Strafgericht BS: Raser krachte zugedröhnt in Auto, dessen Beifahrerin in Wehen lag
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Strafgericht BSRaser krachte zugedröhnt in Auto, dessen Beifahrerin in Wehen lag

Im Februar 2019 hatte ein heute 26-Jähriger zugedröhnt auf einer Raserfahrt durch Basel das Leben eines ungeborenen Kindes gefährdet. Der Strafrichter verurteilte ihn am Dienstag zu einer bedingten Freiheitsstrafe.

von
Oliver Braams
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Am 22. Februar 2019 krachte in Basel ein PS-starker Golf am Wettsteinplatz in einen Mercedes Benz, der auf dem Weg in die Geburtsklinik war. Die Beifahrerin lag in den Wehen.

Am 22. Februar 2019 krachte in Basel ein PS-starker Golf am Wettsteinplatz in einen Mercedes Benz, der auf dem Weg in die Geburtsklinik war. Die Beifahrerin lag in den Wehen.

Foto: bs.ch/Juri Weiss
Zum Unfall gekommen ist es laut Anklage, nachdem der Lenker des Golfs nach einer Partynacht mit Alkohol und Kokain zugedröhnt und mit stark übersetzter Geschwindigkeit über die Wettsteinbrücke ins Kleinbasel raste und die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor.

Zum Unfall gekommen ist es laut Anklage, nachdem der Lenker des Golfs nach einer Partynacht mit Alkohol und Kokain zugedröhnt und mit stark übersetzter Geschwindigkeit über die Wettsteinbrücke ins Kleinbasel raste und die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor.

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An den genauen Unfallhergang mochte sich der Beschuldigte am Dienstagmorgen, 20. Oktober 2020 vor dem Strafrichter nicht erinnern. «Ich stand unter Drogen und habe einen Filmriss», sagte er.

An den genauen Unfallhergang mochte sich der Beschuldigte am Dienstagmorgen, 20. Oktober 2020 vor dem Strafrichter nicht erinnern. «Ich stand unter Drogen und habe einen Filmriss», sagte er.

Keystone

In den frühen Morgenstunden des 22. Februar 2019 krachte in Basel auf dem Wettsteinplatz ein PS-starker Golf in einen Mercedes Benz, der auf dem Weg in die Geburtsklinik war. Die Beifahrerin lag in den Wehen. Zum Unfall gekommen ist es laut Anklage, nachdem der heute 26-jährige Lenker des Golfs nach einer Partynacht mit Alkohol und Kokain zugedröhnt und mit stark übersetzter Geschwindigkeit über die Wettsteinbrücke ins Kleinbasel raste und nach einem Überholmanöver die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor.

Das Auto habe noch auf der Brücke den Randstein touchiert, sei auf den knapp 70 Meter entfernten Kreisverkehr am Wettsteinplatz hinzugeschlittert. Dort kollidierte es mit der Rabatte und krachte weitere fünfzig Meter weiter in besagten Mercedes, der in der einmündenden Strasse wartete. Bevor er sich davonmachte, sei der Angeklagte noch auf den Mercedes-Lenker los und habe ihm eine Faust verpasst, heisst es in der Anklageschrift.

An den genauen Unfallhergang mochte sich der Beschuldigte am Dienstag vor dem Basler Strafgericht nicht mehr erinnern. «Ich stand unter Drogen und habe einen Filmriss», sagte er. «Ich habe nur ein Bild davon, wie ich unter Adrenalin das Gaspedal voll durchdrückte, und dann noch eines, wie es krachte», so der Angeklagte.

«Der Unfall war eine logische Konsequenz»

Den Filmriss kaufte ihm der Staatsanwalt ab. «Angesichts des nachgewiesenen Drogenmixes im Blut ist diese Erinnerungslücke nicht gespielt», sagte er in seinem Plädoyer. «Aber das Tempo war horrend zu hoch und die Fahrfähigkeit des Lenkers war so stark beeinträchtigt gewesen, dass der Unfall fast schon eine logische Konsequenz war.» Der Beschuldigte habe mit seiner Fahrt Schwerverletzte in Kauf genommen.

Dass er nach dem Zusammenstoss mit dem Mercedes ausstieg und dessen Lenker die Faust ins Gesicht schlug, erklärte der Beschuldigte dadurch, dass er sich von diesem bedroht gefühlt habe: «Er ist impulsiv auf mich zugekommen und sprach nur Englisch. Wir konnten uns nicht verständigen», sagte der 26-Jährige. «Ich geriet in Panik. Darum machte ich mich zu Fuss davon und bestieg ein Taxi.»

Er sei da nicht mehr zurechnungsfähig gewesen, erklärte seine Anwältin. «Er war nicht imstande, einen Entschluss zu fassen. Er war in Panik.»

Vom Raser zum Kinderbetreuer

Und von der hochschwangeren Frau habe er erst bei der Einvernahme erfahren. Das Taxi, das der Beschuldigte auf der Brücke noch halsbrecherisch überholt hatte, brachte die Frau sofort ins Spital. «Als er das erfahren hatte, musste er leer schlucken», sagte seine Verteidigerin. «Der Gedanke daran, ein ungeborenes Kind verletzt zu haben, liess ihn nicht kalt.»

Insgesamt zeigte sich der Beschuldigte einsichtig. Er betonte, er versuche, sein Leben in den Griff zu bekommen. Er absolviere derzeit eine Lehre in einer Kindertagesstätte und trinke nicht mehr so viel Alkohol.

Gerichtspräsident Lucius Hagemann hielt ihm das zugute. Dennoch erklärte er den Angeklagten in allen Punkten für schuldig. Die Delikte seien rücksichtslos begangen worden. Das Gericht sprach eine bedingte Freiheitsstrafe von 22 Monaten und eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen sowie eine Busse von 3000 Franken aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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