Geplagte Pädagogen: Ratgeber hilft Lehrern im Umgang mit Problemeltern
Aktualisiert

Geplagte PädagogenRatgeber hilft Lehrern im Umgang mit Problemeltern

Weil sich Eltern vermehrt in den Unterricht einmischen, hat der Lehrerverband einen neuen Leitfaden herausgegeben. Vor allem reiche Eltern üben Druck aus.

von
kfi
Konfliktpotenzial Schule: Die Zusammenarbeit mit Eltern ist für Lehrer deutlich anspruchsvoller geworden. (Archivbild)

Konfliktpotenzial Schule: Die Zusammenarbeit mit Eltern ist für Lehrer deutlich anspruchsvoller geworden. (Archivbild)

Keystone/Sebastian Kahnert

Streit um den Gymnasium-Eintritt, um Noten und den Schulweg: Lehrer schlagen sich nicht mehr nur mit ihren Schülern, sondern vermehrt auch mit deren Eltern herum. Die Zusammenarbeit mit Eltern sei für Pädagogen «deutlich anspruchsvoller und differenzierter geworden», heisst es in einem neuen Leitfaden des Dachverbandes der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH). Auf 52 Seiten thematisiert er die zunehmend schwierige Zusammenarbeit zwischen Schulen, Lehrern und Erziehungsberechtigten.

«Viele Eltern meinen, dass sie ein Recht darauf haben, bei allem mitreden zu können, was in der Schule passiert», sagt Sarah Knüsel, Präsidentin des Schulleiterverbandes des Kantons Zürich, im «SonntagsBlick». «Selbst Kleinigkeiten werden in Frage gestellt», so Georges Raemy, der Präsident des Schulleiter-Verbandes im Kanton Zug. Er nennt konkrete Beispiele: Die einen seien gegen den Klassenausflug in den Wald, andere bemängelten, dass der Geburtstag ihres Kindes nicht angemessen gefeiert werde, wieder andere würden sich über den Stundenplan beklagen.

Mit dem Anwalt ans Elterngespräch

Im neuen Leitfaden erfahren die geplagten Lehrer anhand von Fallbeispielen aus der Praxis, wie sie in solchen kritischen Momenten am besten reagieren. Besonderes Konfliktpotenzial besteht, wenn es darum geht, ob ein Kind ins Gymnasium, in die Sekundar- oder die Realschule kommt. Da werde auch schon einmal mit dem Anwalt gedroht, sagt Konrad Schuler, Präsident der Volksschullehrer im Kanton Schwyz. «Es ist schon vorgekommen, dass Eltern den Anwalt ans Elterngespräch mitgenommen haben.»

Auch rechtliche Rahmenbedingen nehmen deshalb im Ratgeber viel Platz ein. Der Rechtsdienst des Volksschulamts des Kantons Zürich ist denn auch so gefragt wie nie. Man erhalte «deutlich mehr Anfragen von Lehrern und Schulleitungen, aber auch von Eltern», so Chefin Marion Völger. Aktuell bearbeite der Zürcher Rechtsdienst rund 3000 Anfragen pro Jahr, etwa 400 davon von Eltern.

Gymi dank dickem Portemonnaie

In der Regel sind es gemäss «SonntagsBlick» gut situierte Eltern, die Lehrpersonen unter Druck setzen. Christian Hugi, Präsident des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands, sieht deshalb die Chancengerechtigkeit gefährdet: «Bei Schülern, die aus gutem Hause kommen und ehrgeizige Eltern haben, sind die Chancen höher, dass sie ans Gymnasium kommen – obwohl sie schulisch nicht besser sind als Klassenkameraden.»

Deine Meinung