Aktualisiert 27.06.2013 12:17

Snowden über die SchweizRassisten, Prostituierte und hübsche Mädchen

Aus Edward Snowdens Zeit als CIA-Mitarbeiter in Genf sind Chat-Protokolle aufgetaucht. Der damals 23-Jährige pöbelte gnadenlos über die Schweizer - und Whistleblower.

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kri
In der UN-Mission der USA in Genf, wo auch die CIA untergebracht ist, arbeitete Edward Snowden von 2007 bis 2009. (Bild: U.S. Department of State)

In der UN-Mission der USA in Genf, wo auch die CIA untergebracht ist, arbeitete Edward Snowden von 2007 bis 2009. (Bild: U.S. Department of State)

Bevor Edward Snowden Whistleblower wurde, wollte er Whistleblower «in die Hoden schiessen». Das amerikanische Tech-Portal Ars Technica hat Chat-Protokolle ausgegraben, in denen Snowden unter dem Pseudonym TheTrueHOOHA auftaucht. Sie stammen aus den Jahren 2007 bis 2009, als der damals 23-Jährige seine Stelle als CIA-Mitarbeiter in Genf antrat.

Hintergrund seiner Aussage war ein Artikel in der «New York Times». Darin verrieten «anonyme Quellen», dass US-Präsident George W. Bush den Israelis bunkerbrechende Bomben gegen den Iran verwehrt hatte. «Diese Scheisse ist nicht grundlos geheim», tobte er. Es gehe nicht darum, vor den Bürgern etwas geheim zu halten: «Diese Scheisse funktioniert nicht, wenn Iran weiss, was wir vorhaben.»

«Die Mädchen sind sehr hübsch»

Amerikanische Medien rätseln, was wohl zum Gesinnungswandel Snowdens geführt hat. In den Chat-Protokollen steht aber noch mehr Interessantes, vor allem aus Schweizer Sicht: Kurz nach seiner Ankunft an seinem neuen Arbeitsort in Genf begann er sich über sein Gastland auszulassen. Zunächst die oft gehörten Vorhaltungen: Schmale Strassen, teures Essen, kein gratis Hahnenwasser im Restaurant. Er sieht auch Positives: «Die Mädchen sind sehr hübsch. Und Prostitution ist legal.»

Laut Snowden geben Schweizer «Zigeunern» die Schuld, wenn irgendwo ein Verbrechen begangen wird. Und wenn es nicht «Roma» waren, dann «verdammte Muslime» oder «gottverdammte Afrikaner». Und dann: «Ich habe noch NIE rassistischere Menschen gesehen als die Schweizer. Die schauen auf alle hinab, sogar aufeinander.» Sympathien hegte Snowden hingegen für die «verrückten, aber netten» Italiener. Gerade tolerant schien der CIA-Mitarbeiter aber selbst nicht zu sein: «Letztes Jahr war ich in London, dort wo alle eure Muslime leben. Ich wollte das Auto nicht verlassen.»

«Weg mit diesem Sozialstaat-Bullshit»

Snowden outete sich in dem Chat auch als Waffennarr: Nach dem Amtsantritt Barack Obamas äusserte er die Befürchtung, dass dieser das alte Verbot von Sturmgewehren wiederbeleben wolle. Daneben brachte er seine Abneigung gegen den Sozialstaat zum Ausdruck: «Kosten sparen? Weg mit diesem Sozialstaat-Bullshit.» Den habe es doch früher auch nicht gebraucht. Und überhaupt: «Meine Grossmutter wird dieses Jahr 83, und sie verdient noch immer ihren eigenen Lebensunterhalt als Coiffeuse.» Ein anderer User wirft ein: «Toll, wie ein einziges Beispiel für dich als Beweis ausreicht.» Snowden entgegnet: «Wenn du erwachsen bist und Steuern zahlst, wirst du vielleicht verstehen.»

Die brisanten Protokolle wurden von damaligen Chat-Partnern Snowdens lokal gespeichert und Ars Technica zur Verfügung gestellt. Das Portal selbst archiviert keine Chats. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich hinter TheTrueHOOHA tatsächlich Snowden verbarg, ist gross, denn der Inhalt der Chat-Protokolle, seine biografischen Angaben und sogar Bilder entsprechen laut Ars Technica genau dem, was heute über Snowden bekannt ist.

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