Aktualisiert 23.04.2014 12:32

Frisuren in der US ArmyRassismusvorwurf wegen haariger Vorschriften

Afros sind verboten, ebenso «Twists» und mehr als zwei Zöpfe. Im Ärger über neue Frisurvorschriften werfen schwarze Soldatinnen und Politikerinnen der US Army Rassismus vor.

von
sut

Seit die US-Armee Anfang Monat ihre neuen Vorschriften für persönliche Pflege und Styling herausgegeben hat, wächst dagegen der Widerstand in den eigenen Reihen. Die Army-Regulierung AR 670-1 verbietet Tätowierungen im Gesicht und auf Händen, und sie schreibt im Detail vor, welche Frisuren erlaubt sind. Danach darf keine Frau ihre Haare in wildem Wust vom Kopf abstehen lassen, in mehr als zwei Zöpfe flechten oder oder in schraubenartige «Twists» verdrehen.

Die Vorschriften verfolgen das Ziel, die Angehörigen der Streitkräfte uniform aussehen zu lassen und den Eindruck der Ungepflegtheit zu vermeiden. «Viele Frisuren sind akzeptabel, solange sie sauber und konservativ aussehen», heisst es in den detailreichen Ausführungen des Dokuments.

«Sauber» ist gefragt

Afroamerikanischen Soldatinnen machen die neuen Vorschriften das Leben schwer. Krause Haare liegen nicht ohne weiteres glatt am Kopf; sie lassen sich nicht leicht in einen Chignon drehen oder in einen Rossschwanz binden. Für solche «sauber» aussehenden Frisuren müssen die meisten schwarzen Frauen ihr Haar erst glätten. Wer das nicht tun will, hat mit den Army-Regeln Probleme.

«Ich dachte sofort: Was im Himmel soll ich mit meinen Haaren anfangen?», erinnert sich Unteroffizier Jasmine Jacobs nach einem Bericht in der «New York Times». Jacobs trägt ihre Locken in jetzt verbotenen «Twists» mit zwei Strängen. Zu ihrem Ärger bleibt ihr als Alternative bloss, kleine Cornrows anzulegen, die Haare chemisch zu strecken, ein Netz überzuziehen oder eine Perücke zu tragen. Um ihrem Unwillen Geltung zu verschaffen, startete Jacobs eine Petition auf der Website des Weissen Hauses. Weil sie bis zum 19. April nicht auf 100'000 Unterschriften kam, ist die Bittschrift jedoch wieder entfernt worden.

Schwarze Politikerinnen protestieren

Dafür erhalten frustrierte Soldatinnen jetzt Hilfe vom US-Kongress. Die 16 Frauen unter den schwarzen Kongressabgeordneten haben Verteidigungsminister Chuck Hagel offiziell darum ersucht, die Regeln aufzuheben. Anstoss erregte bei den Politikerinnen besonders eine Formulierung in den neuen Vorschriften: «Zöpfe oder Cornrows, die ungepflegt oder matt sind, gelten als Dreadlocks und sind nicht erlaubt.» Für Repräsentantin Barbara Lee aus Kalifornien ist das «sehr beleidigend».

Das Pentagon macht geltend, die Vorschriften basierten auf einer eingehenden Beurteilung durch eine Fokusgruppe aus mehreren hundert Soldatinnen. Dennoch kommt es vielen der 26'700 Afroamerikanerinnen im Army-Aktivdienst als rassistisch vor, dass das Pentagon ausgerechnet Frisuren verbietet, die bei ihnen zunehmend populär sind. Nach einem Bericht der Konsumentenforschungsfirma Mintel nahmen die Verkäufe der bei US-Schwarzen einst beliebten «Hair Relaxer» in den letzten fünf Jahren um 26 Prozent ab. Gleichzeitig seien mehr Produkte für natürliches Haar abgesetzt worden.

Tattoos werden begrenzt

Protest gegen die neuen Vorschriften gibt es auch bei Tätowierungen. Neu sind keine Tattoos im Gesicht, auf den Händen und Fingern erlaubt. Unterarme und Unterschenkel dürfen höchstens vier Tätowierungen tragen, wobei kein einziges davon grösser als eine Hand sein darf. Die Regeln werden als einschränkend empfunden, weil Tattoos in den letzten Jahren bei Soldaten im Irak und in Afghanistan sehr beliebt geworden sind.

Auf vergleichsweise weniger Protest stossen die Haar-Regeln für männliche Soldaten: Bei ihnen ist zusätzlich der «Mohawk» genannte Haarstreifen in der Mitte des Kopfs verboten, ebenso das obenherum verlaufende «Hufeisen». Und Schnurrbärte dürfen nicht über die Mundwinkel hinausragen.

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