Ratingagentur Moody's massiv unter Druck
Aktualisiert

Ratingagentur Moody's massiv unter Druck

Die internationale Ratingagentur Moody's soll Wertpapiere zu hoch eingeschätzt haben. Jetzt ermittelt ein US-Staatsanwalt wegen potenziellem Betrug. Ist eine Computerpanne schuld?

Der Staatsanwalt von Connecticut (USA) untersucht Moody's auf «möglichen Betrug und Verschleierung von falschen Bonitätsbewertungen», wie «faz.net» schreibt.

Zuvor hatte die «Financial Times» über Unregelmässigkeiten bei der Ratingvergabe im Jahr 2006 berichtet. Dabei soll es sich um Bewertungen für so genannte «Constant Proportion Debt Obligations» (CPDO) aus Europa in der Höhe von etwa vier Milliarden Dollar handeln. CPDOs sind komplexe Finanzderivate, mit denen Investoren auf die künftige Entwicklung am Finanzmarkt spekulieren. Sie sind eine Erfindung der holländischen Grossbank ABN Amro aus dem Jahr 2006. Moody's hatte nun vielen dieser Papiere die Bestnote «Aaa» gegeben, obwohl die Produkte ungewöhnlich hohe Renditen versprechen und damit ein hohes Risiko in sich tragen.

Fehler erkannt – Rating trotzdem nicht geändert

Wie die «Financial Times» weiter gestützt auf ihr vorliegende Papiere schreibt, habe Moody's im Februar 2007 erkannt, dass ein Computerfehler Ursache für die Bewertung mit der Bestnote gewesen sei. Das Rating hätte eigentlich vier Stufen unter dieser Bonitätsstufe liegen müssen. Intern sei das Problem diskutiert, das Rating aber bis Januar 2008 behalten worden. Zwar sei der Computerfehler korrigiert worden, nicht aber die Ratings. Diese habe man anfangs Jahr geändert, als Moody's sie infolge der allgemeinen Marktturbulenzen herabgestuft und mit einer Änderung der Ratingmethode begründet habe.

Die Agentur bestreitet dies vehement: «Es würde der Unternehmenspolitik widersprechen, wenn Moody's seine Bewertungsmethoden änderte, um Irrtümer zu verschleiern», sagt ein Sprecher. Moody's hat selbst eine Untersuchung eingeleitet.

Ratingagenturen heftig unter Beschuss

Die Attacken gegen Moody's verstärken den ohnehin starken Druck auf die Ratingagenturen. Ihnen wird vorgeworfen, die Risiken vieler strukturierter Finanzprodukte nicht richtig erkannt zu haben.

Das ist aber nicht das einzige Problem. Den Agenturen wird ebenfalls vorgeworfen, Interessenskonflikten ausgesetzt zu sein. Sie hätten die Herausgeber von Finanzprodukten gegen hohe Gebühren beraten, wie diese die Papiere strukturieren müssten, um die Bestnote zu erhalten. Andererseits hätten dann die Agenturen diese Papiere mit der Bestnote bewertet, wiederum gegen Entgelt. Erst dies habe den Herausgebern ermöglicht, die Papiere auf der ganzen Welt an gutgläubige Anleger zu verkaufen.

Die Forderungen nach schärferer Regulierung und besserer Kontrolle der Agenturen häufen sich jetzt. Zu spüren bekam das die Moody's-Aktie: Am Mittwoch verlor sie fast 16 Prozent, gestern noch einmal 6,5 Prozent. Auch heute ist sie wieder im Minus.(scc/rmd)

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