ESAF in Pratteln BL: Rassistische Hass-Mails überschatten das Eidgenössische Schwingfest
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ESAF in Pratteln BLRassistische Hass-Mails überschatten das Eidgenössische Schwingfest

Anlässlich des ESAF will die Gastgebergemeinde Pratteln ein Trachten-Festival abhalten, das die Vielfalt des Brauchtums feiert. Mitorganisatorin Shqipe Sylejmani ist deswegen heftigen rassistischen Attacken ausgesetzt.

von
Steve Last
Vanessa Travasci
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Prattlerin Shqipe Sylejmani organisiert ein Trachtenfest am Rande des ESAF. Unbekannte schreiben ihr in dem Zusammenhang rassistische E-Mails.

Prattlerin Shqipe Sylejmani organisiert ein Trachtenfest am Rande des ESAF. Unbekannte schreiben ihr in dem Zusammenhang rassistische E-Mails.

Tamedia/Boris Müller
Das Trachtenfest ist Teil eines Projekts der ESAF-Gastgebergemeinde Pratteln BL und soll vor dem Schwingfest stattfinden.

Das Trachtenfest ist Teil eines Projekts der ESAF-Gastgebergemeinde Pratteln BL und soll vor dem Schwingfest stattfinden.

Gemeinde Pratteln BL
Das ESAF soll vom 26. bis 28. August in Pratteln BL stattfinden.

Das ESAF soll vom 26. bis 28. August in Pratteln BL stattfinden.

Swiss-Image/Peter Portmann

Darum gehts

«Ich kann noch so oft betonen, dass ich die Schweiz liebe. Trotzdem heisst es: ‹Du bist Albanerin. Wir wollen dich nicht›», sagt die Prattlerin Shqipe Sylejmani dem «Regionaljournal» von Radio SRF. Die Journalistin und Autorin mit albanischen Wurzeln, die seit rund 30 Jahren in der Schweiz lebt, erhält seit Tagen rassistische E-Mails von Unbekannten. Im SRF-Beitrag wird teilweise aus den beleidigenden und rassistischen Nachrichten, deren Urheberschaft sich in der Anonymität versteckt, zitiert.

Am Vorabend des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Pratteln BL soll nämlich ein Trachten-Festival stattfinden, das traditionelle Gewänder aus aller Welt zeigt. Es ist Teil des Projekts «Tracht lacht – Brauchtum verbindet», das die ESAF-Gastgebergemeinde lanciert hat. Sylejmani ist Botschafterin des Prattler Fests, das vor dem Schwingfest über die Bühne gehen soll. Dieses Engagement von Sylejmani nutzen die Unbekannten als Vorwand, um sie zu attackieren. Offenbar sind anonyme Hassnachrichten ihre Art, sich gegen eine multikulturelle Veranstaltung am Rande des ESAF auszusprechen. Für Sylejmani sind die Angriffe «untragbar».

Gemeinde und ESAF verurteilen Angriffe

«Mir tut das sehr weh», sagt die Prattler Kulturverantwortliche Andrea Sulzer zu 20 Minuten. Die Gemeinde verurteilt die rassistischen Angriffe auf Sylejmani aufs Schärfste. Das Projekt wurde im vergangenen Sommer ins Leben gerufen, um anlässlich des ESAF das Brauchtum zu feiern, ungeachtet der Herkunft. «Menschen aus über hundert Nationen leben in und prägen Pratteln», sagt Sulzer. Seit Jahrzehnten setze man sich mit den schönen und den schwierigen Seiten des multikulturellen Zusammenlebens auseinander. «Wir sind das gewohnt und stolz auf unsere Vielfalt», so Sulzer.

«Wir distanzieren uns explizit von den verletzenden und teilweise sogar rassistischen Wortmeldungen, die Shqipe Sylejmani im Zusammenhang mit den Prattler Kulturprojekten erreicht haben», heisst es vonseiten des ESAF auf Anfrage von 20 Minuten. Man sei dankbar für jedes Engagement, das dazu führe, «ein friedliches, fröhliches, lebendiges und buntes ESAF» umzusetzen. Die Prattler Vielfalt sei «ein willkommener Teil unseres Festumzugs der Schweizer Vielfalt».

«Sie entscheidet, was sie trägt und wo sie mitmacht»

«Rassistische Hass-Mails lösen Stress und Unsicherheiten aus und können eine grosse Belastung sein», sagt Gina Vega, Leiterin der Fachstelle Diskriminierung und Rassismus bei Humanrights.ch. Sie rät Betroffenen, sich allenfalls beraten zu lassen und das rassistische Material zu speichern. Dann könne man Anzeige erstatten oder den Fall bei einer Plattform wie Reportonlineracism.ch melden. «Als Ziel für Hass-Mails werden besonders Frauen mehrfach diskriminiert, aufgrund ihres Frauseins und ihrer vermeintlichen Herkunft», sagt Vega.

Zu Sylejmanis Situation hält Vega fest: «In diesem Fall hat die Person, wie jede andere in der Schweiz, das Recht, sich zu engagieren, wo sie das möchte. Sie ist eine freie Person und kann entscheiden, was sie trägt und an was sie mitmacht. Und kein Mensch hat das Recht, ihr diese Freiheit abzusprechen.» 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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