02.12.2019 16:40

Arosa GRRaserpisten für Skifahrer sollen gegen Unfälle helfen

Immer wieder kommt es auf Schweizer Skipisten zu Unfällen. Der oberste Skilehrer bringt nun als Lösung Raserpisten ins Spiel. Ostschweizer Skigebiete sind skeptisch.

von
mig
1 / 8
Bei einem Unfall Mitte November erlitt ein fünfjähriges Mädchen im Skigebiet Arosa schwere Verletzungen.

Bei einem Unfall Mitte November erlitt ein fünfjähriges Mädchen im Skigebiet Arosa schwere Verletzungen.

Kapo GR
Um Unfälle zu verhindern, schlägt der oberste Skilehrer, Riet Campell, Raserpisten vor. Solche Pisten wären abgesperrt und die Skifahrer könnten nacheinander runter blochen.

Um Unfälle zu verhindern, schlägt der oberste Skilehrer, Riet Campell, Raserpisten vor. Solche Pisten wären abgesperrt und die Skifahrer könnten nacheinander runter blochen.

Facebook/Riet Campell
In den Skigebieten kommt die Idee eher schlecht an. Die Bergbahnen Wildhaus AG würden eher auf Langsamfahrer-Strecken setzen. Mit Raserpisten würde sich ein Skigebiet zu stark exponieren, so die verbreitete Meinung

In den Skigebieten kommt die Idee eher schlecht an. Die Bergbahnen Wildhaus AG würden eher auf Langsamfahrer-Strecken setzen. Mit Raserpisten würde sich ein Skigebiet zu stark exponieren, so die verbreitete Meinung

Facebook/Bergbahnen Wildhaus

Erst Mitte November kam es im Skigebiet Arosa zu einem Skiunfall. Dabei wurden zwei Personen verletzt. Unter anderem erlitt ein 5-jähriges Mädchen schwere Verletzungen. Es wurde hinter einer Kuppe von einem Mann angefahren.

Um Unfälle zu verhindern hat Riet Campell, der oberste Skilehrer der Schweiz, eine innovative Idee. Gegenüber dem «Regionaljournal von SRF» sagt der Engadiner: «Vielleicht wären Raserpisten mit entsprechenden Regeln die Lösung.» Nacheinander könnten auf diesen Raserpisten die Skifahrer runter blochen.

Veränderungen wahrgenommen

Campell hält fest, dass auf der Piste teilweise Aggressionen ausgelebt würden. Zudem sei das Material immer besser und schneller. Deswegen sei es nötig, neue Modelle in Betracht zu ziehen. Zu 20 Minuten sagt er: «Auf den Raserpisten könnten die Skifahrer das Material auskosten. Sie könnten erleben, wie sich die volle Geschwindigkeit auf den Skis anfühlt.» Die Verantwortung würde jeder einzelne Fahrer für sich selbst tragen.

Infrage kommen aber nicht alle Skigebiete. Die Pisten müssten eine geeignete Neigung haben, gut markiert sein und entsprechend präpariert, so Campell.

Klare Tendenz gegen Raserpisten

In der Ostschweiz halten die grösseren Skigebiete nicht viel von der Idee. Ein Punkt erwähnen alle explizit: «Wir wollen keine Raserpiste bei uns haben.» Der CEO der Pizolbahnen AG, Klaus Nussbaumer, sagt: «Ich denke nicht, dass es so weniger Unfälle geben würde.» Ähnlich klingt es auch beim Skigebiet Flumserberg. CEO Heinrich Michel erinnert daran, dass sich der Fahrer auf einer Raserpiste einem grossen Risiko aussetzen würde. Bei einem höheren Tempo, steige auch die Gefahr von einem Sturz.

Jürg Schustereit von der Bergbahnen Wildhaus AG spricht einen weiteren Punkt an. Er sagt: «In den vergangenen Jahren sind die Skifahrer viel mehr sensibilisiert worden, wie sie sich auf den Pisten zu verhalten haben.» Seiner Meinung nach sind Langsamfahrer-Strecken zielführender als Raserpisten. Alex Singenberger von der benachbarten Toggenburg Bergbahnen AG meint: «Es ist schwierig auf einer Skipiste jemanden als Raser zu bezeichnen. Es geht darum, wie gut jemand Skifahren kann und nicht wie schnell.»

Appell an die Vernunft

Stefan Reichmuth vom Skigebiet Arosa meint, nicht alle Unfälle würden wegen zu hohem Tempo passieren. Wie alle anderen Skigebiete und auch der Skilehrer Campell appelliert Reichmuth zudem an die Vernunft der Fahrer: «Gegenseitiger Respekt und das Einhalten der Regeln ist das Wichtigste für die Sicherheit.»

Campell ist nicht überrascht über die Skepsis. Er habe mit Kritik gerechnet. Mit seinen Aussagen wolle er aber eine Diskussion anstossen. Der oberste Skilehrer hält fest: «Es kann nicht sein, dass Unfälle passieren und nichts passiert. Es braucht Lösungen.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.