Trotz Sparpaket: Ratingagentur stuft Italiens Bonität zurück
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Trotz SparpaketRatingagentur stuft Italiens Bonität zurück

Das 54,2 Milliarden Euro umfassende Sparpaket hat Standard & Poor's nicht beruhigt: Die Ratingagentur stuft Italiens Kreditwürdigkeit zurück - und die Aussichten sind düster.

von
meg
Die Ratingagentur S&P sieht derzeit rot für Italien.

Die Ratingagentur S&P sieht derzeit rot für Italien.

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft. Das Land werde bei der langfristigen Bonität fortan mit der Note «A» statt «A+» bewertet, teilte Standard & Poor's am Montag (Ortszeit) mit.

Grund seien «die sich abschwächenden Wachstumsaussichten» und die Einschätzung, dass die derzeitige Koalition die Fähigkeit Roms einschränke, entschlossen auf die Schuldenkrise zu reagieren, hiess es in der Mitteilung.

Auch bei der kurzfristigen Kreditwürdigkeit setzte die Agentur das Rating für die drittgrösste Wirtschaft der Euro-Zone um eine Stufe von «A-1+» auf «A-1» herab. Der weitere Ausblick für Italien wird als «negativ» eingeschätzt, was bedeutet, dass die Agentur weitere Herabstufungen vornehmen könnte.

Standard & Poor's ist die erste Ratingagentur, die Italiens Kreditwürdigkeit seit Beginn der Euro-Schuldenkrise herabstuft. Durch eine Senkung der Bonitätsnote wird es für Länder in der Regel teurer, an den Finanzmärkten Kredite aufzunehmen.

Damit könnte sich Italiens Schuldenproblem verschärfen, auch wenn die Einstufung noch weit vom Ramschstatus entfernt ist. Das Land hat mit etwa 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach Griechenland den höchsten Schuldenstand in der Eurozone und muss entsprechende Zinszahlungen leisten.

Zweifel an Umsetzung des Sparprogramms

Standard & Poor's hatte die Herabstufung bereits im Mai angedroht. Die Agentur vollzog diese nun, obwohl das italienische Parlament erst vor wenigen Tagen ein weiteres Sparpaket der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi in Höhe von 54,2 Milliarden Euro verabschiedet hatte.

Die Agentur hat aber Zweifel, ob das Programm wirklich umgesetzt wird. «Wir glauben, dass die bisher reduzierte Geschwindigkeit von Italiens wirtschaftlicher Aktivität es schwer machen wird, die überarbeiteten Haushaltsziele der Regierung zu erreichen», teilte Standard & Poor's mit.

Die Agentur begründete ihre Einschätzung mit einer niedrigen Beschäftigungsquote, einem ineffizienten öffentlichen Sektor und geringen Investitionen aus dem Ausland. «Aus unserer Sicht scheut sich die Regierung davor, diese Fragen anzugehen», erklärte die Agentur mit Blick auf fehlende Strukturreformen.

Moody's entscheidet im Oktober

Im schlimmsten Szenario geht Standard & Poor's davon aus aus, dass Italien 2012 in eine Rezession gerät. Die Wirtschaftsleistung würde dabei um 0,6 Prozent sinken, gefolgt von einer «bescheidenen Erholung» in den Jahren 2013 und 2014.

Auch die Ratingagentur Moodys's hat Italien bereits eine Herabstufung angedroht. Derzeit hat Italien dort für langfristige Darlehen noch ein «Aa2»-Rating - es liegt damit zwei Stufen unter der Bestnote «Aaa».

Am Freitag hatte Moody's mitgeteilt, die Prüfung der Lage in Italien zu verlängern. Eine Entscheidung sei «im kommenden Monat» zu erwarten.

Herabstufung belastet Nikkei-Index

Die Herabstufung hat am Dienstag für Kursverluste an der Tokioter Börse gesorgt. Der Nikkei-Index verlor 1,4 Prozent auf 8740 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index gab 1,5 Prozent nach auf 756 Zähler.

Auch rutschte der Euro am Dienstag deutlich ab. Zeitweise kostete er weniger als 1,36 Dollar. Zuletzt notierte die europäische Gemeinschaftswährung wieder etwas über dieser Marke. Gegenüber dem Franken verlor der Euro seit Montagabend leicht, am Morgen stand er bei 1,2067 Franken. Der Dollar legte hingegen zum Franken etwas zu.

Investoren befürchten, dass der S&P-Schritt zu einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise führen könnte. «Der Markt konzentriert sich auf die Situation in Europa», sagte Analyst Yumi Nishimura von Daiwa Securities. (meg/sda/dapd)

Herabstufung reflektiert nicht die Realität

Die Herabstufung Italiens durch die Ratingagentur Standard & Poor's reflektiert nach Darstellung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi nicht die Realität.

«Die Einschätzung von Standard & Poor's scheint mehr von Medienberichten als von der Realität diktiert worden zu sein. Sie scheint auch von politischen Erwägungen negativ beeinflusst», sagte Berlusconi am Dienstag.

Die Regierung habe bereits Massnahmen zur Haushaltssanierung eingeleitet. Schritte zur Förderung des Wirtschaftswachstums seien in Vorbereitung.

EU-Kommission: Italien hält sich an Sparziele

Vor dem Hintergrund der jüngsten Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens hat die EU-Kommission die Sparbemühungen der Regierung in Rom unterstrichen.

«Italien handelt, um die gesamtstaatliche Verschuldung zu senken», sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn am Dienstag in Brüssel. Italien werde seine mit den EU-Partnern vereinbarten Sparziele erreichen.

Die Mitte-Rechts-Regierung hatte in zwei Paketen Sparmassnahmen von insgesamt über 100 Milliarden Euro beschlossen. Bereits 2013 soll das Defizit auf Null sinken und der Haushalt ausgeglichen sein.

Der Sprecher kommentierte nicht im Detail den Schritt der Rating- Agentur Standard & Poor's, die Bewertung Italiens von «A » auf «A» herunterzusetzen. «Die Kommission nimmt dazu keine Stellung», sagte er.

Er verwies auf Empfehlungen der EU an Italien vom Sommer, mehr für das Wirtschaftswachstum zu tun. Für diese Reformagenda sei ein nationaler Konsens nötig, der auch die Sozialpartner miteinbeziehe.

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