Aktualisiert 05.09.2006 16:16

Raserprozess: War es ein Rennen?

Im Berufungsprozess gegen den Raser von Jona haben sich die Parteien vor allem mit den Einzelheiten des Unfallhergangs auseinander gesetzt.

Die Verteidigung bestritt, dass der Angeklagte an einem Rennen beteiligt war. Das Urteil des St. Galler Kantonsgerichts wurde für den Mittwoch angekündigt.

Der Verteidiger des 24-jährigen Berufungsklägers argumentierte, es gebe keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür, dass sich sein Mandant am 5. Juni 2004 vor dem fatalen Unfall mit drei Toten ein Rennen mit einem Kollegen geliefert habe. Dieser habe vielmehr unter den gegebenen Umständen richtig reagiert. Der junge Mann aus Serbien-Montenegro hatte erklärt, dass er den Unfall unbedingt habe verhindern wollen. Er sei in der leichten Linkskurve, in der auch das Ende der Doppelspur signalisiert war, vom Gas gegangen, auf den Pannenstreifen ausgewichen und habe den Kollegen vorbeiziehen lassen wollen. Er habe aber bei der hohen Geschwindigkeit nicht bremsen können. Die Autos sollen an dieser Stelle mit Tempo 130 bis 140 unterwegs gewesen sein. Der Kollege des Beschuldigten kollidierte kurz darauf mit einem entgegenkommenden Auto. Die Verteidigung hielt an ihrem erstinstanzlichen Antrag von einer maximalen Gefängnisstrafe von 18 Monaten bedingt wegen grober Verkehrsregelverletzung fest.

Die Anklage, vertreten durch den Untersuchungsrichter, hielt es hingegen für erwiesen, dass ein Rennen stattgefunden hatte. Beide Fahrzeuge seien laut Expertise während mindestens zehn Sekunden nebeneinander «Rad an Rad» gefahren, so der Untersuchungsrichter. Die Fahrer hätten nicht reagiert, obwohl sie genug Zeit dazu gehabt hätten. Der Untersuchungsrichter verlangte deshalb einen Schuldspruch wegen Mittäterschaft zu mehrfacher eventualvorsätzlicher Tötung. Seinen Antrag, die erstinstanzliche Strafe von sechs auf sieben Jahre Zuchthaus heraufzusetzen, begründete er mit fehlender Reue und Einsicht beim Raser. Mit seinem Verhalten in der fatalen Kurve sei er zudem «massiv von der Rechtsordnung abgewichen». (dapd)

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