Attacke auf DFB-Nationalspieler - «Wenn Spieler rassistisch beleidigt werden, ist weiterspielen keine Option»
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Attacke auf DFB-Nationalspieler «Wenn Spieler rassistisch beleidigt werden, ist weiterspielen keine Option»

Die deutsche Nationalmannschaft bereitete sich derzeit auf die Olympischen Spiele vor. Bei einem Testspiel soll ein Spieler rassistisch beleidigt worden sein. Das Team ging im Anschluss geschlossen vom Platz.

von
Sven Forster
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Das Olympiateam des DFB brach wegen einer rassistischen Attacke ein Testspiel ab. 

Das Olympiateam des DFB brach wegen einer rassistischen Attacke ein Testspiel ab.

Jordan Torunarigha (Nummer 15) soll rassistisch beleidigt worden sein. 

Jordan Torunarigha (Nummer 15) soll rassistisch beleidigt worden sein.

Die Mannschaft
Der Herthaner bereitet sich gerade auf die Olympischen Spiele vor. 

Der Herthaner bereitet sich gerade auf die Olympischen Spiele vor.

Die Mannschaft

Darum gehts

  • In einem Testspiel der deutschen Nationalmannschaft kam es zu einem rassistischen Vorfall.

  • Laut DFB wurde ein Spieler beleidigt.

  • Die Mannschaft beendete die Partie.

Die deutsche Fussballnationalmannschaft bereitet sich derzeit auf die Olympischen Spiele in Tokio vor. Am Samstag wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Testspiel gegen Honduras ausgetragen. Das Spiel wurde aber fünf Minuten vor dem Ende abgebrochen.

Wie der DFB auf Twitter schreibt, wurde der Spieler Jordan Torunarigha beim Stand von 1:1 rassistisch beleidigt. «Er war kaum einzukriegen, hat sich furchtbar aufgeregt, weil er gesagt hat, dass er wiederholt rassistisch beleidigt wurde», berichtete Trainer Stefan Kuntz über den Vorfall in der Partie am Samstagabend im japanischen Wakayama. «Wir haben untereinander Blickkontakt aufgenommen. Da war für uns klar: Das verletzt unsere Werte, das können wir auch nicht dulden, wir nehmen da unseren Spieler komplett in Schutz.»

Daraufhin habe die Mannschaft beschlossen, die Partie abzubrechen und das Spielfeld zu verlassen. «Wenn einer unserer Spieler rassistisch beleidigt wird, ist es für uns keine Option weiterzuspielen», so der ehemalige Europameister. Er ergänzte: «Nachdem sich die Situation ein bisschen beruhigt hat, kam auch der gesamte Kader von Honduras rüber zu uns zur Bank und hat sich entschuldigt. Damit war das Thema für uns gegessen.»

Honduras spricht von Missverständnis

Das Team habe gemeinsam überlegt, ob der Angelegenheit noch weiter nachgegangen werden solle, sich aber dagegen entschieden. «Wir haben ein richtiges Statement gesetzt, wir haben richtig entschieden und gehandelt. Es war auch Jordans Wille, der gesagt hat, dass wir es damit gut sein wollen lassen», sagte Routinier Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg, der das Team bei Olympia als Kapitän anführen wird.

Der honduranische Fussballverband sprach im Anschluss von einem Missverständnis. Trainer Kuntz sagte anschliessend: «Ich weiss nicht, wie es Ihnen ging, wenn Sie mit einer Sechs nach Hause kamen. Da habe ich zu meiner Mutter auch immer gesagt: Es war ein Missverständnis zwischen der Lehrerin und mir. Das lassen wir am besten mal unkommentiert.»

In den sozialen Medien wird das Deutsche Olympiateam für die Reaktion auf die Beleidigung gefeiert. «Das ist die einzig richtige Entscheidung», twitterte Torunarighas Club Hertha BSC über den Spielabbruch.

Es ist nicht das erste Mal, dass Jordan Torunarigha auf dem Platz rassistisch beleidigt wurde. Beim Pokalspiel auf Schalke im Februar letzten Jahres wurde der Hertha-Profi heftig beschimpft; es gab Affenlaute in seine Richtung. Danach flossen Tränen auf dem Platz, er drehte durch und kassierte eine Rote Karte.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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