Aktualisiert 21.01.2013 14:21

Rassismus-HirnscanRassismus lässt sich im Hirn zeigen

Die Studie eines Psychologen der Uni Genf zeigt: Hirne von Rassisten funktionieren anders.

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Was geht in den Köpfen von Rassisten vor? Der Neurologe Tobias Brosch der Uni Genf hat es gemessen.

Was geht in den Köpfen von Rassisten vor? Der Neurologe Tobias Brosch der Uni Genf hat es gemessen.

Negative Stereotypen bilden sich im Hirn ab: Der Neuropsychologe Tobias Brosch, der an der Uni Genf forscht, hat aufgezeigt, dass sich Rassisten per Hirnscan entlarven lassen. Seine Ergebnisse hat er im Fachmagazin Psychological Science veröffentlicht. Er hat Personen, die ein Negativbild von Schwarzen haben, nacheinander Fotos von weissen und schwarzen Personen vorgelegt. Danach mass er die Aktivität ihres Gesichtsverarbeitungs-Areals im Hirn. «Die Muster ihrer Hirnaktivierung für schwarze und weisse Gesichter unterscheiden sich wesentlich mehr, als dies bei Personen ohne Stereotypen der Fall ist», sagt Brosch.

In der Schweiz fehlt die rechtliche Grundlage

Bei vielen amerikanischen Anwälten sei das Interesse am Brain Imaging bereits gross, um Verdächtige zu profilen und vor Gericht damit zu konfrontieren. In der Schweiz gibt es für solche Methoden aber keine rechtliche Grundlage. Unter einem Hirnscanner hat man keine vollständige Selbstkontrolle. «Und unter diesem Umstand darf sich niemand gegen seinen eigenen Willen selbst belasten», erklärt der Kriminologe Martin Killias. Zudem sei die Methode, angewandt im Rahmen eines Strafverfahrens, EMRK-widrig. Skeptisch, dass sich das Hirnscanning in der Kriminalistik mittelfristig durchsetzen könnte, ist auch der Alt-Staatsanwalt Walter Mathys. «Die Methoden des Profiling sind noch längst nicht ausgereift. Und die Angst, dass der Persönlichkeitsschutz ausgehöhlt und der Mensch zum Objekt wird, ist gross». Rassismus sei wie Terrorismus keine Krankheit, die man medizinisch diagnostizieren und behandlen könne.

Für die Bekämpfung von Rassismus taugten Hirnscans ebenfalls nicht, sagt Martine Brunschwig Graf, die Präsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus. «Prävention muss darauf abzielen, dass Unterschiede positiv, statt negativ ausgelegt werden».

Tobias Brosch*, Rassismus zeigt sich im Hirn. Ist er angeboren?

Nein. Stereotypen und Vorurteile sind nicht «im Gehirn verdrahtet», sondern Ergebnis sozialer und kultureller Lernprozesse. So waren in US-TV-Serien «Böse» lange Schwarze. Wenn man wiederholt mit solchen Bildern konfrontiert wird, entwickelt man negative Assoziationen.

Kann man Rassisten dank ihrer Forschung nun entdecken?

Theoretisch schon. Es ist eine von vielen Methoden, um negative Stereotypen zu messen. Die Forschung steht aber noch ziemlich am Anfang.

Wäre es möglich, Rassismus zu heilen, indem man die Hirnregion unterdrückt?

Nein, dann würde quasi die gesamte Gesichtswahrnehmung unterdrückt. Dass man Rassimus mit einer Pille «heilen» kann, ist ohnehin eine Utopie. Man kann negative Stereotypen aber verlernen und durch positivere Erfahrungen ersetzen. hit

*Tobias Brosch ist Neuropsychologe an der Uni Genf

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