Aktualisiert 21.01.2016 15:24

Kantonsgericht SG

Raser (23) verlangt vor Gericht sein Auto zurück

Ein Junglenker hat innerorts mit 140 km/h die Kontrolle über sein Auto verloren und ist in einen Schneehaufen gefahren. Jetzt verlangt er neben einer milderen Strafe auch sein Auto zurück.

von
sda/afa

Die rasante Fahrt fand an einem Wintermorgen im Februar 2013 statt. Ein in der Schweiz geborener Türke (23) war mit seinem 265 PS starken Auto von der Bahnhofstrasse Uzwil in Richtung Niederuzwil unterwegs, als er von einem Auto überholt wurde. Sogleich setzte er zu einem Überholmanöver an. Bei einer Verkehrsinsel musste er eine starke Lenkbewegung machen, verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und landete in einem Schneehaufen.

Das Kreisgericht Wil ging davon aus, dass er statt der erlaubten 50 km/h mit ungefähr 140 km/h unterwegs war. Es verurteilte den jungen Mann am 4. Februar 2015 wegen mehrfacher qualifiziert grober Verkehrsregelverletzung. Als Sanktion sprach es eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit Probezeit und eine Busse von 1000 Franken aus. Zudem entschied es, den Personenwagen des Beschuldigten einzuziehen. Dagegen erhob der Beschuldigte Einsprache.

Zeuge war sprachlos

Das Kantonsgericht St. Gallen befragte an der Berufungsverhandlung vom Donnerstag einen Zeugen. Er habe von hinten ein Rauschen gehört und sei sprachlos stehen geblieben, als er bemerkt habe, wie schnell die beiden Autos gefahren seien. Der Wagen des Beschuldigten sei in etwa so schnell dahergeschossen, wie ein Fahrzeug auf der linken Spur der Autobahn unterwegs sei.

Mildere Strafe verlangt

Der Verteidiger bestritt in seinem Plädoyer die Höhe der übersetzten Geschwindigkeit. Sowohl sein Mandant als auch der Beifahrer im Auto hätten glaubhaft ausgesagt, dass sie höchstens 65 bis 70 km/h gefahren seien. Es gebe keine Beweise, dass es sich um eine Geschwindigkeit von über 100 km/h gehandelt habe. Die Strafe für sein unkorrektes Verhalten sei auf eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 90 Franken und eine Busse von 300 Franken festzulegen. Der Unfallwagen dürfe nicht eingezogen werden, da es sich nicht um einen Raserunfall handle und das Auto gar nicht dem 23-Jährigen gehöre, sondern dessen Mutter.

Der Beschuldigte selber verweigerte auf die meisten Fragen des vorsitzenden Richters die Aussage. Das Kantonsgericht sprach ihn auf einen Kleinkredit von 12'000 Franken an, den der Beschuldigte kurz vor dem Erwerb des Autos aufgenommen hatte. Auf die Frage, ob er das Geld für das Fahrzeug gebraucht habe, gab er keine Antwort.

Die Staatsanwaltschaft plädierte auf Abweisung der Berufung. Es habe sich um ein waghalsiges Überholmanöver gehandelt. Der Beschuldigte habe jedes Mass an Vorsicht im Strassenverkehr missen lassen. Es sei nur dem Zufall zu verdanken, dass es keine Verletzten oder Todesopfer gegeben habe. Das Urteil des

Kantonsgerichts steht noch aus.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.