Rasender Testfahrer muss ins Gefängnis
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Rasender Testfahrer muss ins Gefängnis

Im Prozess um Drängelei auf der Autobahn hat das Amtsgericht Karlsruhe einen Testfahrer von DaimlerChrysler wegen fahrlässiger Tötung zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt.

Das Schöffengericht befand den 34-jährigen Versuchsingenieur für schuldig, am 14. Juli 2003 auf der A5 den Tod einer 21-jährigen Mutter und ihrer zweijährigen Tochter verursacht zu haben. Ausserdem muss der Mann ab dem Tag der Urteilsverkündung für 18 Monate den Führerschein abgeben.

Das Gericht blieb mit dem Strafmass nur knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die gefordert hatte, den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung sowie grob verkehrswidrigen Verhaltens zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis ohne Bewährung zu verurteilen. Die Verteidigung hatte dagegen Freispruch verlangt und angekündigt, im Fall einer Verurteilung in Berufung zu gehen.

Vor der Urteilsverkündung hatte es in dem Amtsgericht am Mittwochmorgen massive Personenkontrollen gegeben. Nach offiziellen Angaben war dem eine Morddrohung gegen die Richterin Brigitte Hecking vorausgegangen.

Nach Abschluss der Beweisaufnahme hatten sich die Anklagevertreter überzeugt gezeigt, dass der Angeklagte der Drängler war, der im Sommer vergangenen Jahres auf der A5 zwischen Karlsruhe und Bruchsal dicht und in hoher Geschwindigkeit auf den Kleinwagen herangefahren war und den tödlichen Unfall der jungen Mutter und ihres Kindes verschuldet hatte. Die Vertreter der Nebenkläger hatten sich dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft angeschlossen.

In dem Prozess hatten vier Unfallzeugen übereinstimmend ausgesagt, sie hätten am Tag des Unfalls einen schweren schwarzen Mercedes gesehen, der mit weit über 200 Stundenkilometern auf den Kleinwagen Kia zufuhr. Weitere von ihnen genannte Merkmale des Autos trafen nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft ebenfalls nur auf den Firmenwagen des Angeklagten zu, der an diesem Morgen von Sindelfingen zur Teststrecke nach Papenburg ins Emsland unterwegs war.

Der Verteidiger hatte dagegen Freispruch beantragt. Sein Mandant sei erst nach dem Unfallzeitpunkt an der fraglichen Stelle zwischen Karlsruhe und Bruchsal vorbeigefahren, argumentierte er. Es sei ausgeschlossen, die Strecke zwischen Sindelfingen und dem Unglücksort in weniger als einer halben Stunde zu schaffen. Ausweislich des Tankbelegs und nach Zeugenaussagen sei der Angeklagte erst um 05.30 Uhr in Sindelfingen losgefahren. Der Unfall habe sich aber schon etwa um 05.58 Uhr ereignet.

(dapd)

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