Fifa-Studie zeigt: Rassistisch und homophob –  so schlimm werden Fussball-Stars beleidigt
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Fifa-Studie zeigtRassistisch und homophob –  so schlimm werden Fussball-Stars beleidigt

Wenn es um Fussball geht, herrscht auf Social Media ein rauer Umgangston. Eine Analyse des Weltverbandes zeigt nun, wie schlimm die Entgleisungen auf Twitter & Co. wirklich sind.

von
Silvan Haenni
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Beleidigungen an der Tagesordnung: Fussball-Stars wie Jadon Sancho werden auf Social Media oft attackiert. 

Beleidigungen an der Tagesordnung: Fussball-Stars wie Jadon Sancho werden auf Social Media oft attackiert. 

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Beispielsweise, als Sancho, Rashford und Saka im Final der Euro 2020 gegen Italien ihre Penalty verschossen.

Beispielsweise, als Sancho, Rashford und Saka im Final der Euro 2020 gegen Italien ihre Penalty verschossen.

imago images/Focus Images
Bei dunkelhäutigen Spielern wurden bei sportlichem Versagen viele rassistische Kommentare ausgemacht.

Bei dunkelhäutigen Spielern wurden bei sportlichem Versagen viele rassistische Kommentare ausgemacht.

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Darum gehts

In der Anonymität von Social Media getrauen sich Menschen andere mit einer Härte anzugehen, von der sie im persönlichen Kontakt wohl kaum Gebrauch machen würden. Wenn im Fussball die Emotionen hochkochen, scheinen üble Beleidigungen aller Art an der Tagesordnung. Eine Studie der Fifa hat insgesamt 406’987 Posts rund um den EM-Final 2020 und den Afrika-Cup-Final 2022 diesbezüglich untersucht.

Mit erschreckenden Erkenntnissen: So wurden nicht weniger als 55 Prozent der bei den beiden Endspielen involvierten Profis in irgendeiner Form Opfer von digitalen Beschimpfungen. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz konnte zudem ausgewertet werden, um welche Arten von Missbrauch es sich dabei handelt. Die bittere Wahrheit: 40 Prozent der Hass-Posts waren homophober Natur, 38 Prozent rassistischer. 

Wenn dunkelhäutige Spieler Penaltys verschiessen

Weniger häufig wurden behindertenfeindliche (sechs Prozent) oder islamophobe Beiträge (sechs Prozent) entdeckt. Bei der Verteilung sind deutliche Unterschiede zwischen der Euro und dem Afrika Cup auszumachen: Während im Rahmen des Euro-Finals 2020 78 Prozent der Hass-Kommentare rassistisch waren, gab es rund um den Afcon-Final 2022 62 Prozent homophobe Posts. Der Anteil an rassistischen Beleidigungen in Afrika betrug «nur» 26 Prozent. Die Fifa erklärt sich diesen Unterschied durch die Reproduktion von «kulturellen Stereotypen des Hauptpublikums». 

Was das bedeutet? Die grosse Mehrheit der Beleidigungen im Rahmen des EM-Endspiels war an die drei dunkelhäutigen englischen Spieler gerichtet, die im Penaltyschiessen gegen Italien ihren Elfer verschossen hatten: Marcus Rashford, Bukayo Saka und Jadon Sancho. Derweil sei Homophobie unter den afrikanischen Fans weiter verbreitet als Rassismus. Während auf Instagram die Posts hauptsächlich an Vorkomnisse (bspw. ein verschossener Penalty) gekoppelt sind, ist auf Twitter rund um die Finalspiele ein konstantes Grundrauschen beobachtbar.

90 Prozent sind rückverfolgbar

Bei beiden Turnieren stammt das Gros der Kommentare aus dem Heimatland des Attackierten – und 58 Prozent sind bis heute auf der Plattform sichtbar. Interessant: Während durch die gezielte Moderation der Plattformen vor allem rassistische Beiträge entfernt werden, bleiben 87 Prozent der nicht-rassistischen Beleidigungen mehr als acht Monate lang veröffentlicht. Daraus lässt schliessen, dass in den vergangenen Jahren eine gewisse, aber dennoch einseitige Sensibilisierung stattgefunden hat. 

Eine Sensibilisierung, die auch im Zusammenhang mit der Rückverfolgbarkeit der Posts weiter vorangetrieben werden sollte. Schliesslich sind gemäss der Fifa-Studie 90 Prozent der fehlbaren Accounts identifizierbar. Heisst: Mit strengeren Massnahmen von Behörden, nationalen Verbänden und teilweise auch nationalen Vereinen könnten viele beleidigende User und Userinnen geblockt oder auch bestraft werden. Denn ganz so anonym, wie viele meinen, sind sie auch auf Social Media nicht.

Fifa Threat Matrix

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

InterAction, Beratung und Information für intergeschlechtliche Menschen, Tel. 079 104 81 69

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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