Urs Meier verteidigt sich: «Rassismus kommt in meiner DNA nicht vor!»
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Urs Meier verteidigt sich«Rassismus kommt in meiner DNA nicht vor!»

Mit seinen Aussagen zum Rassismus-Vorfall in der Champions League irritierte «blue»-Experte Urs Meier. Am Tag danach bezieht der ehemalige Schiedsrichter Stellung – und steht zu seinen Worten.

von
Eva Tedesco
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Die Aussagen von Urs Meier werfen hohe Wellen in der Schweizer Medienlandschaft.

Die Aussagen von Urs Meier werfen hohe Wellen in der Schweizer Medienlandschaft.

Keystone
Meier ist seit Jahren gefragter Fussball-Experte, auch im deutschen Fernsehen. 

Meier ist seit Jahren gefragter Fussball-Experte, auch im deutschen Fernsehen.

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Zuvor war Meier jahrelang Schiedsrichter auf höchstem Niveau, hier bei der Euro 2004.

Zuvor war Meier jahrelang Schiedsrichter auf höchstem Niveau, hier bei der Euro 2004.

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Darum gehts

  • TV-Experte Urs Meier steht nach seinen Aussagen zum Rassismus-Vorfall in Paris in der Kritik.

  • Nun äussert sich der ehemalige Spitzen-Schiedsrichter erstmals öffentlich.

  • Er sagt: «Ich verstehe die Empörung. Aber ich habe das Wort in Zusammenhang eines Erklärungsversuches verwendet.»

Der Spielabbruch nach einem Rassismus-Vorfall zwischen PSG und Basaksehir in der Champions League wurde auch bei den Experten von «blue Sport» heiss diskutiert. Dabei nahm Urs Meier das N-Wort selbst noch einmal in den Mund. Damit löste der ehemalige Schweizer Spitzen-Schiedsrichter auf den verschiedenen Plattformen der Sozialen Medien Entrüstung aus und brachte unzählige User noch mehr gegen sich auf.

«Ich verstehe die Empörung», sagt Meier auf Nachfrage am Tag danach, «aber ich habe das Wort in Zusammenhang eines Erklärungsversuches verwendet.» Gegen den Vorwurf, damit den Vorfall relativieren zu wollen, wehrt sich der 61-Jährige entschieden. «Rassismus kommt in meiner DNA absolut nicht vor! Respekt steht bei mir an oberster Stelle, sonst hätte ich keine Spiele leiten und Angestellte führen können.»

Die Vorwürfe im Netz seien vollkommen absurd. Er betreue seit Jahren unzählige Projekte in Afrika und in diversen anderen Ländern. «Das Wort ‹negro› ist abwertend und beleidigend und geht gar nicht. Wenn es verwendet wurde, dann muss der Schiedsrichter gesperrt werden, denn es hat auf den Fussballplätzen nichts verloren. Dazu muss man aber erst wissen, was wirklich passiert ist», sagt Meier.

«Wenn der Schiedsrichter das N-Wort benutzt hat, dann muss er gesperrt werden, denn es hat auf den Fussballplätzen nichts verloren.»

Urs Meier

Auf den Einwand von Moderator Roman Kilchsperger im Champions-League-Studio am Dienstagabend, dass es egal sei, ob der vierte Offizielle das Wort «negro» oder «negru» verwendet habe, reagierte Meier heftig und fand, das sei gar nicht egal. Und das findet er noch immer, relativiert aber. «Im Rumänischen existiert kein anderes Wort als ‹negru› für schwarz - und die Schiedsrichtergespanne kommunizieren nun mal immer in ihrer Landessprache.»

Und Meier weiter: «Klar, wenn man weiss, dass es ein Wort ist, das missverständlich sein könnte, sollte man es nicht verwenden und das sollte der Schiedsrichter wissen. Darum habe ich natürlich auch Verständnis für die Reaktionen der Betreuer und Spieler. Aber in der Hektik, voll mit Adrenalin und von allen Seiten bestürmt, hat er das vielleicht nicht so empfunden.»

Meier beschreibt Referee Ovidiu Hategan als einen erfahrenen Spielleiter, sagt aber auch, dass man die Situation noch auf dem Platz hätte klären müssen. Meier bleibt auch hier bei seiner Meinung, dass es voreilig war, das Spiel abzubrechen: «Kommunikation ist ganz wichtig, aber manchmal will die andere Seite auch gar nicht zuhören. Das ist schwierig zu sagen, aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, die man als Schiedsrichter ausschöpfen kann. Ich will die Sache nicht beschönigen, aber bevor man mit Steinen wirft, muss man wissen, was gesagt wurde.»

«Ich will die Sache nicht beschönigen, aber bevor man mit Steinen wirft, muss man wissen, was gesagt wurde.»

Urs Meier

Zu der Lösung, das Spiel am Mittwoch fortzusetzen, sagt Meier: «Man hätte die Sache am Dienstag erledigen können, aber wenn beide Mannschaften dem zugestimmt haben und PSG da mitging, kann ich das nachvollziehen. Ich hoffe, dies bleibt eine Ausnahme.» Die beiden Clubs haben nach Absprache mit der Uefa zugestimmt, die verbleibenden mindestens 75 Minuten werden jedoch unter einem neuen Schiedsrichtergespann fertiggespielt.

Deine Meinung

76 Kommentare
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Komische Welt

10.12.2020, 21:51

Schwer über ein Thema zu debattieren wenn die ander Seite heutzutage kein deut besser ist ,es wird auch kaum eine Anzeige erstattet wenn man jemanden fälschlicherweise Rassismus vorgeworfen wird.

Super

10.12.2020, 06:29

PSG hat gewonnen. Alles wieder Ok. Alles vergeben und vergessen.

Jim C lässt Grüssen

10.12.2020, 05:38

bald werden wir, dank dieser rassismus debatte, wieder separate wege gehen.