Aktualisiert 14.09.2016 13:00

Rassentrennung in US-Städten

Raten Sie mal, wo hier die Schwarzen wohnen

Die Rassentrennung in den grossen US-Städten hält sich beharrlich. Auf der Rangliste der Städte mit der extremsten Segregation steht Detroit ganz oben.

von
sut
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10. New Orleans, Louisiana: 40,1 Prozent der Schwarzen leben in überwiegend schwarzen Quartieren. Hurrikan Katrina hat die Segregation sogar noch verschlimmert. Bild: Bourbon Street im Zentrum, wo vor allem Weisse wohnen.

10. New Orleans, Louisiana: 40,1 Prozent der Schwarzen leben in überwiegend schwarzen Quartieren. Hurrikan Katrina hat die Segregation sogar noch verschlimmert. Bild: Bourbon Street im Zentrum, wo vor allem Weisse wohnen.

Wikimedia Commons
Die Grafik zeigt die Verteilung der Bevölkerung. Rot: über 80 Prozent Schwarze; blau: über 80 Prozent Weisse; lila: keine Rasse ist mit 80 Prozent in der Mehrheit.

Die Grafik zeigt die Verteilung der Bevölkerung. Rot: über 80 Prozent Schwarze; blau: über 80 Prozent Weisse; lila: keine Rasse ist mit 80 Prozent in der Mehrheit.

24/7 Wall St.
9. Birmingham, Alabama: 40,3 Prozent der Schwarzen in überwiegend schwarzen Quartieren. Bild: Das Zentrum der Stadt.

9. Birmingham, Alabama: 40,3 Prozent der Schwarzen in überwiegend schwarzen Quartieren. Bild: Das Zentrum der Stadt.

Wikimedia Commons

Der Glaube an den Fortschritt legt nahe, dass sich auch im Verhältnis der Rassen in den USA die Dinge zum Besseren entwickeln sollten. Doch das ist nicht der Fall, wenn es um die geografische Trennung der Rassen geht, auch Segregation genannt. Nach einer Aufstellung der Website «24/7 Wall St.» leben unter Stadtbewohnern nicht weniger als 44,4 Prozent der Menschen in Nachbarschaften, die deutlich von einer Hautfarbe dominiert werden.

Die Leidtragenden sind oft Afroamerikaner, weil sie wirtschaftlich zu den schwächsten Kategorien von Einwohnern zählen. Die Segregation hat zur Folge, dass viele US-Schwarze an Orten wohnen, wo die Arbeitsplätze rar und die Schulen schlecht sind.

Keine Städte mit ausgewogener Bevölkerung

Wie «24/7 Wall St.» ausführt, sind rund 14 Prozent der Einwohner der USA Afroamerikaner. Aber in keiner der hundert grössten städtischen Regionen macht ihr Anteil in allen Bezirken 14 Prozent aus. Stattdessen haben alle diese Städte Quartiere, in denen 80 Prozent und mehr der Einwohner schwarz sind.

Die Website hat untersucht, welche Anteile solche hochhomogenen Schwarzenquartiere in den verschiedenen Städten haben. Mit den Ergebnissen stellte sie eine Rangliste der segregiertesten Städte zusammen (siehe Bildstrecke). An ihrer traurigen Spitze thront die Autostadt Detroit: In der «Motor City», leben 57,7 Prozent der 962'000 Afroamerikaner in Quartieren mit 80 Prozent oder mehr Schwarzen.

Wohnen in eigens geschaffenen Zonen

Die Trennung nach Hautfarbe hat im Fall der Afroamerikaner nichts mit der freiwilligen Gruppierung von Immigranten gemein. Auch in Europa und der Schweiz gesellen sich Einwanderer ähnlicher Herkunft oft zueinander in ethnisch und sprachlich einheitlichen Gemeinschaften. Bei Amerikas Schwarzen sei das anders, sagt der Segregationsexperte Richard Rothstein von der Denkfabrik Economic Policy Institute. «Nur die Afroamerikaner wurden durch eine ausdrückliche Politik auf der Ebene des Bunds, der Gliedstaaten und der Gemeinde segregiert.»

Vor den 1968 eingeführten Bürgerrechtsgesetzen war diese Aussonderung einfach zu bewerkstelligen. Gemeindeverwaltungen und Immobilienmakler konnten Afroamerikaner dazu zwingen, in eigens für sie reservierten Zonen zu wohnen. In diesen Quartieren waren und sind die Preise für Wohneigentum viel niedriger als in Stadtteilen mit mehrheitlich weisser Einwohnerschaft. Aus diesem Grund haben Afroamerikaner im Durchschnitt viel weniger Vermögen als Angehörige anderer Ethnien und Rassen.

Aufholen würde 228 Jahre brauchen

Die krassen Unterschiede lassen sich nicht einfach beseitigen. Das Vermögen der US-Weissen wächst etwa dreimal so schnell wie das der Afroamerikaner, ergab eine Anfang August veröffentlichte Studie. Anders ausgedrückt: Bei konstantem Einkommenswachstum würde es 228 Jahre dauern, bis eine durchschnittliche schwarze Familie jenes Vermögen anhäuft, das weisse Familien schon heute haben.

Die Unterschiede werden gegenwärtig durch Trends bei der Vergabe von Hypotheken zusätzlich vergrössert. Seit der Finanzkrise müssen Hauskäufer verschärften Anforderungen genügen, um von Banken Geld zu erhalten. Das Resultat: Schwarze machten unter neuen Hypothekarschuldnern 2014 bloss noch 5 Prozent aus; zehn Jahre vorher hatte ihr Anteil noch 7 Prozent betragen.

Mit anderen Worten: Afroamerikaner werden in den USA im Durchschnitt immer mehr abgehängt. Es wird viel brauchen, damit sich hier Fundamentales ändert.

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