Tierischer Fahrgast: Ratte amüsiert Passagiere in S-Bahn

Aktualisiert

Tierischer FahrgastRatte amüsiert Passagiere in S-Bahn

In der S1 von Basel nach Frick hat sich am Sonntag eine Ratte im Zug eingenistet. Die Fahrgäste freuten sich, dem Tier droht allerdings eine düstere Zukunft.

von
vro

Eine Leser-Reporterin und ihre zwei Kolleginnen erhielten am Sonntagabend in der S1 von Basel nach Frick ungewöhnliche Gesellschaft. Während sie genüsslich in einen Burger bissen, schaute plötzlich eine Ratte hinter der Wandverschalung im Zug hervor.

«Im Burger hatte es Käse, sie hat ihn wohl gerochen», sagt die 16-jährige Schülerin aus Pratteln. Die drei Freundinnen hätten dem Tier ein wenig davon gegeben. «Sie hat es aber nicht gefressen, sie hatte Angst.»

«Wird sich nicht lange wohlfühlen»

Mehrmals sei die Ratte aus ihrem Versteck gekrochen und wieder in der Wand verschwunden. «Wir haben es lustig gefunden und mussten sehr lachen, weil das so ungewöhnlich war», so die Leser-Reporterin. Sie glaubt, dass die Ratte vom Basler Bahnhof stammt. «Es hat uns allerdings gewundert, dass sie nicht dreckig war. Sie sah sehr gepflegt aus.»

Stefan Hertwig, leitender Kurator am Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern, glaubt nicht, dass das Tier vom Bahnhof stammt. Es handle sich vielmehr um eine Zuchtratte, die als Haustier gehalten wurde. «Die ist wohl jemandem davongelaufen», so Hertwig. Ihre Zukunft sehe nicht allzu gut aus: «Die Ratte wird sich im Zug nicht lange wohlfühlen. Die hat Hunger und Durst. Das grösste Problem ist eigentlich das Wasser.» Ausserdem brauche sie die Gesellschaft anderer Ratten oder einen Menschen als Bezugsperson.

SBB spricht von Einzelfall

Für den Fachmann gibt es deshalb nur eine Lösung: «Man müsste sie möglichst schnell im Wagen einfangen. Je länger sie dort drin ist, desto auffälliger verhält sie sich, weil sie Hunger und Durst hat.» Mit einer Lebendfalle könne das Tier schnell eingefangen werden.

In freier Wildbahn hingegen sehe ihre Zukunft düster aus. «Falls sie es schafft, aus dem Zug herauszukommen, hat sie keine grossen Chancen, länger zu überleben. Sie ist sich nicht gewöhnt, alleine ohne menschliche Betreuung zurechtzukommen.» Zudem werde ihr Leben vom Strassenverkehr und Räubern wie Hunde, Katzen, Füchse, Marder und Raubvögel bedroht. Auch ihre Artgenossen werden sie wohl gnadenlos im Stich lassen: «Wilde Ratten leben in klar definierten Gruppenverbänden. Alles, was nicht dazugehört, wird vertrieben oder gar getötet.»

Bei der SBB habe sich niemand gemeldet, der eine Ratte vermisst, erklärt Sprecher Reto Schärli. Beim tierischen Fahrgast handle es sich um einen Einzelfall. Weil die S1 unbegleitet ist, hatte man auch keine Kenntnisse von der Ratte im Zug, sagt Schärli. «Schäden an technischen Einrichtungen sind jedenfalls keine festgestellt worden.» Bei vermissten Tieren in Zügen schaue man immer, wie die SBB helfen könne. Dies sei im aktuellen Fall wohl nicht mehr nötig: «Das Haustier wurde nicht mehr gesehen. Wir gehen davon aus, dass der Besitzer es wieder mitgenommen hat.»

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