Komplizen sowie einem weiteren Insassen die Flucht. «Es handelt sich eher um einen Einmarsch als um einen Ausbruch», konstatierte Regierungsrätin Béatrice Métraux damals.

Grund der Geheimhaltung

Im Solothurn will man offenbar keine gewalttätige Attacke riskieren. Auch ist das beschauliche Richteramt in Dornach SO nicht geeignet, um ein grösseres Sicherheitsdispositiv zu beherbergen. Deshalb hat man sich wohl entschlossen, den Austragungsort der Verhandlung geheim zu halten.

Angemeldete Pressevertreter können den Prozess zwar per Videoschaltung verfolgen, dürfen aber keine Screenshots machen. So bleiben nicht nur die Persönlichkeitsrechte der Beschuldigten gewahrt, sondern auch Rückschlüsse auf die Örtlichkeit sind unmöglich. Oder in den Worten des Richteramts: «Die Sicherheit kann anders nicht gewährleistet werden.»

Mit der Comicfigur wenig am Hut

Der Name der Bande bezieht sich nicht etwa auf den rosaroten Panther (Paulchen), sondern auf den Film «The Pink Panther» aus den 1960-er-Jahren, bei dem es um den Diebstahl eines gleichnamigen Diamanten geht. Die Juwelendiebe wurden so erstmals von der britischen Polizei nach einem Raub im Jahr 2003 benannt. Damals hatten sie in London einen Diamanten im Wert von 500’000 Pfund gestohlen.

Die rund 200 Pink Panthers, deren Mitglieder meist aus dem Balkan stammen und von Behörden oft als gefährlich eingestuft werden, sollen weltweit schon Diebesgut im Wert von einer halben Milliarde Dollar erbeutet haben.

Im Jahr 2013 sprach 20 Minuten mit Milena Miletic, einer Kennerin der Organisation. Miletic beschreibt die Bande als einen losen Zusammenschluss sehr gut organisierter Gruppen, die ihre Operationen monatelang und bis ins letzte Detail planen. Sie achteten aber auch darauf, dass es keine Toten gebe. Weshalb Ivo Borer dennoch mit seinem Leben für die Raubgier anderer bezahlen musste, bleibt bis zur Verhandlung offen. Die Behörden hatten inzwischen aber über zehn Jahre Zeit, im Fall zu ermitteln.

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